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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Werder Bremen

Trotz aller Erfolge immer Miro geblieben

13.09.2019

Oldenburg Miro Klose hat vieles bewegt im Fußball: sich selbst per Salto im Torjubel nach seinem ersten Länderspieltreffer im März 2001, unglaubliche 16 Mal den Ball ins Tor bei einer Weltmeisterschaft – was Ronaldo, Gerd Müller, Just Fontaine und Pele nicht gelang – und, nicht zu vergessen, die sparsamen hanseatischen Kaufleute im Werder-Vorstand 2004 zur damaligen Rekord-Investition von fünf Millionen Euro.

Nach diesen Erfolgen könnte Klose eigentlich mit einer goldenen Krone auf dem Kopf und Supermann-Umhang durch Fernsehshows und Elektromärkte ziehen, doch er steht lieber als Trainer der U 17 des FC Bayern im Sportdress mit seinen Jungs auf dem Sportplatz. „Miro“ heißt die 448-seitige aktuelle Biografie von Ronald Reng schön schlicht.

Das muss Klose erst mal einer nachmachen: Als erster Spieler erzielte er fünf Kopfballtore bei einer WM (2002), keiner stand wie er viermal in einem Halbfinale – über seine Rekorde hat er kaum Aufhebens gemacht. Sagenhafte 71 Tore in verdienstvollen 137 Länderspielen sind gewissermaßen der Beifang seiner einzigartigen Karriere.

Dass sie linear erfolgreich verlaufen wäre, ist nicht der Fall. Hier erinnert Biograf Reng an Kloses Wegbegleiter aus den Pfälzer Anfangstagen, an Thomas Schaaf in Bremen und Bundestrainer Joachim Löw, die den Stürmer in torlosen Phasen und sonstigen Senken des Lebens stärkten.

Einen wie den Miro wird es im Profi-Fußball der Zukunft nicht mehr geben – nachdenklich, bescheiden, schweigsam, höflich, zuverlässig. Er ist ein moderner Mensch, kein Zweifel, der aber traditionelle Werte in den Vordergrund stellt und sich selbst viel weniger wichtig nimmt, als es die zahllosen Schwätzer und Egozentriker im Mediensport tun.

Sein Rücktritt im November 2016 als Leistungsfußballer war überfällig, um sich selbst treu zu bleiben, und um kein Wort mehr zu verschwenden als nötig – und schon gar nicht als Facebook-Post oder Instagram-Story. Klose steht lieber auf dem Trainingsplatz und zeigt jungen Stürmern, wie der Ball am besten ins Tor des Gegners gelangt – einen wertvolleren „Influencer“ kann man sich nicht denken.

Ronald Reng ist ein hervorragender Beobachter, das hatte er als Autor für Zeitungen und Magazine bewiesen. Dann barg er im Buch „Der Traumhüter“ die wundersame Geschichte des deutschen Torhüters Lars Leese, der im Sommer 1997 aus dem Rheinland nach England zum FC Barnsley wechselte, überraschend in die Premier League aufstieg und als Ersatzmann des Stammtorwarts unter anderem den 1:0-Sieg gegen den FC Liverpool sicherte. Ähnlich wie Nick Hornbys Buch „Fever Pitch“ in den 90er Jahren in England gilt „Der Traumhüter“ in Deutschland als das Buch, das den Fußball als literarisches Thema salonfähig machte.

Als Autor sucht Reng Nähe – als Mensch findet er sie: Bei Leese, bei Klose – sogar beim Über-Thema Robert Enke ist es ihm gelungen. Mit aller Sensibilität versuchte der 1970 in Frankfurt geborene Journalist, das noch immer Unerklärliche verständlich zu machen und Lücken zu schließen. Das machte ihn auch Teresa Enke zum Vertrauten nach dem Freitod ihres Mannes im Jahr 2009.

Es ist eine Stärke des lesenswerten Buches „Miro“, dass die Recherche so ergiebig ist: von Oma im polnischen Opole und Vater Kloses Schichtdienst in Rammelsbach über Meister Schmitz von B+F Holzbau… Und es ist die Schwäche zugleich, dass die Fülle den Leser fast erdrückt. Dass es am Ende so viel Stoff geworden ist, zeigt vor allem, dass Klose Reng ins Vertrauen gezogen hat. Und das ist wohl das höchste Lob für den Autor. Torjäger Klose bleibt Mensch Miro.

Oliver Schulz Redakteur / Politikredaktion
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