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Offensivstarke Portugiesen verfügen über schwachen Angriff

Wolfgang Rolff

, Co-Trainern von Werder Bremen, bestritt 37 Länderspiele und nahm an den EM-Turnieren 1984 und 1988 teil. Der 48-Jährige schreibt exklusiv für diese Zeitung über die EM.

Die Portugiesen, unser nächster Gegner, haben im bisherigen Turnierverlauf mit ihrer Offensivkraft beeindruckt. Es mag seltsam klingen, aber ihr Mannschaftsteil Angriff ist dabei gar nicht so gut besetzt. Meist spielen sie mit einer echten Spitze, Nuno Gomes von Benfica Lissabon. Und der hat den Höhepunkt seiner Karriere inzwischen überschritten. Die Stürmer Ruud van Nistelrooy bei den Niederländern und David Villa bei den Spaniern sind da ganz andere Kaliber. Ich denke, unsere Innenverteidigung wird Nuno Gomes in den Griff bekommen – auch wenn sie im Turnierverlauf nicht immer sicher stand.

Die Gefahr kommt bei den Portugiesen aus dem Mittelfeld und über die Flügel. Zum einen ist da natürlich Cristiano Ronaldo, der mit seinen Dribblings und seinen vielen, vielen Toren für Manchester United in den vergangenen Monaten die Fans in ganz Europa beeindruckt hat.

Kein anderer Spieler erreicht bei den Portugiesen die Popularität des Superstars aus England. Seine Auf- und Antritte sind aber nur möglich, weil ebenfalls hochklassige Spieler ihm entweder den Rücken freihalten oder ihrerseits durch kreative Aktionen Raum für Ronaldo schaffen. Ich denke da an Simao, Joao Moutinho und natürlich Deco. Der hat in den vergangenen Jahren beim FC Barcelona seine Klasse unter Beweis gestellt und 2006 mit dem Club die Championsliga gewonnen. Nun verlässt er den Verein – in welche Richtung, hat er noch nicht gesagt. Dass unser Bremer Hugo Almeida gegen Deutschland von Beginn an spielt, ist unwahrscheinlich. Er wurde bislang bei der EM nur zweimal eingewechselt.

Im für die Portugiesen bereits bedeutungslosen Gruppenspiel gegen die Schweiz schonte Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari zahlreiche Stars. Ich bin nicht sicher, ob eine solche Pause wirklich einen Vorteil verschafft. Denn die Spieler kommen aus dem Rhythmus und verlieren eventuell etwas die Spannung. Eine solche Aktion kann zum Bumerang werden.

In der deutschen Elf wird sich gegen Portugal der Sturm beweisen müssen. Mario Gomez stand dreimal in der Startelf und hat dreimal nicht überzeugt, er kommt bei dieser EM einfach nicht auf sein gewohntes Niveau. Ich vermute, dass Bundestrainer Joachim Löw daher vorne etwas umstellen wird. Denn gegen die starken Portugiesen brauchen wir einen durchschlagskräftigen Angriff.

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