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Stichwahlen in drei Gemeinden entschieden

NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Werder Bremen

Warum Frankfurt den Bremern enteilte

25.01.2019

Bremen /Frankfurt Eigentlich ist das Weserstadion nicht als reines Stehplatzstadion ausgelegt. Aber sitzen konnte am 14. Mai 2016 kaum jemand. Selbst die Reporter auf der Pressetribüne verfolgten die finalen 90 Bundesliga-Minuten fortwährend stehend, weil sie ansonsten am letzten Spieltag von der Begegnung Werder Bremen - Eintracht Frankfurt wenig mitbekommen hätten. Die Gastgeber brauchten einen Sieg für den direkten Klassenerhalt, den Gästen genügte ein Remis. Je länger das Spiel dauerte, desto mehr verbarrikadierte sich die Eintracht. In vorletzter Minute bugsierten Anthony Ujah und Papy Djilobodji den Ball in einem Gemeinschaftsakt über die Linie: 1:0, das bedeutete die Rettung für Bremen und die (letztlich erfolgreiche) Relegation für Frankfurt gegen den 1. FC Nürnberg.

Werders Osako mit Japan im Halbfinale

Yuya Osako von Werder Bremen hat mit der japanischen Nationalmannschaft bei der Asien-Meisterschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten das Halbfinale erreicht. Im Viertelfinale setzte sich das Team mit 1:0 gegen Vietnam durch. Osako wurde in der 72. Minute eingewechselt. Gegner im Halbfinale ist am Montag der Iran. In den Viertelfinalduellen an diesem Freitag stehen sich Südkorea und Katar sowie Titelverteidiger Australien und Gastgeber Vereinigte Arabische Emirate gegenüber.

Bei den Hausherren lagen sich fremde Menschen in den Armen, fluteten alsbald den Innenraum, bauten Tore auseinander, rissen Rasenstücke heraus. Derart entrückt waren nicht einmal die viel zitierten „Wunder von der Weser“ in magischen Europapokalnächten gefeiert worden. Auf der Tribüne saß Frank Baumann, der bald sein neues Amt als Geschäftsführer Sport antreten sollte. Werders Ehrenspielführer, Kapitän beim Doublegewinn 2004, sollte bald einen bemerkenswerten Satz sagen: „Unser Anspruch kann nicht sein, den Klassenerhalt am letzten Spieltag zu feiern wie einen Champions-League-Sieg.“

Es sollte das Startsignal für ein anderes Denken sein, Werder nach jahrelangem Abstiegskampf wieder eher als Anwärter auf die Europapokalplätze zu verorten. Fast 25 Millionen Euro hatte Baumann für den ersten Umbau zur Verfügung, weil die von Thomas Eichin und Rouven Schröder verpflichteten Leistungsträger Jannik Vestergaard und Ujah so viel Ablöse einbrachten. Ungleich schlechter waren die Startvoraussetzungen, als zeitgleich Fredi Bobic in Frankfurt begann, der nach dem unter Trainer Niko Kovac errungenen Ligaverbleib mit einem Budget von 2,8 Millionen Euro auskommen musste.

Mittlerweile sind die Baumeister Baumann und Bobic anerkannte Gesichter ihrer Clubs. Vor dem Spiel an diesem Samstag (18.30 Uhr) im Weserstadion sind die Europapokalambitionen in beiden Lagern verbürgt, aber die Ausgangslage hat sich nicht zum Bremer Vorteil verändert. Sportlich: Die Eintracht ist Fünfter, liegt fünf Punkte vor Werder. Und wirtschaftlich: Die Bremer vermeldeten zuletzt knapp 119 Millionen Euro Umsatz, während Frankfurt auf eine Größenordnung von 160 Millionen + X zusteuert – abhängig davon, wie weit die Adlerträger noch in der Europa League kommen.

Mit dem DFB-Pokalsieg wurde ein Wachstumstreiber angestoßen, aber das ist es nicht allein, was den Vorsprung ausmacht: Gewiss, Werder beschäftigt in Torhüter Jiri Pavlenka, WM-Teilnehmer Ludwig Augustinsson oder den Eggestein-Brüdern attraktive Werte, aber die Hessen stellen mit dem als „Büffelherde“ titulierten Trio Sébastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic einen Mehrwert dagegen. Das Portal Transfermarkt.de weist 131 Millionen Euro für den einen, aber 208 Millionen Euro für den anderen Kader aus.

Und auch bei der Internationalisierung, Auslands- oder Eigenvermarktung und sogar dem Ausbau der Arena schlägt die Eintracht gerade wichtige Pflöcke ein. Ein neues Domizil als Geschäftsstelle und Profitrakt entsteht, während in Bremen über solche Pläne erst diskutiert wird. Dafür ist das Weserstadion durch eine Spundwand gegen Hochwasser geschützt. Schließlich liegt die Spielstätte dort, „wo die Weser einen großen Bogen macht“, wie es in einem Vereinslied heißt – was zu Werders Wellenbewegung seit 2016 passt. Auch 2018/2019 folgte nach einem furiosen Start ein Einbruch mit nur einem Sieg aus den letzten acht Hinrundenspielen.

Eine spielerische Aufwärtsentwicklung ist gleichwohl unter Trainer Florian Kohfeldt unübersehbar, und erstmals gilt das Ziel Europa. Ob es wirklich realisierbar ist, dafür liefert der 19. Spieltag einen wichtigen Fingerzeig. Kohfeldt warnt davor, den Gegner auf sein prominentes Dreigestirn zu reduzieren. „Es gibt eine Menge mehr als die drei vorne.“ Bremens Trainer erwartet ein Offensivspektakel. Sein Versprechen: „Es wird sich richtig lohnen, ins Stadion zu kommen.“ Seine Botschaft: „Das Stadion muss brennen.“ Vielleicht wird ja wieder viel gestanden.

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