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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Werder Bremen

Das erlebt ein Ex-Bremer in Österreich

23.10.2019
Frage: Herr Boenisch, am Samstag treffen Ihre ehemaligen Vereine Bayer Leverkusen und Werder Bremen aufeinander. Wie geht’s aus?
Sebastian Boenisch (32): Schwer zu sagen. Die Leverkusener sind stark, aber es geht bei ihnen in dieser Saison auf und ab. Die Bremer haben sich in den vergangenen Jahren stabilisiert. Vor drei oder vier Jahren musste man ja noch Angst haben, dass sie aus der Bundesliga absteigen. Die Zeit ist jetzt vorbei. Ich tippe mal ganz diplomatisch auf ein 2:2.
Frage: Sie leben inzwischen in Österreich. Auch von dort aus verfolgen Sie das Geschehen in der deutschen Bundesliga?
Boenisch: Ja, klar. Ich habe lange in Deutschland gespielt. Da kennt man natürlich viele Leute aus dem Bundesliga-Betrieb.
SOCCER - 2. Liga, FAC vs Lafnitz VIENNA,AUSTRIA,13.SEP.19 - SOCCER - HYPBET 2. Liga, Floridsdorfer AC vs SV Lafnitz. Image shows team manager Lukas Fischer (FAC) and Sebastian Boenisch (FAC). PUBLICATIONxINxGERxHUNxONLY GEPAxpictures/xChristianxOrt BILD: Imago

Profikarriere begann bei Schalke 04

Sebastian Boenisch (32) wurde 1987 in Gleiwitz (Polen) geboren und kam ein Jahr später mit seinen Eltern nach Deutschland. Als Profi spielte für Schalke 04 (bis 2007), Werder Bremen (2007 - 2012), Bayer Leverkusen (2012 - 2016) und 1860 München (2016/17). Er bestritt zwischen 2010 und 2013 für Polen 14 Länderspiele und nahm an der EM 2012 teil. Seit dieser Saison spielt der Verteidiger für den österreichischen Zweitligisten Floridsdorfer AC aus Wien (Bild rechts). BILD: Imago

Frage: Sie spielen seit dieser Saison beim Zweitligisten Floridsdorfer AC aus Wien. Ihre letzte Station in Deutschland war 1860 München, das Engagement dort ging im Sommer 2017 zu Ende. Was haben Sie in der Zwischenzeit gemacht?
Boenisch: Es gab nach der Zeit in München einige Angebote. Ich musste und wollte aber auch schauen, ob es mit der privaten Situation vereinbar ist. Meine Frau und ich haben zwei kleine Kinder. Da wollte ich nicht allein in die Türkei, nach Kasachstan oder noch weiter nach Osten. Denn von dort hatte ich Anfragen. Ich habe mich anfangs in Düsseldorf, wo meine Eltern wohnen, privat fit gehalten. Etwas enttäuscht war ich allerdings zu der Zeit von den Proficlubs in Nordrhein-Westfalen.
Frage: Warum?
Boenisch: Weil ich dort gern mittrainiert hätte. Es fällt natürlich leichter, in einem Mannschaftstraining in Form zu bleiben, als wenn man alleine trainiert. Aber aus verschiedenen Gründen war es nicht möglich, bei einem Erst- oder Zweitligisten mitzumachen. Und da meine Frau gebürtige Wienerin ist, sind wir dann gemeinsam dorthin übergesiedelt. Ich habe dann in Wien viel allein trainiert.
Frage: Aber warum hat es so lange gedauert, bis Sie wieder in den Vereinsfußball eingestiegen sind?
Boenisch: Ich habe Anfang 2019 am Mannschaftstraining des Erstligisten Austria Wien teilgenommen. Vom Leistungsvermögen hätte ich dort spielen können. Es gibt aber in Österreich eine spezielle Ausländer-Regel. Es dürfen nur maximal sechs Nicht-Österreicher im Kader stehen. Und diese Zahl war bei Austria Wien schon erreicht, daher wurde es dort nichts mit einem Vertrag. Später habe ich mich dann beim Zweitligisten Floridsdorfer AC fitgehalten. Und dort habe ich Anfang dieser Saison einen Vertrag bis Mitte nächsten Jahres unterschrieben.
Frage: Was für Gedanken kommen einem Profifußballer, wenn er so lange ohne Verein ist?
Boenisch: Ich habe meine Gesamtsituation betrachtet. Ich habe mit meiner Frau zwei kleine Kinder – das sind Dinge, die sind viel wichtiger als Fußball. Ich will das nicht beschönigen, natürlich ist so eine Zeit nicht immer angenehm. Aber wenn man, so wie ich, schon lange in dem Geschäft ist, kann man so eine Zeit insgesamt relativ gelassen erleben. Die Prioritäten verschieben sich eben im Leben. Ich habe im Laufe der Karriere einige Vereinswechsel gehabt. Nun habe ich mit meiner Frau entschieden, dass Wien unser Lebensmittelpunkt ist. Außerdem war ich ja die ganze Zeit über gesund. Ich hatte im Laufe meiner Karriere auch schon schwerere Verletzungen gehabt. Und dann ging es mir schlechter, als es später zu der Zeit der Vereinslosigkeit der Fall war.
Frage: Sie erzählen das so ruhig und reflektiert. Sie sind mit der jetzigen Situation zufrieden?
Boenisch: Ja, absolut. Wie gesagt, ich hatte einige Verletzungen. Die haben vielleicht verhindert, dass ich noch mehr Bundesliga- oder Länderspiele gemacht habe. Aber daran kann ich nichts mehr ändern. Ich fühle mich hier sehr wohl und merke, wie ich immer besser in Form komme.
Frage: Sie sind noch nicht wieder bei 100 Prozent?
Boenisch: Wenn ein Fußballprofi mehr als eineinhalb Jahre lang kein Pflichtspiel macht, holt er diesen Rückstand nicht mal so eben auf. Deshalb brauche ich auch hier in der 2. Liga noch ein bisschen Zeit, bis ich wieder bei 100 Prozent bin.
Frage: Wie ist die 2. Liga in Österreich einzuschätzen? Ist sie mit der 3. Liga in Deutschland zu vergleichen?
Boenisch: Ich glaube, dass die deutsche 3. Liga noch etwas stärker ist. Dort haben viele Clubs Etats von sechs oder sieben Millionen Euro. Die österreichischen Zweitligisten haben kleinere Etats.
Frage: Aber Sie sind Vollprofi?
Boenisch: Ja, das bin ich. Und es mag ein bisschen eitel klingen, aber ich sage es trotzdem: Ich bin hier in der 2. Liga so etwas wie eine kleine Attraktion. Es gibt in der Klasse halt nicht viele Spieler, die schon in der deutschen Bundesliga waren und auch Länderspiele bestritten haben.
Frage: Sie sprechen die Länderspiele an. Sie wurden 2009 mit der deutschen U 21 Europameister, zu Ihren Teamkollegen zählten unter anderem die späteren Weltmeister Manuel Neuer, Mats Hummels und Mesut Özil. Später, im Herrenbereich, spielten Sie für Ihr Geburtsland Polen. Warum geriet dort aber die Nationalmannschafts-Karriere ins Stocken?
Boenisch: Ich glaube, ich habe 2013 mein letztes Länderspiel bestritten. Ich habe zu jener Zeit bei Bayer Leverkusen nicht immer gespielt, daher wurde ich nicht mehr eingeladen. Ich hatte später die Hoffnung, mich über die Nationalmannschaft für andere Vereine empfehlen zu können. Aber wenn man nicht regelmäßig im Verein spielt, klappt das eben nicht. Insgesamt war es aber eine tolle Zeit im Nationalteam, ich habe 2012 an der EM, die ja in meinem Geburtsland Polen sowie der Ukraine stattfand, teilgenommen.
Frage: Auch das erzählen Sie sehr reflektiert. Sie erleben das Fußball-Profitum jetzt anders als zu Beginn Ihrer Karriere?
Boenisch: Ja, sicherlich. Ich weiß noch, wie sehr ich damals – auch zu Bremer Zeiten – über die Leistung vom vergangenen Wochenende nachgedacht und gegrübelt habe. Warum habe ich in der öffentlichen Bewertung diese oder jene Note bekommen? Was habe ich falsch gemacht, was muss nächstes Wochenende besser werden? Als langjähriger Profi lernt man – bei aller Selbstkritik – diese Dinge schneller zu überwinden.
Frage: Sehen Sie Ihre Zukunft dauerhaft in Österreich?
Boenisch: Auch das ist so eine Weisheit, die sich über Jahre im Profigeschäft ergibt: Es kann alles ganz schnell wieder ganz anders kommen. Aber jetzt bin ich mit meiner Familie hier glücklich und versuche, mit dem Floridsdorfer AC Erfolg zu haben. Alles Weitere wird man dann sehen.
Hauke Richters Leitung / Sportredaktion
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