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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Werder Bremen

Die dunkle Seite des Transfergeschäfts

18.05.2019

Oldenburg Es war ein ganz normaler Heimspielsonntag der Fußballer des VfL Oldenburg, als sich der Abgang von Kebba Badjie zu Werder Bremen anbahnte. Frank Ordene­witz, Chefscout des Bundesligisten von der Weser, meldete ganz offiziell seine Absicht an, den 19-Jährigen persönlich als potenzielle Verstärkung für die U 23 beobachten zu wollen. Auch Björn Schierenbeck als Direktor des Bremer Leistungszentrums und der Spielerberater legten die Karten offen auf den Tisch, seit Badjie beim 5:2 der Werder-Reserve im Hinspiel im Oktober 2018 beide Tore des Aufsteigers erzielt und damit Interesse geweckt hatte.

„Der Berater hat immer gefragt, ob es in Ordnung ist, wenn Kebba zum Probetraining bei Werder fährt“, spricht VfL-Sportleiter Detlef Blancke von einem fairen Umgang. Der Wechsel des Angreifers, der mit neun Toren in 20 Partien ein Lichtblick in der so trüben Regionalliga-Saison der schon als Absteiger feststehenden Oldenburger ist, gehört zu der Sorte, bei der alle Beteiligten am Ende zufrieden und erhobenen Hauptes auseinandergehen.

Doch es gibt auch die andere Seite, die dunkle Seite des Transfergeschäfts. „Überall wird geschachert und gewuchert – das macht die Mannschaftsführung unheimlich schwer“, sagt Marco Elia, der im vergangenen September den Posten als Chefcoach beim VfB Oldenburg übernommen hat. Seitdem hätte er sich manche Erfahrung gern erspart, aber nimmt aktuell auch viel für seine weitere Trainerzukunft mit.

„Ich lerne gerade unheimlich viel“, sagt der 43-Jährige und meint das Gezerre um die Spieler, die im Sommer den Verein verlassen oder verlassen könnten. Offiziell öffnet das Transferfenster erst am 1. Juli und endet am 31. August, doch Elia spürt seit einiger Zeit einen rauen Durchzug.

„Die Berater nehmen überhaupt keine Rücksicht“, klagt der Trainer und sieht darin einen der Gründe für die Leistungsschwankungen seines Teams. Unter seiner Regie kämpften sich die Oldenburger im Herbst aus dem Tabellenkeller, legten seit der Winterpause aber eine Berg- und Talfahrt im grauen Mittelfeld hin – bis vor kurzem auch immer wieder haarscharf am Abstiegsabgrund vorbei.

„Die Jungs haben im Herbst bewiesen, dass sie gut sind, wenn die Köpfe frei sind“, meint Elia, doch selbige hätten Berater den Spielern verdreht, auch wenn er das nur vermuten könne. „Das kann ich leider nur bestätigen“, sagt Blancke, der die Schattenseite ebenfalls immer wieder erlebt. „Ein Spieler sagt bei uns für die kommende Saison zu – und sein Berater versucht trotzdem weiter, ihm bei einem anderen Verein einen lukrativeren Vertrag zu besorgen“, schimpft Blancke: „Wir wollen den Spieler halten, der Spieler will eigentlich bleiben – und dann gibt es eine nervende Hängepartie.“

Verstärkt müsse er sich mit solchen Dingen seit dem Aufstieg vor einem Jahr herumschlagen, erklärt Blancke, der seit 2015 Sportleiter beim VfL ist. „Da haben wir ja noch in der Oberliga gespielt. Mit Beratern hatten wir kaum etwas zu tun – manchmal war der Vater bei Gesprächen dabei“, erzählt er: „In der Regionalliga ist das ganz anders. Man muss sich auf Berater einstellen. Bei einigen muss man schon genau aufpassen.“

Auch VfL-Trainer Dario Fossi ist genervt vom Wechseltheater: „Wenn ein Spieler uns eine Zusage gibt, dann aber bei einem anderen Verein unterschreibt und nicht den Mut aufbringt, einem das persönlich zu sagen, ist das sehr enttäuschend.“

Blancke stört es besonders, wenn ein Spieler selbst keine Entscheidung treffen will oder kann. „Wenn ein erwachsener Mann mir auf die Frage, wo er in der kommenden Saison spielen will, sagt, ich soll seinen Berater anrufen, macht mich das schon ratlos“, sagt der Sportleiter und fügt hinzu: „Ein Verein darf sich nicht alles bieten lassen. Wir haben eine klare Linie, wir lassen uns von Beratern oder Spielern nicht erpressen.“

Jan-Karsten zur Brügge Redakteur / Sportredaktion
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