Herr Kupilas, vor kurzem verkündeten Sie: „Werder verpflichtet Aubameyang“. Mohammed „MoAubameyang“ Harkous ist der erste E-Sportler im neuen Team der Bremer. Welchen Stellenwert hat er in der Szene?

Dominik KupilasMo hat in der Fifa-Szene einen sehr großen Stellenwert. Wir haben nach einem Spieler geschaut, der eine gewisse Strahlkraft und einige Erfolge vorzuweisen hat. Wir haben diesen authentischen Einstieg über Fifa bewusst geschaffen, also die Verzahnung zwischen realem und digitalem Fußball.

Leiter des E-Sport-Projekts bei Werder

Dominik Kupilas ist bei Leiter des Bereichs „Content & Digital“ bei Werder Bremen. In dieser Funktion ist er für das E-Sport-Projekt verantwortlich.

Die Bremer hatten vor einer Woche verkündet, in den E-Sport-Bereich einzusteigen. Der Fokus werde ab Herbst auf der Fußball-Simulation „Fifa 19“ liegen.

Ist das in etwa so, als wechselte Pierre-Emerick Aubameyang zum Team von Trainer Florian Kohfeldt?

KupilasDas lässt sich natürlich nicht vergleichen, der digitale Fußball hat sicherlich noch nicht den Stellenwert und die Relevanz. Fakt ist schon, dass er eine Topverpflichtung ist. Aber wir sind weit davon entfernt, Transfers aus dem realen Fußball mit Verpflichtungen im digitalen Bereich zu vergleichen. Mo ist seit Jahren einer der weltbesten Fifa-Spieler. Wir glauben, dass er uns auf Anhieb einen guten Stellenwert verschaffen wird.

MoAubameyang ist professioneller „Fifa“-Spieler. Bei der WM ab diesem Donnerstag in London tritt er bereits im SVW-Dress an. Was erhoffen Sie sich von ihm für die Auslandsvermarktung der Marke „Werder Bremen“?

KupilasFür die Auslandsvermarktung erst mal gar nichts. Fifa ist vor allem im deutschen und im amerikanischen Markt verbreitet. Andere Spiele wie „League of Legends“ oder „Dota 2“ haben international eine deutlich höhere Verbreitung, das haben wir sehr bewusst nicht getan. Internationalisierung ist im ersten Schritt nicht das primäre Ziel. Wichtiger ist uns, dass Mo den SV Werder bei der WM gut vertritt. Das machen wir aber nicht primär an der Platzierung fest.

Bundesliga-Konkurrenten wie Wolfsburg und Schalke sind schon länger im Geschäft. Haben sie sie sich bei anderen Teams umgehört, worauf beim Einstieg in den E-Sport zu achten ist?

KupilasTatsächlich haben wir uns vor zweieinhalb Jahren das erste Mal damit beschäftigt, mit der Fantasie, dass da ein Markt heranwächst. Dabei haben wir immer mal nach links und rechts geschaut. Vorreiter sind sicherlich Wolfsburg und Schalke. Wir haben geschaut, wo wir eventuelle Fehler vermeiden können, und für uns ein schlüssiges Werder-Konzept entwickelt. Das ist unser ganz eigener Weg.

Besteht das Training eines professionellen Fifa-Spielers schlicht aus stundenlangem „Zocken“ vor der Konsole?

KupilasWichtig ist mir an der Stelle zu sagen, dass die Bundesligaprofis auch nicht nur eineinhalb Stunden pro Tag auf dem Trainingsplatz stehen. Da gehört viel mehr dazu. Beim virtuellen Fußball sind wir gar nicht so weit davon weg. Das Klischee von Gamern, die den ganzen Tag vor der Konsole sitzen und bei denen sich die Pizzakartons stapeln, bleibt ein Klischee. Insbesondere wenn der neue Fifa-Titel rauskommt, sitzen die Jungs viel vor der Konsole, um die Neuheiten kennenzulernen. Aber sie müssen körperlich und geistig voll da sein, auf Ernährung und Fitness achten. Professionelle Spieler üben sechs bis acht bewusste Tastenberührungen pro Sekunde aus, da sind die kognitiven und geistigen Anforderungen sehr hoch.

Wie werden Fußballfans, die ins Stadion gehen, Anhänger vom E-Sport und umgekehrt?

KupilasDas Ziel ist schon, mit dem Engagement auf unser Kerngeschäft aufmerksam zu machen. Ich weiß nicht, ob diese Wechselwirkung direkt funktioniert. Aber der Abstrahleffekt ist wichtig. Wir schaffen damit insbesondere für junge Menschen einen neuen Zugang zu Werder und haben das Ziel, auf unseren Markenkern aufmerksam machen zu können.

Fifa ist eines der besten und beliebtesten Games für die Konsole – steht aber auch für einen der umstrittensten Sportverbände der Welt. Die Nutzer stellen diese Verbindung offenbar nicht her. Wie hat der Name des Spiels sich zu so einer starken Marke entwickelt?

KupilasDas ist brutal schwer zu beantworten. Ich kann aus meiner eigenen Historie sagen, dass es irgendwann diesen Punkt gibt, an dem man mit Fifa in Berührung kommt. Ich glaube, wenn man Fifa spielt, spielt der Verband keine große Rolle. Das muss man trennen.

Seit 2014 hat sich der weltweite Umsatz mit E-Sport auf knapp 700 Millionen Euro verdoppelt, die Zuschauerzahl auf 400 Millionen weltweit. 80 Prozent der Zuschauer sind jünger als 35 Jahre. Wie wichtig ist es für Werder, Geld mit dem Business zu verdienen?

KupilasDas spielt eine nachgelagerte Rolle. Uns war es wichtig, einer jungen Zielgruppe, die man auf dem klassischen Weg nur noch sehr schwer erreicht, einen Zugang zu Werder zu verschaffen. Wir verstehen das als Investition in die Zukunft, nicht so sehr als Vermarktungs- oder Absatzkanal.