Bremen - Die Blitztabelle auf der Videowand des Weserstadions versetzte die Fans von Fußball-Bundesligist Werder Bremen in ausgelassene Feierstimmung und Trainer Florian Kohfeldt bündelte den grün-weißen Begeisterungstaumel in einem einzigen Satz. „Jetzt wollen wir zupacken und wirklich etwas erreichen“, sagte der Coach und genoss den sechsten Tabellenplatz fast noch mehr als das 3:1 (2:0) gegen Mainz 05.
Gegen die oftmals überforderten Gäste machten vor allem Max Kruse und Milot Rashica den Unterschied. Das Auge des Kapitäns und die Schnelligkeit des 22-Jährigen aus dem Kosovo waren für die Mainzer nicht zu kontrollieren. Kruse traf zweimal, Rashica einmal – beide Stürmer konnten sich noch mit jeweils einem Assist in die offiziellen Statistiken eintragen lassen.
„Schön, dass die Euphorie entfacht ist. Im Moment haben wir eine gute Phase und wir wollen da sein, wenn die anderen schwächeln“, sagte Kruse. Seine sportliche Zukunft ist nach wie vor offen. „Bei mir gibt es noch keine Tendenz“, sagte der 31-Jährige, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft. „Es gibt natürlich auch Sachen, die ich mir anhören würde. Das muss man ehrlich sagen. Die Entscheidung ist weder für noch gegen Werder gefallen“, machte Kruse keine Anstalten, ein klares Bekenntnis abzugeben.
„Ich glaube, dass er schon weiß, was er an Werder hat“, gab sich Trainer Kohfeldt da schon zuversichtlicher – mit einer Einschränkung: „Aber wenn natürlich Barcelona anruft...“ Kruses Sturmpartner und Freund Martin Harnik macht sich da schon mehr Sorgen. „Es wird brutal schwer, ihn in dieser Verfassung zu halten“, sagte der 31-Jährige. Kruse war nun an zehn der vergangenen elf Bremer Treffer direkt beteiligt. „Er hat die beste Form seit Jahren, wirkt topfit, macht unfassbar viele Wege und ist überall“, erklärte Linksverteidiger Ludwig Augustinsson.
Der Hochgelobte ergänzt sich von Woche zu Woche auffallend besser mit seinem Offensivkollegen Rashica. „Wir sind wie ein kleines Dreamteam. Ich weiß mittlerweile ganz genau, wann und wie die Pässe von Max kommen“, sagte der Kosovare, der dank Sondertraining mittlerweile mehr Ruhe beim Torabschluss zeigt und nach drei Minuten das 1:0 nach einem Konter erzielt hatte. „Jeder weiß von der Qualität von Max am Ball und als Stürmer werden solche Läufe von mir erwartet. Das trainieren wir häufig“, sagte Rashica mit Blick auf die Führung.
Und auch Kohfeldt, am Donnerstag als Trainer des Jahres ausgezeichnet, weiß natürlich, was er an seinem Offensiv-Duo und speziell an Kruse hat: „Max hat ein unglaublich gutes Gefühl für Räume und Positionen. Vielleicht sollte ich einmal nachschauen, ob er auch hinten Augen hat.“
Ansonsten sind Rückblicke Kohfeldts Sache nicht. Dass durch den Erfolg gegen Mainz die ominöse Grenze von 40 Punkten überschritten wurde, nahm er eher beiläufig zur Kenntnis: „Es war ja nun nicht so, dass wir auf diese Marke hingezittert hätten.“ Bangen muss der Coach in den kommenden Wochen wohl eher um seinen seit Wochen besten Mann: Max Kruse. Laut Medienberichten sollen auch Tottenham Hotspur und Inter Mailand inzwischen Interesse an dem „Unterschiedspieler“ (Kohfeldt) haben.
