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Fußball Bundesliga fühlt sich bereit für Neustart

Frankfurt - Der deutsche Profifußball steht in den Startlöchern für eine Saison-Fortsetzung und wartet sehnsüchtig auf das entscheidende Signal aus der Politik. „Es liegt nicht an uns, einen Starttermin festzulegen“, sagte DFL-Boss Christian Seifert am Donnerstag nach der Mitgliederversammlung der 36 Erst- und Zweitligisten. „Wenn es der 9. Mai wäre, wären wir bereit. Wenn es irgend ein Tag danach sein wird, sind wir auch dann bereit“, so der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga.

Warten auf die Politik

Selbst ein Datum festzulegen, wäre „anmaßend, gehört sich auch nicht und liegt nicht an uns“, stellte Seifert klar. Die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel konferieren am 30. April – in welche Richtung ihre Entscheidung fallen könnte, machte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil im NWZ-Interview deutlich: „Natürlich ist Fußball ein Kontaktsport und als Fußballfan bin ich von Geisterspielen nicht begeistert. Aber ich weiß, dass dieser Bereich existenziell in Bedrängnis gerät, wenn alle Einnahmen wegfallen. Deswegen habe ich Verständnis für den DFL-Plan.“

Hinter den Kulissen beschäftigt sich die Branche auch mit einem Worst-Case-Szenario. Sollte eine Rückkehr in den Spielbetrieb zeitnah nicht möglich sein, müsse klar sein, „dass wir auch in einigen Monaten nicht spielen werden. Dann wäre die Bundesliga irgendwann ein Kollateralschaden dieser Corona-Krise“, betonte Seifert. Um dies zu vermeiden, wurde von einer Task Force ein Konzept erarbeitet, das den Vereinen vorgestellt wurde. Ein konkretes Datum für die Rückkehr ins Mannschaftstraining ist darin nicht enthalten. „Mindestens zwei, besser sogar drei Wochen Mannschaftstraining“ seien nötig, betonte Werders Sportchef Frank Baumann nach der Versammlung. Er sei „skeptisch, dass am 9. Mai Bundesligaspiele stattfinden. Wichtig ist, dass wir irgendwann die Gruppengröße im Training vergrößern dürfen.“

In dem Strategiepapier sind indes strikte organisatorische Vorgaben festgehalten. So sollen maximal ca. 300 Personen an der Durchführung einzelner Geisterspiele beteiligt werden – Spieler und Trainer eingeschlossen. Die Spieler sollen engmaschig auf das Virus getestet werden, mindestens einmal pro Woche. Dafür rechnet die DFL mit einem Bedarf von rund 20 000 Tests. „Wir haben hier eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, mit insgesamt fünf Laborverbänden“, sagte Seifert. „Alle Labore haben uns schriftlich versichert, dass die derzeitigen Kapazitäten ausreichend sind und durch Covid-19 keine Limitierung der Testkapazitäten auftreten. Der Profifußball würde nicht einmal 0,4 Prozent der Testkapazitäten für sich beanspruchen.“

Darüber, ob die Fußball-Profis trotz fehlender Symptome ständig kontrolliert werden sollen, war ein fast gesellschaftspolitischer Streit entbrannt. Die Diskussionen über den Neustart hatten in dieser Woche mächtig Fahrt aufgenommen, nachdem öffentlichkeitswirksam der 9. Mai als möglicher Termin ins Spiel gebracht wurde. Dafür gab es reichlich Kritik, gegen die sich Seifert wehrte. Wie auch andere Firmen sei die Deutsche Fußball Liga ein Unternehmen, „das zurückkehren möchte und irgendwann zurückkehren muss“.

Geisterspiele als Rettung

Klar sei, dass dies nur mit Geisterspielen geschehen könne und diese die einzige Möglichkeit seien, „die Bundesliga, wie wir sie kennen, am Leben zu erhalten. Ich bitte alle, die sich für die Bundesliga interessieren, dafür um Nachsicht und um Unterstützung“, sagte Seifert. Es sei durchaus denkbar, dass diese Einschränkung bis zum Ende des Jahres oder sogar darüber hinaus gelten könnte. Die Vereine seien daher aufgefordert worden, die Hinrunde der kommenden Saison ohne Zuschauereinnahmen zu planen.

Kurzfristig ist die Liquidität der Liga gesichert, nachdem die DFL eine Einigung mit fast allen Medienpartnern über eine Vorauszahlung der noch ausstehenden TV-Prämien erzielt hat: „Erste Zahlungen sollen im Mai kurzfristig ausgelöst werden.“ Nur ein Unternehmen, dessen Name nicht genannt wurde, will nicht zahlen. „Es wurden auch Vereinbarungen getroffen, wie damit umzugehen ist, sollte die Saison nicht zu Ende gespielt werden können. Klar ist: Sollte die Saison nicht wieder starten, greifen gewisse Mechanismen zur Rückzahlung.“ In diesem Fall könnte es bei Vereinen zu Engpässen kommen.

Für den Fall einer Saison-Fortsetzung nahm Seifert die Fans in die Pflicht. „Wenn wir wieder spielen, ist klar ein Argument, dass es nicht zu Zuschaueransammlungen am Stadion kommen darf“, stellte er klar. Die Clubs müssten daher in einen intensiven Dialog mit ihren Anhängern treten.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion
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