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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Werder Bremen

Schaaf sorgt sich um Fußball und Ex-Verein

19.01.2018

Oldenburg Thomas Schaaf war nie um eine Meinung verlegen. Auch nicht, als die Trainerlegende des SV Werder am Donnerstagabend als Stargast beim Neujahrsempfang des Fußball-Oberligisten VfL Oldenburg und des Jugendfördervereins Nordwest in das EWE-Forum Alte Fleiwa kam. Entspannt plauderte der 56-jährige Doublesieger von 2004 im Interview mit VfL-Präsident Rainer Bartels fast eine Stunde lang los – und äußerte viel Kritik am Fußballgeschäft.

„Der Einfluss von Beratern auf 16-Jährige ist zu groß geworden“, mahnte Schaaf an, als es um die Ausbildung in den Vereinen ging. Die Clubs hätten oft Geduld mit ihren Talenten, der Druck, der um sie herum aufgebaut werde, sei jedoch zu stark.

Mit diesem Druck müssten auch die Manager in der Bundesliga umgehen, wie etwa Frank Baumann in Bremen. „Es gibt zwei Situationen für einen Sportchef: Spielt der Profi gut, kommt der Berater, und will über mehr Gehalt sprechen. Spielt er schlecht, kommt er und sagt, wir müssen über einen Wechsel reden.“ Obwohl Verträge abgeschlossen werden, bestünde inzwischen die Gefahr, dass eine Woche später ein anderer Verein mehr bietet.

Die Entwicklung, dass Profis wie Pierre-Emerick Aubameyang oder Ousmane Dembelé sich aus Verträgen streiken, stimmt Schaaf nachdenklich. Jeder Verein müsse sich die Frage stellen, wie er darauf reagiere: „Es geht nicht um Einzelne, sondern um die generelle Kultur, wie wir miteinander umgehen. Das ist eine große Herausforderung.“

Das Problem des Transfer-Irrsinns sei nicht der Wechsel von Neymar für 222 Millionen Euro („Nicht greifbar“), sondern die Folgen. „Jetzt kostet einer plötzlich 30 statt 10 Millionen Ablöse“, erklärte Schaaf. Für die handelnden Personen in einem Verein wie Werder sei das sehr schwer.

Für die Bremer sei es wichtig, trotz der schwierigen Tabellensituation in der Liga Ruhe zu bewahren. „Wir“, wie Schaaf noch heute sagt, „müssen für eine Spielidee stehen, um uns sportlich zu stabilisieren und wirtschaftlich zu verbessern“, gibt er als Plan vor. Werder habe die Qualität, um drin zu bleiben, und sollte alles dafür tun, „denn ein Abstieg bedeutet einen großen wirtschaftlichen Schaden“.

Schaaf, der seit seiner Station bei Hannover 96 (2016) keinen neuen Trainerjob angenommen hat und als künftiger Technischer Direktor bei den Bremern gehandelt wird, kann mit der Debatte über junge und alte Trainern nichts anfangen: „Ob Laptop oder nicht, ist doch egal.“

Er habe in Gesprächen mit älteren Kollegen eine gewisse Verbitterung festgestellt, dass die Jüngeren aktuell so gefragt sind. „Klar, wir sind in der Digitalisierung, müssen Daten analysieren, aber das ist nicht alles“, sagte Schaaf und berichtete mit seinem bekannt trockenen Humor von einer Anekdote aus seiner Trainerzeit: „Ich hab mein Team mal durch den Wald gejagt. Danach habe ich mit einer App die Laufwege der Spieler angesehen. Die waren dusselig, die sind zu viel gelaufen.“

Bei all der Kritik hatte Schaaf vor den rund 100 geladenen Gästen aber auch Lob parat. Nach den kurzen Vorträgen von Vereinsmitgliedern zeigte sich der 56-Jährige beeindruckt. „Es ist schön, dass bei euch alles so super läuft. 27 Jugendmannschaften im VfL, das ist außergewöhnlich“, sagte Schaaf – legte aber schnell wieder den Finger in die Wunde: „Aber ihr müsst mehr jammern. Hier sind doch Sponsoren, denen müsst ihr an die Tasche.“ So viel Abgezocktheit gehört trotz aller Kritik am Geschäft doch dazu.