Bremen - Es ist in den vergangenen Jahren schon fast eine Art ungeliebte Tradition geworden. Immer dann, wenn in Bremen sportpolitische Entscheidungen getroffen werden, sind sich der SV Werder und das Land uneins. Und so kann es kaum mehr verwundern, dass selbst in Zeiten der Corona-Krise, in den Solidarität und Gemeinschaft groß geschrieben werden, mal ein Streit zwischen den beiden Interessengemeinschaften entstanden ist.
„Wir sind über die regelmäßigen öffentlichen Auftritte von Herrn Mäurer mit dieser so negativen Haltung gegenüber dem Profifußball irritiert“, brachte Werders Sportchef Frank Baumann in einem Interview mit dem „Weser-Kurier“ seinen Unmut nun zum Ausdruck. Er reagierte damit nicht nur auf das jüngste Trainingsverbot, das der Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Freitag ausgesprochen hatte, sondern auf eine Reihe von Auseinandersetzungen bei unterschiedlichen Themen in der Vergangenheit.
Der Profi-Fußball werde „hier in Bremen in eine Ecke gedrängt, die er nicht verdient hat“, begründete Baumann seine ungewohnt deutliche Kritik. Der Auslöser? Werder hatte beantragt, ab diesem Montag trotz des geltenden Kontaktverbots in der Corona-Krise wieder Trainingseinheiten mit bis zu zehn Spielern durchzuführen zu dürfen – immer mehr Bundesligisten versuchen im Rahmen der Möglichkeiten wieder gemeinsam zu trainieren, da die DFL plant, ab Anfang Mai den Ligabetrieb mit Geisterspielen wieder aufzunehmen. Der Innensenator hatte den Antrag zwar noch nicht abgelehnt, weil er in dieser Frage auf eine gemeinsame Vorgehensweise aller Bundesländer setzt. Bei einer Pressekonferenz am Freitag hatte der SPD-Politiker zu den Plänen der Proficlubs jedoch deutlich betont: „Das ist kein gutes Signal an die Republik, das ist ein Sonderweg.“
Mäurer hatte sich in der Vergangenheit immer wieder gegen die Deutsche Fußball Liga und auch gegen die Interessen Werders gestellt, etwa beim Streit um die zusätzlichen Polizeikosten bei Hochsicherheitsspielen oder bei der vorzeitigen Absage des Bremer Heimspiels gegen Bayer Leverkusen gleich zu Beginn der Corona-Krise. Beim Thema Trainingsbeginn fühlt sich Baumann von dem Innensenator nun „öffentlich bloßgestellt“. Der frühere Werder-Kapitän sagte dazu: „Der Fußball sucht hier keinen Sonderweg, der Fußball sucht Lösungen, die es zum Beispiel auch in der Baubranche gibt.“
Er betonte, dass man natürlich nach den Vorgaben der Politik und der zuständigen Behörden handeln werde. Solange kein Training in größeren Gruppen erlaubt sei, werde weiter individuell trainiert. „Als Verein befinden wir uns natürlich in dem sportlichen Spannungsfeld, dass an anderen Standorten Training in größeren Gruppen möglich ist“, beklagte Baumann den Nachteil gegenüber jenen Clubs, die bereits wieder trainieren dürfen, weil es die jeweiligen Länder zulassen.
Von einer möglichen Insolvenz, so Baumann am Sonntag bei „Sky“, sei Werder nicht betroffen. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir selbst ein Worst-Case-Szenario wie den Abbruch der Saison überstehen würden“, sagte der 44-Jährige. Die Bremer seien „durch alle Kostenstellen gegangen. Wir haben dort alle möglichen Einsparungen gesammelt, die wir kurzfristig tätigen können. Wir haben einen Investitionsstopp verhängt.“
