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Werder Bremen tief im Abstiegskampf: Gefährlicher Mix aus Unglück und Unvermögen

23.04.2021

Bremen Ein „großes Fass“ wollte er nicht aufmachen, auch „schimpfen“ ausdrücklich nicht. Aber es arbeitete in Florian Kohfeldt. Das umstritten durch den Videobeweis und Schiedsrichter Marco Fritz aberkannte Tor von Werder Bremen zum 1:1 gegen Mainz 05 nagte am Nervenkostüm des Trainers – genauso wie die sechste Niederlage in Serie, der damit verbundene Negativ-Vereinsrekord, das Abrutschen auf Platz 14. Ein gefährlicher Mix aus Unvermögen und Unglück hat in den letzten Wochen dazu geführt, dass Werder tief in den Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga abgerutscht ist.

Unglücklicher Pfiff

Der Frust aller Bremer nach dem 0:1 gegen die Rheinhessen konzentrierte sich – nachvollziehbar – auf den Aufreger in der 44. Minute. War der Ball frei, als ihn Kevin Möhwald dem Mainzer Torwart Robin Zentner wegspitzelte und Joshua Sargent danach zum 1:1 traf? Referee Fritz entschied nach Videobeweis auf Foul – eine Entscheidung im Grenzbereich. Von einer klaren Fehlentscheidung, die erforderlich sein muss für den VAR-Einsatz, war nichts zu sehen. „Ich kann da kein Foul erkennen“, meckerte Sportchef Frank Baumann. „Selbst wenn er es sich anguckt, plus seine Wahrnehmung auf dem Platz, bin ich der Meinung, dass es ein Tor ist“, haderte Kohfeldt und zog einen Vergleich zum Spiel in Köln, als Werders Torwart Jiri Pavlenka der Ball kurz vor Schluss in einem Zweikampf durch einen Kontakt des Gegenspielers aus der Hand fiel, Köln zum 1:1 traf und der Treffer zählte. „Der Videobeweis scheint eine Gerechtigkeit über alle Plätze zu schaffen – das ist der Anspruch. Das ist einfach der Vergleich: In Köln war es ein glasklares Foul gegen uns. Und hier gibt es keinen Grund den VAR anzurufen“, beanstandete Kohfeldt.

Das Restprogramm im Abstiegskampf im Überblick

12. FC Augsburg (33 Punkte/29:44 Tore): Köln (Heimspiel), Stuttgart (A), Bremen (H), München (A).

13. Mainz 05 (31/31:48): Bayern (H), Hertha (H), Frankfurt (A), Dortmund (H), Wolfsburg (A),.

14. Werder Bremen (30/33:48): Union (A), Leverkusen (H), Augsburg (A), Mönchengladbach (H).

15. Arminia Bielefeld (30/ 23:46): Mönchengladbach (A), Hertha (A), Hoffenheim (H), Stuttgart (A).

16. Hertha BSC (26/34:48): Mainz (A), Freiburg (H), Bielefeld (H), Schalke (A), Köln (H), Hoffenheim (A).

17. 1. FC Köln (26/29:54): Augsburg (A), Freiburg (H), Hertha (A), Schalke (H).

Unglückliche Szenen

Das Mainzer Nicht-Tor war der Höhepunkt einer Reihe unglücklicher Szenen, die Werder in die Sechs-Niederlagen-Negativspirale gebracht haben. Da war das Eigentor von Sargent zum 0:1 gegen den VfL Wolfsburg (1:2). Da war das Eigentor von Ludwig Augustinsson kurz vor Schluss beim VfB Stuttgart, durch das Werder mit 0:1 verlor. Da waren die beiden Slapstick-Gegentore bei Borussia Dortmund (1:4), durch die Werder eine Führung verspielte. Und nicht zu vergessen: Auch gegen Mainz fiel das Gegentor äußerst unglücklich, denn Werders Verteidiger Milos Veljkovic rutschte vor dem Treffer von Adam Szalai ungelenk aus (16.) und lud die Gäste damit zum entscheidenden Tor ein.

Bremer Unvermögen

Dieses Unglück darf aber in keinem Fall kaschieren, dass das Bremer Unvermögen den entscheidenden, größeren Teil der Abwärtsentwicklung ausmacht. Gegen die Mainzer war Werder zwar kämpferisch auf Augenhöhe, spielerisch fehlte es aber erneut an allen Ecken und Enden. Trotz des Dreiersturms Niclas Füllkrug, Milot Rashica und Sargent blieb Werders Sturm abermals ein laues Lüftchen. Füllkrug war bei der größten Chance in der 31. Minute ungedeckt, schoss aber zu unplatziert.

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Kohfeldt hat es auch im Jahr nach dem Fast-Abstieg weiter nicht geschafft, einen Spielstil zu entwickeln, mit dem Werder defensiv stehende, aggressive Rivalen aus dem Abstiegskampf zu bespielen. Werder ackert und läuft, spielt aber uninspiriert und ideenlos nach vorn. Die Heimschwäche ist wie im Vorjahr unter Kohfeldt eklatant, Werder hat nur drei von 15 Partien im Weserstadion gewonnen und die letzten vier Heimspiele alle verloren – mit Unglück ist das nicht erklärbar.

Mit Leverkusen und Mönchengladbach kommen noch zwei starke Teams ins Weserstadion, die um den Europapokal kämpfen. Der Druck in den Auswärtsspielen an diesem Samstag (15.30 Uhr) bei Union Berlin und am vorletzten Spieltag beim FC Augsburg ist enorm. Werder Bremen steckt spätestens seit Mittwochabend auch in der Saison 20/21 im knallharten Abstiegskampf – und der Mix aus Unglück und Unvermögen macht die Situation sehr gefährlich.

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Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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