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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Werder Bremen

Werder-Legende Dieter Eilts: „Kinder sagen, was sie denken und empfinden“

27.12.2019

Bremen Dieter Eilts hat sich für einen ungewöhnlichen Weg entschieden. Die Werder-Legende und der Europameister von 1996 arbeitet nach mehreren Stationen im Fußball mittlerweile als Betreuer von Grundschulkindern an der Freien Evangelischen Bekenntnisschule in Bremen. Im Interview mit Thomas Eßer spricht der 55-Jährige über einen Unterschied zwischen Kindern und Profi-Fußballern, die Auswirkungen von sozialen Medien im Fußballgeschäft und etwas, was ihm nach dem Ende seiner Tätigkeit im Fußball manchmal fehlt.

Herr Eilts, wissen die Kinder eigentlich von Ihrer früheren Karriere als Fußballer?

Eilts: Ja, das wissen sie schon, hauptsächlich durch ihre Eltern. Das spielt bei meiner Arbeit aber eigentlich keine Rolle.

Wie ist es denn dazu gekommen, dass Sie jetzt in der Ganztagsbetreuung arbeiten?

Eilts: Ich wollte mich nochmal verändern und die Arbeit mit Kindern macht mir sehr viel Spaß. Auf einer Geburtstagsfeier habe ich mit einer Bekannten gesprochen, die dort arbeitet und sie hat mir gesagt, dass dort eigentlich immer Leute gesucht werden. Zuerst habe ich eine Initiativbewerbung an die Schule geschickt. Kurze Zeit später wurde eine neue Stelle ausgeschrieben. Ich habe mich dann beworben, bin zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden und habe die Stelle bekommen.

Was gibt Ihnen die Tätigkeit an der Schule?

Eilts: Es gibt mir eine hohe Zufriedenheit, wenn ich Kindern helfen kann, denen es nicht gut geht, so dass es ihnen danach besser geht. Oder wenn ich den Kindern bei den Hausaufgaben helfe oder dabei, Konflikte zu lösen. Wenn die Kinder abgeholt werden und ich merke, sie wollen eigentlich noch da bleiben und es hat ihnen bei uns Spaß gemacht, ist das einfach etwas, was mich zufriedenstellt.

Inwiefern spielt der Fußball bei ihrer jetzigen Arbeit noch eine Rolle?

Eilts: Es gibt bei uns zwar ein Mini-Spielfeld, auf dem die Kinder kicken können. Da schalte ich mich aber eher weniger ein. Die Schülerinnen und Schüler kriegen den ganzen Tag gesagt, was sie zu tun haben. Auf dem Spielfeld lasse ich sie selbst entscheiden. Ich mache mit den Kindern kein Training oder so etwas. Das wollen sie glaube ich auch gar nicht.

Sie haben ja auch vorher schon im Fußballbereich viel mit jungen Menschen zusammengearbeitet. Was sind die größten Unterschiede im Vergleich Ihrer vorherigen Tätigkeiten mit Ihrem jetzigen Job?

Eilts: Den Fußballbereich und den Bereich, in dem ich jetzt arbeite, kann man ganz schwer miteinander vergleichen. Am ehesten kann man meine aktuelle Tätigkeit vielleicht noch mit der Arbeit in der Fußballschule bei Werder vergleichen. Die Kinder sind sehr ehrlich und direkt. Man bekommt sofort ein Feedback für das, was man macht.

Diese Ehrlichkeit und Direktheit: Ist das etwas, was Sie im Fußball vermisst haben?

Eilts: Ich will nicht sagen, dass ich es vermisst habe. Aber im Fußball ist es doch so, dass das offene Wort nicht immer gewünscht ist. Man versucht eher das zu sagen, was die Verantwortlichen gerne hören möchten. Da wird dann auch oft mit Halbwahrheiten gearbeitet. Das gibt es bei den Kindern eigentlich nicht. Die sagen, was sie denken und was sie empfinden. Das finde ich total angenehm.

Hat sich das im Fußballgeschäft verstärkt?

Eilts: Ja, ich glaube, dass sich dies durch die sozialen Medien verstärkt hat. Ich habe auch absolutes Verständnis für die Spieler, wenn sie immer mehr aufpassen. Es bleibt ja nichts mehr geheim, alles wird irgendwo kommentiert. Die Kabine ist mittlerweile der einzige geschützte Raum und da kann ich es absolut nachvollziehen, wenn sich die Spieler mit klaren Aussagen etwas zurückhalten.

Sie haben gesagt, dass Sie sich nach vielen Jahren im Fußball nochmal verändern wollten. Was war der ausschlaggebende Grund dafür?

Eilts: Ich wollte nochmal einen anderen Rhythmus bekommen. Ich habe jetzt die Wochenenden frei, was bei mir im Fußballbereich ja nicht der Fall war. Das genieße ich sehr und auch, dass ich jetzt nochmal ganz neue Erfahrungen mache.

Vermissen Sie denn auch irgendetwas am Fußball?

Eilts: Bei meiner Arbeit in der Fußballschule habe ich viele Leute aus kleineren Vereinen kennengelernt und da sind auch Freundschaften entstanden. Den Kontakt mit diesen Leuten vermisse ich schon. Die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen fehlt mir manchmal. Das ist eine Sache, der ich so ein bisschen nachtrauere.

Ist es denkbar, dass sie irgendwann noch einmal in den Fußball zurückkehren?

Ich kann es mir momentan nicht vorstellen. Wenn, dann vielleicht irgendwo ehrenamtlich in einem kleineren Verein. Aber auch das würde ich momentan eher ausschließen.

Sie waren als sehr robuster Spieler bekannt. Ein Spitzname von Ihnen war „Eisen-Dieter“. Wie würden Sie sich als Erzieher beschreiben?

Eilts: Das kommt immer auf die Situation an. Ich bin insgesamt schon ein sehr ruhiger Erzieher. Aber ich habe auch klare Regeln und ziehe wenn nötig auch entsprechende Konsequenzen. Ich glaube, das ist für die Schülerinnen und Schüler auch wichtig und gibt ihnen Sicherheit, wenn sie wissen, dass es klare Grenzen gibt, in denen sie sich bewegen können. Ich glaube, sie genießen es auch, klar zu wissen, woran sie sind.

Als Kolumnist für den „Weser-Kurier“ analysieren Sie regelmäßig das Geschehen bei Werder Bremen. Wie verfolgen Sie die Spiele?

Eilts: Bei den Heimspielen bin ich in der Regel im Stadion, wenn ich Zeit habe. Die Auswärtsspiele verfolge ich ganz klassisch im Radio. So, wie ich schon als Kind die Bundesliga verfolgt habe.

Schauen Sie sonst noch viel Fußball?

Eilts: Ich schaue eigentlich kaum Spiele im Fernsehen. Selbst, als ich noch aktiv war, habe ich kaum Fußball geschaut. Ich hatte so viel damit zu tun und brauchte auch irgendwann ein Zeitfenster, in dem ich mich mal nicht mit Fußball beschäftige. Das war mir immer ganz, ganz wichtig. Ich habe noch nie ein Abo von einem Bezahlsender oder so gehabt und ich muss sagen: Es fehlt mir auch nichts. Die Radio-Reportagen am Bundesligaspieltag – das langt mir.

ZUR PERSON: Dieter Eilts wurde am 13. Dezember 1964 in Upgant-Schott geboren. Für Werder Bremen machte er 390 Bundesligaspiele und wurde 1996 mit Deutschland Fußball-Europameister. Nach der Karriere arbeitete er für die Bremer, als Junioren-Trainer beim DFB, coachte Hansa Rostock und war als Jugendkoordinator in Oldenburg sowie anschließend in der Fußballschule von Werder tätig. Seit August 2018 arbeitet er an der Freien Evangelischen Bekenntnisschule in Bremen.

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