Peking - Die asiatische Rekordablöse von 42 Millionen Euro für Jackson Martinez (29) und mehrere hoch dotierte Angebote für Stars aus der Bundesliga: Die Fußballclubs aus China werden auf dem internationalen Transfermarkt langsam aber sicher zu Schwergewichten in der Preisklasse knapp unterhalb der Premier League.

Einzig die englischen Clubs haben in diesem Winter mit gut 250 Millionen Euro mehr Geld ausgegeben, als die Vereine aus Peking, Shanghai oder Guangzhou. Die Teilnehmer der Super League investierten in den vergangenen Wochen bereits mehr als 200 Millionen Euro in Zugänge und dürfen ihre kostspielige Einkaufstour noch bis zum 26. Februar fortsetzen.

Jüngster Coup: der kolumbianische WM-Teilnehmer Martinez von Atlético Madrid. Guangzhou Evergrande verkündete am Mittwoch, der Stürmer habe beim zweimaligen Champions-League-Sieger Asiens einen Vierjahresvertrag unterzeichnet. Vor ihm hatten bereits Ramires (bislang FC Chelsea), Gervinho (AS Rom) und Fredy Guarin (Inter Mailand) hoch dotierte Verträge in China abgeschlossen.

Auch Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen hätten mit den Chinesen Geschäfte machen können. Eintracht-Trainer Armin Veh berichtete zuletzt von einer Anfrage an Torjäger Alex Meier: „Da kam ein Angebot rein, da hätte er das x-fache verdienen können“, Dortmund hätte Adrian Ramos verkaufen können. Beijing Guoan bot dem Ersatz-Stürmer angeblich 15 Millionen Euro für drei Jahre. Und Werder hatte ein Angebot von bis zu 20 Millionen Euro für Stürmer Anthony Ujah vorliegen. „Wir können so einen Spieler nicht drei oder vier Tage vor dem Ende des Transferfensters abgeben, auch wenn das Angebot wirklich sehr lukrativ war“, begründete Sportchef Thomas Eichin die Bremer Absage an Guangzhou Evergrande: „Wir sind von Ujah überzeugt. Er ist ein wichtiger Spieler, da müssen wir im Sinne von Werder handeln.“

Doch nicht nur auf einzelne Akteure haben es die kauflustigen Chinesen abgesehen. Erst im Januar sicherte sich Wang Jialin, einer der reichsten Männer des Landes, für 53 Millionen Dollar einen Anteil an Martinez Ex-Club Atlético. Zuvor war der Medien-Milliardär Li Ruigang zusammen mit Partnern für 400 Millionen Dollar bei Manchester City eingestiegen. Martinez neuer Club Guangzhou Evergrande wird unter anderem von Internetmilliardär Jack Ma unterstützt.

Chinas Geldelite erhofft sich von ihren Investments in europäische Stars nicht nur gute Geschäfte, weil sie mit ihnen mehr fußballverrückte Chinesen in die Stadien locken kann. Die Unternehmer biedern sich vor allem der Politik an. Chinas Präsident Xi Jinping gilt als großer Fußballfan. Sein Traum ist es, das Land zu einer echten Fußballmacht zu machen. China soll sich für eine WM qualifizieren, eine WM ausrichten, und schließlich auch eine WM gewinnen, lauten drei oft zitierte Wünsche Xis.

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion