Bremen - Florian Kohfeldt ist ein Trainer der klaren Worte. Einer, der gern auch mal in Pressekonferenzen in die tiefe Analyse geht. Und einer, der nicht müde wird, von seiner Mannschaft mehr zu fordern, sie zu kritisieren und das Niveau hochzuhalten. Am Sonntagabend aber fand der Trainer des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen nach dem 1:1 gegen RB Leipzig fast nur anerkennende Worte für sein Team.
„Das war sehr nah an dem, für das Werder Bremen stehen möchte und an dem, was wir von uns selbst erwarten“, erklärte Kohfeldt. Er sei natürlich nicht ganz zufrieden, weil es nicht mit dem nächsten Heimsieg geklappt habe. Die Art und Weise aber, wie die Mannschaft aufgetreten sei, „war sehr gut“.
Vor allem eine bärenstarke erste Halbzeit gegen den Champions-League-Aspiranten und eine mitreißende Schlussphase hatten Trainer und Fans im Weserstadion begeistert. Im ersten Durchgang dominierten die Bremer nach Belieben und führten verdient durch den Treffer von Niklas Moisander. „Positionsspiel, Ballbesitzphasen, Tempo, Zug zum Tor, Konterabsicherung: das hat alles geklappt“, schwärmte Kohfeldt.
Und gegen Ende der Partie, als der Ausgleich durch Ademola Lookman gegen nun besser aufspielende Leipziger verdaut war, lieferten sich beide Mannschaften einen offenen Schlagabtausch mit zahlreichen Torchancen. „In der zweiten Halbzeit hätte alles passieren können, in Summe hatten wir aber die Mehrzahl an Großchancen. Ein Sieg wäre daher nicht unverdient gewesen“, fasste der Bremer Trainer zusammen.
In dieser Phase wurde auch erkennbar, dass die Bremer eben deutlich befreiter aufspielen können nach ihrer starken Rückrunde. Werder trägt nicht mehr die Last auf den Schultern, jeden Punkt mitnehmen zu müssen, um sportlich zu überleben. Der Druck nach unten ist bei 37 Punkten nicht mehr vorhanden, nach oben geht allerdings auch nichts mehr. Bedeutet: Die Rautenträger können an den letzten vier Spieltagen in Stuttgart, gegen Dortmund und Leverkusen sowie in Mainz in jeder Partie mutig auf Sieg spielen.
„Ich bin mir sicher, dass wir mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun haben werden, wenn wir weiter so konstant spielen. Dann werden wir definitiv noch Punkte holen“, fasste Stürmer Max Kruse, der vor dem 1:0 mit einem sehenswerten Drehschuss die Latte getroffen hatte, die Lage zusammen. „Wir können stolz sein auf die Leistung“, sagte Dauerläufer Thomas Delaney.
In der reinen Kohfeldt-Tabelle seit seiner Amtsübernahme Ende Oktober vom glücklosen Alexander Nouri liegt Werder sogar auf dem vierten Platz. Seit zehn Partien sind die Bremer im Weserstadion ungeschlagen, der 35-jährige Coach kennt das Gefühl einer Heimniederlage als Cheftrainer noch gar nicht. Damit hat er sogar einen neuen Trainerrekord aufgestellt, zuvor war es lediglich Otto Rehhagel und Josef Piontek gelungen, die ersten neun Heimpartien als Bremer Übungsleiter ohne Niederlage zu überstehen.
Davon, dass Werder schon ein Spitzenteam sei, will der Trainer nichts hören: „Die Kohfeldt-Tabelle ist nicht die wahre Tabelle. Ich orientiere mich an der Realität, da sind wir Zwölfter. Wir sind weit, weit davon entfernt, ein Spitzenteam zu sein. Dazu gehört Konstanz über Monate und Jahre. Dem Vergleich möchte ich mich nicht stellen.“ Er ist eben ein Mann klarer Worte.
