• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Kontakt
  • Werben
NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Werder Bremen

Wie Kohfeldt Werder aus der Krise führen will

14.11.2017

Bremen Sechs Wochen hat Florian Kohfeldt Zeit, um alle zu überzeugen. Die Profis von Werder Bremen, die Geschäftsführung und den Aufsichtsrat des Vereins, die Fans des Fußball-Bundesligisten sowie die vielen Skeptiker rund um den Tabellenvorletzten. Sechs Bundesligaspiele und eine Pokalpartie liegen in der Zeit bis zum Winter – danach wird feststehen, ob der 35-jährige Aufsteiger von der Dritten in die Erste Liga sich derart gut beworben hat, dass er über Weihnachten hinaus als Cheftrainer der Bremer arbeiten darf oder zurück zur Reserve muss. Die NWZ zeigt, wo Kohfeldt ansetzen und wie er Werder aus der Krise führen will.

4:1 gegen Rehden – Erster Kohfeldt-Sieg

Nach dem 1:2 in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt und dem 2:2 im Testspiel gegen den niederländischen Erstligisten SC Heerenveen hat Werder Bremen den ersten Sieg unter dem neuen Cheftrainer Florian Kohfeldt eingefahren. Am Montagabend gewann der Fußball-Bundesligist gegen den Nord-Regionalligisten BSV Rehden mit 4:1 (1:0). Lange taten sich die Bremer gegen die Viertliga-Truppe allerdings schwer. Nach der Führung durch Max Kruse (13. Minute) kassierte Werder den Ausgleich von Kai Bastian Evers (51.). Erneut Kruse (69.), Niklas Schmidt (71.) und Maximilian Eggestein (84.) sorgten in der Schlussphase für den standesgemäßen Erfolg.

GELASSENHEIT

Eines wurde am Montag deutlich, als Kohfeldt erstmals als Cheftrainer zu einer Medienrunde im Weserstadion erschien: Der neue Mann will erst einmal Ruhe ausstrahlen. „Ich fühle mich durch diese kurze Zeit nicht unter Druck gesetzt. Ich mache das, was aus meiner Sicht zielführend für die Mannschaft ist“, erklärte Kohfeldt. Lässig mit den Händen in den Hosentaschen nahm er jegliche Fahrt aus dem Wirbel um die unglücklichen Aussagen von Sportchef Frank Baumann, der am Wochenende zugegeben hatte, dass Werder nach besseren Trainern gesucht hätte.

„Ich habe nullkommanull das Gefühl, dass ich geschwächt werde. Ich spüre volles Vertrauen, und es gibt keine Dissonanzen zwischen Frank und mir. Ich habe das Gefühl, dass ich sehr stark von Frank unterstützt werde“, betonte der neue Trainer. Er sei in den vergangenen Tagen in jeden Prozess mit eingebunden gewesen und in einem sehr engen Austausch mit Baumann. Er habe dessen Aussage genau verstanden, „wie sie dann interpretiert wird, kann ich nicht beeinflussen“.

SELBSTVERTRAUEN

Obwohl er sich absolut loyal verhält und das Wohl des Vereins an erster Stelle stellt, strahlt Kohfeldt Selbstvertrauen aus. „Ich habe festgestellt, dass die Mannschaft und ich sehr produktiv zusammenarbeiten und einen Impuls in die richtige Richtung setzen können“, sagte er zu seinen ersten zwei Wochen mit dem Team. Es sei normal, dass er in den nächsten sechs Wochen an den Ergebnissen gemessen werde. „Wir werden gewinnen, wir werden punkten, wir werden den Klassenerhalt schaffen“, sagte Kohfeldt, dem es nun gelingen muss, jenes Selbstvertrauen auch wieder in die Köpfe der Spieler zu bekommen, die nach elf sieglosen Bundesligaspielen das Gefühl des Gewinnens gar nicht mehr kennen.

FANS

Auch wenn es unter den Anhängern viele kritische Stimmen gibt, weil Werder zum dritten Mal einen Trainer aus der Zweiten hochzieht, holt Kohfeldt vor dem Heimspiel an diesem Sonntag (18 Uhr) ganz bewusst die Fans mit ins Boot. „Wir wollen gemeinsam mit allen, die am Sonntag da sind, etwas auf den Platz bringen, das in Deutschland fast nur das Weserstadion kann“, appellierte der Trainer. Zuletzt hatte es bei der 0:3-Heimniederlage gegen den FC Augsburg ein gellendes Pfeifkonzert von den Rängen gegeben, deswegen hebt Kohfeldt hervor: „Wir wollen diese Energie entfachen, die zum Fußball von Werder Bremen dazugehört, die wir schon einige Male im Weserstadion erlebt haben. Das ist ein Ziel.“

ANGRIFF

Bei nur fünf geschossenen Toren in elf Ligapartien ist offensichtlich, dass Kohfeldt der Offensive neues Leben einhauchen muss. Schon bei der 1:2-Niederlage in Frankfurt machte Werder nach vorn einen deutlich aktiveren Eindruck, Max Kruse sagte später, dass man „endlich wieder Fußball“ gespielt habe. Kohfeldt will mutiger als sein Vorgänger Alexander Nouri spielen lassen. „Wir wollen eine Art und Weise von Fußball auf den Platz bringen, die einen offensiven Gedanken hat“, meinte Kohfeldt am Montag. „Wir müssen aber auch da gut verteidigen, wo wir gerade spielen“, schob er hinterher.

 LEISTUNGSTRÄGER

Der 35-Jährige muss es schaffen, seine Leistungsträger zurück in die Spur zu bringen. In Frankfurt setzte Kohfeldt ganz bewusst auf das Duo Kruse und Fin Bartels im Angriff. Beide haben in dieser Saison noch nicht überzeugen können, beide haben aber schon bewiesen, wie gut sie miteinander harmonieren. Kruse und vor allem der äußerst formschwache Bartels gehören zu den kreativsten Spielern im Kader, deswegen stattet sie Kohfeldt mit mehr Freiheiten aus – und setzt sie gemeinsam ein, da die guten Freunde ihre jeweiligen Laufwege perfekt kennen.

Werder braucht starke Leistungsträger, um den Weg aus dem Keller zu finden, deswegen dürfte Kohfeldt auch das Gespräch mit Thomas Delaney suchen. Der Däne kann das Spiel von Werder mit seiner Dynamik und Kampfkraft antreiben und die Mannschaft führen, stand in den vorigen Wochen aber oft neben sich.

Weitere Nachrichten:

SV Werder Bremen | FC Augsburg | Weihnachten