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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Werder Bremen

Krisen-Gipfel: Solidarität im Fußball erhält Risse durch Geheimtreff

10.11.2020

Frankfurt Die oft beschworene Solidarität des Profi-Fußballs in Corona-Zeiten bekommt Risse. Das von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge initiierte „G 15“-Gipfeltreffen an diesem Mittwoch am Frankfurter Flughafen ist umwölkt von Geheimniskrämerei über Themen und Ziele sowie überschattet vom Ausschluss einiger Clubs. „In Anbetracht der aktuellen Herausforderungen und im Sinne der Solidarität hätten wir uns gewünscht, dass alle Bundesligisten eingeladen werden“, sagte Frank Baumann als Sportchef von Werder Bremen dem „Kicker“.

Vier Clubs nicht dabei

Mainz 05 gehört neben dem FC Augsburg, Arminia Bielefeld und dem VfB Stuttgart zu den ausgebooteten Erstligisten. Für 05-Finanzvorstand Jan Lehmann sei dies ein „merkwürdiges Verhalten, wenn Teile der Liga ausgeschlossen“ würden, zitierte ihn die „Frankfurter Rundschau“. Das nicht genehme Quartett hatte mit einem Positionspapier zu einer Neuverteilung der TV-Gelder ab der Spielzeit 2021/22 stark angeeckt. Schließlich geht es um 4,4 Milliarden Euro aus den nationalen Medienerlösen, die bis nach Ende der Saison 2024/25 unter den 36 Proficlubs aufgeteilt werden – und zwar weniger erfolgsabhängig. So soll unter anderen an den Tabellenersten der Bundesliga höchstens nur doppelt so viel ausgeschüttet werden wie an den Tabellenletzten.

Taskforce überrascht

Die Anberaumung der wohl als geheimes Treffen geplanten Versammlung hat auch die Vertreter der Taskforce „Zukunft Fußball“, die über Konsequenzen aus den in der Pandemie offenbar gewordenen Missständen im Profifußballbetrieb berät, überrascht. „Wir haben von diesem Treffen aus der Presse erfahren“, sagte Taskforce-Mitglied Helen Breit von der Faninteressensgemeinschaft „Unsere Kurve“. Man kenne auch die Agenda und Intention dahinter nicht.

„Hier sehen wir die Initiatoren in der Pflicht, Aufklärung zu betreiben – Überschneidungen mit der Taskforce müssen transparent gemacht werden“, forderte sie. „Für uns Fans ist klar: Wir brauchen eine deutlich gleichmäßigere Verteilung der TV-Gelder und grundlegende Reformen für einen nachhaltigen und basisnahen Profifußball.“

Bayer Leverkusens Club-Chef sieht abgesehen von den TV-Geldern eine Reihe „sehr bedeutender Themen für die Verantwortlichen innerhalb der Liga“, sagte Fernando Carro und betonte: „Dialog ist wichtig, eine größtmögliche Einigkeit auch. Dazu wollen wir als Bayer 04 beitragen und haben das richtungsweisende Treffen mit vorangetrieben.“ Nicht eingeladen wurden die Deutsche Fußball Liga und der Deutsche Fußball-Bund.

Krisenthemen

Der ausgewählte „Frankfurter Kreis“ wird sich nicht nur mit monetären Problemen beschäftigen, sondern auch mit anderen Zukunfts- und Krisenthemen. Es dürfte um das Vorgehen in der Corona-Krise ebenso gehen wie um die aktuelle Situation beim DFB inklusive dem Konflikt zwischen Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius. Ein Topthema wird wohl auch der für Ende Juni 2022 angekündigte Rückzug von DFL-Chef Christian Seifert und die Suche eines Nachfolgers werden.

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