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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Werder Bremen

Corona-Krise: Immer mehr Fußball-Clubs beantragen Kurzarbeit

26.03.2020

Dortmund Keine Spiele, keine Einnahmen. Nach der Empfehlung des DFL-Präsidiums, eine Aussetzung des Spielbetriebs in der 1. und 2. Bundesliga mindestens bis zum 30. April zu verlängern, wächst bei den 36 Proficlubs der finanzielle Druck. Die Bereitschaft einiger Profis, in der Corona-Krise auf Teile ihres Gehaltes zu verzichten (wie es zum Beispiel bei Werder Bremen der Fall ist), trägt vielerorts zur Sicherung der Liquidität bei. Doch damit allein scheint es nicht getan. Immer mehr Vereine erwägen, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

„Auch wenn wir noch keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen müssen, so denken wir über Maßnahmen wie Kurzarbeit nach“, sagte Hertha-Geschäftsführer Ingo Schiller. Landesweit gibt es einen Ansturm von Unternehmen auf das Kurzarbeitergeld. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt dabei 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns. Bei Arbeitnehmern mit Kind sind es 67 Prozent.

Bedrohliche Finanzlage

Fußballclubs können diese Hilfe in Anspruch nehmen. Vor allem Dritt-und Viertligisten – auch der VfB Oldenburg – machen davon Gebrauch. „Um nicht in eine irreparable finanzielle Schieflage zu geraten, haben wir uns dazu entschieden, für den Zeitraum der Spielpause Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit für die Spieler, Trainer und Mitarbeiter zu beantragen“, hatte Benjamin Doll, Geschäftsführer des VfB Oldenburg, bereits in der vergangenen Woche in der NWZ erklärt. „Wie viele andere Unternehmen und Vereine der Region sind wir in dieser sehr schwierigen Situation von der Existenz bedroht. Deshalb müssen wir nun auch die staatlichen Maßnahmen in Anspruch nehmen“, sagte Mario Kallnik, Geschäftsführer des Drittligisten FC Magdeburg der „Volksstimme“.

Für Profis aus den Topclubs mit üppigen Gehältern ist das kein Thema. Schließlich liegt die Beitragsbemessungsgrenze für Kurzarbeit im Westen bei 6900 Euro, im Osten bei 6450 Euro monatlich. Allerdings könnten Vereinsangestellte in den Clubs aus der 1. und 2. Liga betroffen sein. So schickt Zweitligist Hannover 96 einen Teil seine Geschäftsstellen-Mitarbeiter vom 1. April an in Kurzarbeit. Auch die Ligarivalen Aue und Dresden führten Kurzarbeit ein.

Einsparpotenziale groß

Nach Schätzungen des Fachmagazins „Kicker“ zahlen die Bundesligisten etwa insgesamt 22 Millionen Euro für die Mitarbeiter in Handel und Verwaltung. In der 2. Liga soll die Summe bei fünf Millionen Euro liegen. Die Einsparpotenziale sind deshalb auch in diesen Personalbereichen groß.

In den unteren Ligen wird die Möglichkeit der Kurzarbeit inzwischen stark genutzt. Traditionsclubs wie Preußen Münster, Rot-Weiss Essen, SV Meppen, Eintracht Braunschweig, FC Kaiserslautern oder Hansa Rostock sahen sich zu dem Schritt gezwungen. In allen Fällen, in denen auch die Spieler davon betroffen sind, mussten diese – gemäß gesetzlicher Regelung – zustimmen. „Die Kurzarbeit kann von dem jeweiligen Spieler abgelehnt werden, wenn es diesbezüglich keine tarifvertragliche Regelung oder eine Betriebsvereinbarung gibt“, sagte Kolja Hein, Rechtsanwalt für Arbeits- und Sportrecht in Hamburg, dem „Kicker“.

Weil sich viele Fußballclubs beim Thema Kurzarbeit auf unbekanntes Terrain begeben, hat der DFB ein Merkblatt erstellt. Zudem suchen viele Spieler juristischen Rat bei der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV). „Die Nachfrage ist beträchtlich – vor allem aus der 3. Liga und der Regionalliga“, sagte VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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