Bremen/Oldenburg - Alexander Nouri macht als Trainer von Werder Bremen vieles anders als Viktor Skripnik. Der 37-Jährige hat in seinen bisherigen zwei Spielen als Interimscoach des Fußball-Bundesligisten die Aufstellung gehörig durcheinandergewirbelt und mit der Nominierung von zuletzt kaum berücksichtigten oder bis dahin unbekannten Spielern überrascht.

Im Tor allerdings beließ es Nouri bei jener Hierarchie, die sein Vorgänger quasi in seiner letzten Amtshandlung neu festgelegt hatte. Der Tscheche Jaroslav Drobny wird auch an diesem Samstag (15.30 Uhr) in der Partie bei Darmstadt 98 zwischen den Pfosten stehen, Felix Wiedwald bleibt momentan nur die Rolle des Bandrückers.

Dieter Burdenski               Bild: dpa/Wolf

Dieter Burdenski               Bild: dpa/Wolf

„Nachvollziehbar“, findet diese Entscheidung Werders Ehrenspielführer Dieter Burdenski (65): „Alles andere hätte nur noch mehr Unruhe reingebracht.“ Der 36-jährige Drobny sei dank seiner Erfahrung in der Lage, der verunsicherten Hintermannschaft Stabilität zu geben. Dennoch sieht Burdenski das Torwart-Duell bei Werder nicht als entschieden an. „Drobny hat es sich jetzt verdient, ein paar Spiele zu machen. Wie es dann weitergeht, wird man sehen“, sagte der frühere Nationaltorwart der NWZ .

Wiedwald habe sich in den ersten Saisonpartien nichts zu Schulden kommen lassen und sei dann Leidtragender des Fehlstarts geworden. „Wenn es nicht läuft, versucht ein Trainer halt, etwas zu ändern. Das kam für mich nicht überraschend“, meinte Burdenski mit Blick auf Skripniks Torwart-Wechsel in seinem letzten Spiel auf der Werder-Bank in Mönchengladbach (1:4) vor zwei Wochen.

Die Werder-Torhüter nach tim Wiese

Von 2006 bis 2012 war Tim Wiese die unumstrittene Nummer eins im Werder-Tor. Einen würdigen Nachfolger haben die Bremer bis heute nicht gefunden. Eine Übersicht:

Sebastian Mielitz (27): Absolvierte in der Saison 2012/13 alle 34 Bundesligaspiele. Verlor seinen Stammplatz im Januar 2014 an Raphael Wolf. Steht heute beim Zweitligisten Greuther Fürth auf dem Abstellgleis.

Raphael Wolf (28): Verlor seinen Platz in der Rückrunde der Saison 2014/15 an Koen Casteels. Inzwischen in der Torwart-Hierarchie bei Werder auf Rang vier abgerutscht.

Koen Casteels (24): War vom VfL Wolfsburg ausgeliehen und kehrte dorthin zur Saison 2015/16 zurück. Beim VfL verdrängte der Belgier vor der aktuellen Spielzeit den bisherigen Stammkeeper Diego Benaglio.

Felix Wiedwald (26): Kehrte im Sommer 2015 von Eintracht Frankfurt zu seinem Ausbildungsverein zurück. Eine Saison lang Stammtorwart, seit Kurzem nur noch Nummer zwei.

Jaroslav Drobny (36): Der erfahrene Tscheche kam in er Sommerpause vom Hamburger SV, um Druck auf Wiedwald auszuüben. Jetzt hat er diesem den Rang abgelaufen.

Dass Wiedwald, der in der Vorsaison alle 34 Bundesligaspiele bestritt, durch die Degradierung als Nummer eins „verbrannt“ sei, glaubt Burdenski nicht: „Wenn du als Torwart auf die Bank versetzt wirst, tut das weh. Aber das gehört nun einmal zum Job. Felix muss jetzt im Training Gas geben, um seinen Platz zurückzuerobern.“ Im Grunde, so Burdenski, sei es unerheblich, wer bei den Bremern im Tor stünde. Sowohl Drobny als auch Wiedwald bescheinigt er „solides“ Bundesliga-Niveau. „Werder hat viele Probleme, aber ganz bestimmt keines auf der Torwartposition“, betonte der frühere Bundesliga-Keeper.

In der Trainerfrage mahnt Burdenski zu Besonnenheit. „Es gibt überhaupt keinen Grund, in Panik zu verfallen. Nach dem Darmstadt-Spiel hat man in der Länderspielpause genügend Zeit, um die richtige Entscheidung zu treffen“, sagte er. Sportchef Frank Baumann erklärte am Donnerstag, den künftigen Cheftrainer innerhalb der kommenden zwei Wochen präsentieren zu wollen: „Ich denke, dass wir in den nächsten 14 Tagen mehr sagen können.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass Nouri von der Übergangs- zur Dauerlösung wird, steigt immer mehr. „Alex ist eine Option. Er hat die Chance, nicht nur beim Spiel in Darmstadt auf der Bank zu sitzen, sondern auch in den kommenden Wochen, Monaten oder vielleicht Jahren“, meinte Baumann: „Aber unsere Pflicht ist es auch, uns ein Bild von anderen Kandidaten zu machen.“