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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Werder Bremen

Als Klaus Allofs ein halbes Tor erzielte

16.05.2019
Frage: In den vergangenen Monaten ist es etwas ruhiger um Sie geworden. Haben Sie überhaupt noch Lust, im Fußballgeschäft zu arbeiten?
Klaus Allofs (62): Ich stehe ja bis zum 30. Juni noch beim VfL Wolfsburg unter Vertrag. Die Trennung dort im Dezember 2016 habe ich als Gelegenheit gesehen, eine Pause einzulegen. Ich war nach 13 Jahren Werder Bremen und vier Jahren beim VfL Wolfsburg insgesamt 17 Jahre sehr erfolgreich ununterbrochen in vorderster Linie. Das Thema „Engagement im Fußball“ ist weiterhin aktuell. Meine Pläne gehen in die Richtung, wieder Verantwortung zu übernehmen.

Profikarriere von Klaus Allofs begann in Düsseldorf

16. Mai 1979, Europapokal der Pokalsieger, Finale in Basel (58 500 Zuschauer): FC Barcelona - Fortuna Düsseldorf 4:3 n.V. Barcelona: Artola - Zuviria Damacio, Costas (66. Paco Martinez), Migueli, Albadalejo (57. de la Cruz) - Neeskens, Asensi, Sanchez - Rexach, Krankl, Carrasco. Trainer: Rifé. Düsseldorf: Daniel - Baltes, Zewe, Zimmermann (81. Lund), Köhnen - Brei (25. Weikl), Schmitz, Bommer, Thomas Allofs - Seel, Klaus Allofs. Trainer: Tippenhauer. Tore: 1:0 Sanchez (5.), 1:1 T. Allofs (8.), 2:1 Asensi (34.), 2:2 Seel (41.), 3:2 Rexach (103.), 4:2 Krankl (111.), 4:3 Seel (114.).

Klaus Allofs (Bild) war zwischen 1975 und 1993 als Profi für Fortuna Düsseldorf, den 1. FC Köln, Olympique Marseille, Girondins Bordeaux und Werder Bremen aktiv. Er bestritt 56 Länderspiele. Nach einer kurzen Trainertätigkeit in Düsseldorf (1998/99) wurde er 1999 Manager beziehungsweise Geschäftsführer bei Werder Bremen. 2012 wechselte er zum VfL Wolfsburg, wo er aber Ende 2016 gehen musste. dpa-BILD: Kirchner

Frage: Beim Blick auf Ihre früheren Vereine als Spieler und Manager müssten Sie über beide Wangen strahlen...
Allofs: Besonders die Entwicklung von Werder ist toll. Dort schaue ich natürlich genauer hin, weil ich mit vielen der handelnden Personen schon damals zusammengearbeitet habe. Mit Marco Bode habe ich sogar noch gemeinsam gespielt, Frank Baumann war mein Assistent als Manager und Klaus Filbry mein Partner in der Geschäftsführung. Beim 1. FC Köln ist der Erfolg derzeit ja eher auf einem anderen Niveau angesiedelt, dafür hat sich der VfL Wolfsburg wieder stabilisiert. Ja, und Fortuna Düsseldorf ist ein kleines Wunder. Den Klassenerhalt zu schaffen ist eine Sache. Ihn jedoch so souverän zu schaffen, das muss man schon hervorheben. Friedhelm Funkel ist für diesen Verein der richtige Mann zur richtigen Zeit.
Frage: Die Qualifikation für einen Europapokal-Wettbewerb ist für die Fortuna allerdings in naher Zukunft wohl eher ein Traum. Vor 40 Jahren hingegen, am 16. Mai 1979, stand Düsseldorf sogar im Endspiel um den Europapokal der Pokalsieger. Gegen den FC Barcelona gab es eine 3:4-Niederlage nach Verlängerung. Was fällt Ihnen dazu als erstes ein?
Allofs: Dass dieses Spiel von seiner Qualität her nicht weit weg war von den gerade erlebten Halbfinals der Champions League. Sonst war der Fußball seinerzeit schon weniger dynamisch, aber dieses Duell mit dem FC Barcelona wurde mit offenem Visier ausgetragen. Wir sind so viel gelaufen wie nie zuvor, es war wirklich ein Spiel auf hohem Niveau. Und das bei Bedingungen, bei denen heute keiner mehr antreten würde. Der Rasen war eine Katastrophe, der Torraum ohne Gras und auf den Linien derart dick Kreide aufgetragen, dass es bei jeder Berührung mächtig gestaubt hat.
Frage: Mächtig viel Staub wirbelt in der Familie Allofs sicher auch weiterhin der Treffer zum 1:1 auf. Mal Hand aufs Herz, wer hat denn den Ball damals nun wirklich über die Linie gedrückt – Sie oder ihr Bruder Thomas?
Allofs: In der Statistik steht Thomas, dann wird er es wohl gewesen sein (schmunzelt). Natürlich haben wir zwei immer wieder mal darüber gesprochen und auch Witze gemacht, doch die ganz große Bedeutung hat es für uns beide nie gehabt. Ich glaube, dass wir den Ball tatsächlich gemeinsam ins Tor gebracht haben. Auch wenn so eine Geschichte gerade bei Brüdern als allzu erfunden erscheint.
Frage: Hatte der FC Barcelona damals auch schon eine so starke Mannschaft wie man sie heute mit ihm assoziiert?
Allofs: Da stand die halbe spanische Nationalmannschaft auf dem Platz, dazu Johan Neeskens und Hans Krankl als die seinerzeit erlaubten zwei Ausländer. Wir waren krasser Außenseiter und sind mit einer großen Menge Respekt, aber ohne Angst ins Spiel gegangen. Was bei Barcelona damals anders war, war die Spielweise. Sie haben sehr robust agiert, wollten uns so den Schneid abkaufen. Nur in einem Länderspiel gegen Uruguay habe ich noch mehr auf die Socken bekommen als in diesem Finale.
Frage: Lange nach der Niederlage hat sich Ihre Hoffnung auf den Sieg in dem Wettbewerb aber noch erfüllt. Sie haben als Spieler 1992 den Europapokal der Pokalsieger dann mit Werder gewonnen.
Allofs: Ja, durch ein 2:0 gegen die AS Monaco. Ich habe das erste Tor sogar selbst erzielt sowie das zweite von Wynton Rufer vorbereitet. Allerdings war der Rahmen nicht so toll wie 13 Jahre zuvor. In der riesigen Schüssel Lissabons verloren sich nur 15 000 Zuschauer. Für die Portugiesen war das Finale uninteressant, für Werder-Fans weit entfernt und Monaco hat eh kaum Fans. Zudem waren einen Tag zuvor bei einem Spiel auf Korsika durch den Einsturz einer Tribüne 17 Menschen getötet worden, wir spielten daher mit Trauerflor. Eine richtige Endspiel-Stimmung kam nie auf.
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