Mönchengladbach/Bremen - Als die Medienvertreter am Sonntagabend im Mönchengladbacher Borussia-Park auf Analysen der Spieler warteten, schallte es aus einer Ecke des Stadions laut in die Katakomben hinein: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“, skandierten die Fans von Werder Bremen. Das 1:1 vom 28. Spieltag der Fußball-Bundesliga war Geschichte, die Vorfreude galt dem rund zwei Stunden zuvor ausgelosten Halbfinale im DFB-Pokal. „Seit Münchens 5:0 gegen den BVB ist klar, dass es eine Herkulesaufgabe wird. Aber: Flutlicht, ausverkauftes Weserstadion, super Stimmung – ich werde da sein“, meinte Werders Trainer Florian Kohfeldt grinsend.

Seit 37 Spielen ist Werder im DFB-Pokal zu Hause unbesiegt, die bislang letzte Heim-Niederlage war das 0:1 im Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt am 13. April 1988. „Das ist natürlich richtiger Druck für mich“, sagte Kohfeldt. Doch dass der 36-Jährige auch für schwierige Herausforderungen Lösungen finden kann, bewies er in Mönchengladbach. Nur ganze 30 Minuten blieben ihm dort, um seine Mannschaft auf die unerwartete Taktik der Borussia neu vorzubereiten.

„Mein Kollege Dieter Hecking hatte bisher stets einem einzigen System vertraut und sich nun plötzlich statt dieses 4-3-3 erstmals überhaupt in dieser Saison für ein 3-5-2 entschieden. Das war für mich überhaupt kein Thema gewesen, bis ich dann die Namen auf der Aufstellung gelesen habe“, erklärte Kohfeldt, der sodann einen etwas defensiveren Ansatz wählte.

In der Absicherung ging der Plan ganz gut auf, erst ein Ausrutscher von Max Kruse ermöglichte der Borussia die Führung durch Florian Neuhaus (49.). Allerdings litt das eigene Angriffsspiel unter der Änderung. „Wir müssen uns ankreiden lassen, dass wir zu abwartend gespielt haben. Wir haben die Defensive zu defensiv interpretiert“, so Verteidiger Sebastian Langkamp und Kohfeldt meinte: „Unser Ballbesitzspiel hat mir heute weniger gefallen.“

Einmal aber ist Bremer Recht. Seit dem 0:0 gegen Bayer Leverkusen am 5. Mai des vergangenen Jahres hat Werder in jedem Bundesliga-Spiel immer mindestens ein Tor erzielt, in den wichtigen Ligen Europas kann da in dieser Saison lediglich noch Paris St. Germain mithalten. In Mönchengladbach hielt die Serie dank des Ausgleichs von Davy Klaassen (79.) zum 29. Mal in Folge. „Vielleicht hat sich der Gegner auf ,Pizza’ konzentriert. So hatte ich Platz“, sagte Klaassen.

Mag sein, dass die Einwechslung von Claudio Pizarro ein taktischer Kniff war. Vielmehr aber haben die Grün-Weißen wie schon davor auf Schalke und gegen Mainz bewiesen, dass sie auch in weniger überzeugenden Spielen etwas Zählbares mitnehmen können. Die Erfolge haben sichtlich für Abgeklärtheit, Reife, Ruhe und Selbstvertrauen gesorgt. „Immer daran zu glauben, dass mindestens ein Treffer gelingt, ist eine Stärke von uns geworden“, sagte Kapitän Kruse. Eine Stärke, die gegen die Bayern in diesem Monat gleich in zwei Duellen benötigt wird. Zuerst in der Liga, am 20. April in München, kurz danach (23. oder 24. April) im Pokal in Bremen.