Bremen/Lübeck - Ein Jahr lang ging es für Werder Bremen unter Florian Kohfeldt fast nur bergauf. Souveräner Klassenerhalt, Sprung in die Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga – was der 36-jährige Werder-Coach auch anfasste, es gelang nahezu immer.

Am Sonntag nun gab es für den Aufsteiger der deutschen Trainergilde einen ersten Rückschlag. Zwei Tage vor seinem ersten Jubiläum als Bremer Cheftrainer an diesem Dienstag setzte es gegen Bayer Leverkusen eine 2:6-Klatsche. Und doch blieb Kohfeldt in der Stunde seiner bislang höchsten Niederlage ganz ruhig.

„Macht euch keine Sorgen, das wird uns nicht verunsichern. Keinen von uns. Auf keinen Fall“, sagte Kohfeldt mit größter Bestimmtheit: „Ich kenne die Jungs, das wird sie nicht umwerfen.“ Fast wirkte es so, als sei Kohfeldt bei all der Euphorie, die rund um das neue Werder Bremen entstanden ist, sogar ein bisschen froh, dass es auch mal einen Dämpfer gab. „Das ist natürlich Blödsinn. Ich freue mich ja nicht über eine Niederlage“, widersprach er energisch: „Ich hätte mir gewünscht, dass dieses Spiel nicht kommt, aber auszuschließen war es leider nicht. Es gehört zur Entwicklung der Mannschaft dazu.“

Erstmals hatte auch Kohfeldt mit einer Taktik und Personalwahl daneben gelegen. Nach dem Ausfall von Niklas Moisander in der Abwehr auf Dreierkette umzustellen, entpuppte sich ebenso als falsch wie die Aufstellung des 20-jährigen Marco Friedl. „Natürlich nehme ich mich da komplett mit rein“, sagte Kohfeldt über die anstehende Fehleranalyse. Zwar sagte er, er würde unter den gegebenen Umständen immer wieder so entscheiden. Doch der Plan ging dieses Mal einfach nicht auf.

Was aber nichts an der glanzvollen Bilanz von Kohfeldt nach einem Jahr an der Weser ändert. Unter dem Nachfolger von Alexander Nouri ist Werder wieder zu einer angesehenen Adresse im deutschen Fußball geworden, steht wieder für eine klare Spielidee und stets erfrischenden Fußball. Auch gegen Leverkusen hätten die Bremer die Partie fast noch gedreht, kamen von 0:3 auf 2:3 heran, ehe sie sich doch wieder auf recht einfache Art und Weise von den Gästen auskontern ließen.

Hauke Richters
Hauke Richters Sportredaktion (Leitung)