Bremen - Wer sich in den sozialen Netzwerken die Kommentare zu den Aussagen von Hubertus Hess-Grunewald am Montag durchschaute, der las oft Bemerkungen wie „April, April“ oder „Das kann nur ein Aprilscherz sein.“ Tatsächlich handelte es sich mitnichten um eine Alberei, zu der sich der Präsident von Werder Bremen im „NDR-Sportclub“ hatte hinreißen lassen – und die Sendung wurde ja auch schon am späten Sonntagabend, also nicht am 1. April ausgestrahlt.
„Man muss sehen, ob wir vielleicht mit Max Kruse nicht verlängern, damit wir diese Kosten bezahlen können“, sagte Hess-Grunewald da – und übertrug damit die hitzige Debatte um die Beteiligung von Fußballvereinen an Polizeikosten für Hochsicherheitsspiele erstmals direkt auf den Vertragspoker mit einem Bremer Spieler, noch dazu dem aktuell wichtigsten Profi, der von anderen Vereinen umworben wird.
Zum Hintergrund: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte am Freitag entschieden, dass Bundesliga-Clubs grundsätzlich an den Kosten bei Hochrisikospielen beteiligt werden können. Die Klage des Landes Bremen richtete sich zwar gegen die Deutsche Fußball Liga. Die hatte aber angekündigt, die entsprechenden Kosten an Werder weiterzureichen. Bislang hat das Land Bremen sieben Gebührenbescheide erstellt, pro Saison rechnet Werder mit Zusatzkosten zwischen einer und zwei Millionen Euro.
Kommentar von Mein Werder : Billiger Populismus
Wohl um auch die Fans auf die Dimension dieses Urteils aufmerksam zu machen, griff Hess-Grunewald nun zu dieser Aussage. Kruse befindet sich in einer absoluten Ausnahmeform, sein Vertrag läuft aber am Ende der Saison aus. Will Werder den 31-Jährigen halten, braucht es ganz sicher ein finanziell starkes Angebot. Dieses aber mit den Polizeikosten in Verbindung zu bringen, erscheint äußerst fragwürdig.
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Hess-Grunewald brachte nicht nur Kruse mit der Debatte in Verbindung. „Es gibt da eine Reihe unpopulärer Maßnahmen“, meinte der 58-Jährige, der als Geschäftsführer der Profi-Gesellschaft und Präsident des Vereins großen Einfluss bei Werder hat. Beispielsweise müsse man auch das soziale Engagement des Clubs überdenken, „in das wir sehr viel Geld stecken“, sagte Hess-Grunewald.
Das alles macht deutlich, wie sehr Werder Nachteile durch die Beteiligung an den Polizeikosten fürchtet. „Diese Äußerung ist wirklich mehr als befremdlich“, reagierte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer, der die Kostenbeteiligung vorantreibt, auf Nachfrage von „Mein Werder“.
