Bremen - Mit wenig Geld umzugehen, ist Frank Baumann gewohnt. Seit der Saison 2016/17 ist der frühere Fußballprofi als Sportchef von Werder Bremen an allen Transfers federführend beteiligt und musste dabei so einige finanzielle Grenzen erkennen. Jetzt, wo Werder der zweite Erstliga-Abstieg der Clubgeschichte droht, ist er geforderter denn je. Nur bis diesen Freitag hat das Transferfenster der Bundesliga geöffnet, noch zeichnet sich keine weitere Verstärkung für den Abstiegskampf ab. Dabei haben Werder und Baumann in den vorigen fünf Spielzeiten gute Erfahrungen mit Winter-Transfers gemacht.
Saison 2014/15
Baumann-Vorgänger Thomas Eichin gelingt im Winter 2015 mit der Verpflichtung von Jannik Vestergaard ein echter Glücksgriff. Nur 4,5 Millionen Euro überweist Werder nach Hoffenheim, um den baumlangen Dänen zu verpflichten. „Wesergaard“ stabilisiert fortan die Abwehr und bringt im Sommer 2016 bei seinem Wechsel nach Mönchengladbach für 12,5 Millionen Euro noch ein sattes Transferplus. In Koen Casteels leiht Werder sich im Januar 2015 zudem einen Torwart aus Wolfsburg aus (für 150 000 Euro), der gute Leistungen an der Weser zeigt und inzwischen in der Autostadt die klare Nummer eins ist. Levin Öztunali (Leihe, für 200 000 Euro aus Leverkusen) und Michael Zetterer (Leihe, für 100 000 Euro aus Unterhaching) schaffen indes nicht den Durchbruch in Bremen.
Saison 2015/16
Gleich fünf Spieler lotst Eichin im Winter 2016 an die Weser, weil Werder nach der Hinrunde nur auf Platz 16 steht – so wie aktuell nach 19 Spieltagen. Wieder holt Eichin einen entscheidenden Mann für die Abwehr. Dieses Mal ist es der Senegalese Papy Djilobodji, der allerdings nur für ein halbes Jahr vom FC Chelsea ausgeliehen wird. Die überwiesenen 400 000 Euro zahlen sich aus, der Unaussprechliche überzeugt und schießt Werder am letzten Spieltag mit seinem 1:0-Siegtor in der 88. Minute gegen Eintracht Frankfurt sogar zum Klassenerhalt.
Zudem verpflichtet Werder damals Milos Veljkovic für nur 330 000 von den Tottenham Hotspur. Der inzwischen 24-jährige Serbe steht noch heute im Kader, wandelt zwischen Stamm- und Ersatzspieler. Das Schnäppchen hat sich in jedem Fall rentiert. Weniger Erfolg hat Werder mit den Winter-Zugängen Laszlo Kleinheisler (für 250 000 Euro von Videoton FC), Gerhard Tremmel (für 100 000 Euro von Swansea City) und vor allem Sambou Yatabaré. Die 2,5 Millionen Euro, die die Bremer an Olympiakos Piräus überwiesen, zahlen sich nicht aus. Der in Frankreich geborene und für Mali spielende Mittelfeldmann fällt mehr durch Eskapaden abseits des Spielfeldes als durch Leistungen auf. Werder wird ihn erst 2018 für lediglich 200 000 Euro an Royal Antwerpen los.
Saison 2016/17
In seinem ersten Winter als Werder-Sportchef hält Baumann sich mit Transfers zurück, holt nur einen neuen Spieler nach Bremen – der aber erweist sich als Volltreffer. Thomas Delaney kommt für zwei Millionen Euro vom FC Kopenhagen, der dänische Mittelfeldspieler schlägt sofort ein. Eineinhalb Jahre später, im Sommer 2018, verkauft Werder Delaney für das Zehnfache, also 20 Millionen Euro, nach Dortmund. Delaney dient als Musterbeispiel dafür, dass Vereine wie Werder auch heute noch große Talente für wenig Geld finden und dann teuer verkaufen können.
Saison 2017/18
In seinem zweiten Winter als Manager wird Baumann offensiver – und landet erneut einen Transfercoup. Milot Rashica kommt für sieben Millionen Euro von Vitesse Arnheim. Der pfeilschnelle Außenstürmer braucht zwar etwas Eingewöhnungszeit in Deutschland, inzwischen ist er aber der große Hoffnungsträger im Abstiegskampf und das Tafelsilber in Werders Kader. Der Marktwert des 23-Jährigen wird auf 35 Millionen Euro geschätzt, große Vereine aus der Premier League beobachten ihn bereits. Auch Marco Friedl, der zunächst für eineinhalb Jahre von Bayern München ausgeliehen wird, kommt im Winter 2018 nach Bremen. Auch wenn die Leistungen des Österreichers schwanken, verpflichtet Werder ihn im Sommer 2019 für 3,5 Millionen Euro fest. Zudem holt Baumann Innenverteidiger Sebastian Langkamp für eine Million Euro von Hertha BSC – wirklich überzeugen konnte er noch nicht.
Saison 2018/19
Im vergangenen Jahr hält Werder sich zurück, da es unter Trainer Florian Kohfeldt sehr gut läuft. Die Bremer sichern sich einzig die Dienste von Romano Schmid. Der Österreicher, für eine Million Euro von RB Salzburg verpflichtet, wird aber direkt für eineinhalb Jahre verliehen an den Wolfsberger AC. In diesem Sommer kommt der 20-Jährige also erst so richtig in Bremen an.
Und 2019/20?
In Kevin Vogt hat Baumann zumindest einen Stabilisator für die Defensive gefunden, der 28-Jährige wurde für ein halbes Jahr aus Hoffenheim geliehen und dürfte der anfälligen Bremer Abwehr guttun. Aber reicht das, um die Klasse zu halten? Eigentlich suchen die Bremer dringend einen neuen Stürmer, doch die Uhr tickt und die Chancen auf eine Soforthilfe werden immer geringer. Immerhin: Baumann sollte eigentlich am Mittwochabend auf einer Sportveranstaltung in Düsseldorf auf der Bühne stehen, wurde aber kurzfristig aus dem Programm gestrichen. Viel Zeit bleibt ihm bis zu diesem Freitag ja auch nicht mehr, das entscheidende Gespräch zu führen.
