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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Werder Bremen

„Le Chef“ ist nun lieber „Le Président“

07.01.2019

Oldenburg Das französische Laissez-faire strahlte Johan Micoud in seiner ganzen Mimik und Gestik aus. Mit längeren Haaren als früher, einem Drei-Tage-Bart sowie einem leichten Lächeln im Gesicht schlenderte jener Mann völlig gelassen durch den Innenraum der großen EWE-Arena in Oldenburg, der für viele Fans von Werder Bremen noch immer der beste Mittelfeldspieler der langen Vereinsgeschichte ist. Und der die Grün-Weißen im Jahr 2004 als überragender Denker und Lenker zum einzigen Double bestehend aus Meisterschaft und Pokal geführt hatte.

Das ist fast 15 Jahre her und das sah man – bei allem Respekt – dem inzwischen 45-jährigen Winzer aus Bordeaux beim Traditionsturnier um den „Cup der Öffentlichen“ am Freitagabend auch an. „Haben Sie das Spiel gesehen. Das sieht man, oder?“, witzelte Micoud nach dem 2:4 der Bremer in der ersten Gruppenpartie gegen Hannover 96 über sich selbst, als er in einer Medienrunde gefragt wurde, ob und wie er sich in der Heimat fit halte: „Wenig. Ab und zu mal kicken auf dem Kleinfeld, das ist alles.“

„Er muss mehr laufen“

Dass sich das Trikot vorn etwas spannte, konnte und wollte Micoud gar nicht erst leugnen. Im Finale, das Werder gegen die spielerisch sehr starken Gäste von Benfica Lissabon mit Nuno Assis (mit sechs Toren bester Torschütze), Nuno Gomes und Simao (beide Vize-Europameister 2004) 4:6 verlor, stand er nur noch an der Hallenbande anstatt auf dem Platz. „Micoud muss in der Halle mehr laufen“, scherzte beispielsweise Ailton, mit fünf Toren erneut bester Bremer Angreifer. Das wiederum wollte der Brasilianer so aber nicht stehenlassen: „Nein, Micoud ist Micoud. Er ist eine Legende.“

Und so war der Franzose einer der gefragtesten Männer an einem Abend, an dem er nicht einen einzigen Sprint angezogen hatte. Aber um den Fußball ging es in der erneut ausverkauften, stimmungsvollen Arena ja auch nur am Rande. Ein Selfie hier, ein Autogramm da – Micoud erfüllte die Wünsche seiner Anhänger genauso geduldig wie Ailton, Kult-Torwart Tim Wiese oder Ivan Klasnic. Alle betonten unisono, wie schön es sei, die alten Kollegen beim „Klassentreffen“ wiederzusehen, zu lachen, mit ihnen zu spielen, und „ja, ein Bier gibt es nachher bestimmt auch noch“, sagte Micoud.

Beatles-Klassiker

Schon bei seiner ersten Ballberührung stimmten die Fans jenen Beatles-Klassiker an, der früher stets im Weserstadion zu hören war. „Hey Jude“ mit dem langgezogenen „Miiiicoud“ ist Bremer Liedgut, das nicht mehr fehlen darf. „Es ist ein großartiges Gefühl, wenn sie dieses Lied singen“, schwärmte Micoud. Die Beziehung zu den Werder-Fans sei stets eine besondere gewesen: „Ich liebe sie und sie lieben mich.“

Sportlich waren die Bremer allerdings bei Weitem nicht so überlegen wie in den vergangenen Jahren. Die Niederlage gegen Hannover, das knappe 3:2 im Halbfinale gegen den stark aufspielenden Lokalmatador VfB Oldenburg, die Pleite im Finale gegen Benfica – es hakte immer wieder trotz der großen Namen im Kader. Ailton feierte seine Tore zwar in gewohnt heroischer Manier und auch Wiese hechtete wild, aber gekonnt, vor seinem Gehäuse herum. Den besseren Fußball spielte aber eindeutig Benfica mit vielen gelungenen Kombinationen.

Das wiederum lag auch daran, dass Micoud eben nicht mehr „Le Chef“ auf dem Platz war, wie er früher aufgrund seiner so dominierenden Spielweise genannt wurde. „Ich bin nun ,Le Président’“, meinte Micoud. Der 45-Jährige ist nicht mehr nur Winzer, sondern leitet seit eineinhalb Jahren auch die Geschicke bei seinem Heimatverein AS Cannes, der bis in die sechste Liga abgestürzt war.

Ambitionierte Ziele

„Der Bürgermeister hat gefragt, ob ich helfen kann“, erzählte der Franzose. Im vergangenen Sommer sei sein Team bereits in die fünfte Liga aufgestiegen. Micouds Ziele mit dem Club sind weitaus ambitionierter als die auf dem Hallenbelag. „Ich will mit dem Verein mindestens zurück in die zweite Liga. Das kann vielleicht in den nächsten sechs, sieben Jahren klappen.“ Das sei schwierig, da in Frankreich in den unteren Ligen immer nur der Meister aufsteige.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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