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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Werder Bremen

Wenn’s ums Geld geht, wird’s im Sport immer unfairer

30.08.2019

Oldenburg Klaus Filbry warf mit Zahlen um sich, die sich viele Zuschauer gar nicht so richtig vorstellen können. Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Werder Bremen diskutierte bei der Talk-Runde „Schneller, höher reicher - Wahrer Sportsgeist vs Sport als Ware?!“ am Donnerstag in Oldenburg gemeinsam mit Hermann Schüller (geschäftsführender Gesellschafter der EWE Baskets Oldenburg), Hauke Richters (Sportchef der NWZ) und Andreas Lampe (Co-Trainer der Bundesliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg) über die Kommerzialisierung des Sports und ihre Folgen. Veranstaltet wurde die Runde im Rahmen der Reihe „1x1 der Wirtschaft“ vom Institut für Ökonomische Bildung (IÖB) der Universität Oldenburg und dem Verein „Wigy – Wirtschaft Verstehen“ in Kooperation mit der NWZ, moderiert wurde der Talk von Dr. Michael Koch vom IÖB.

150 Millionen Euro Umsatz bedeutet Mittelfeld

150 Millionen Euro Umsatz, zwischen drei und fünf Millionen Euro Gewinn, etwa 160 Mitarbeiter – das sei von den Zahlen her „das, was man klassisch als mittelständisches Unternehmen bezeichnet“, meinte Filbry. Mit Werder bewege man sich mit diesen Werten im Mittelfeld der Fußball-Bundesliga. In der gebe es mehrere Blöcke von Teams: Die zwei bis drei, die sich aus eigener Kraft sehr finanzstark aufstellen (Bayern München, Borussia Dortmund und eigentlich auch Schalke 04), dann diejenigen, die einen sehr kräftigen Sponsor haben (Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg, RB Leipzig, TSG Hoffenheim), und dann eben das Mittelfeld, zu dem neben Bremen auch Eintracht Frankfurt, Borussia Mönchengladbach, der 1. FC Köln - und ja, eigentlich auch der Hamburger SV zähle.

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150 Millionen Euro – für Hermann Schüller und Andreas Lampe eine Traumsumme. „Mit dem Budget würden wir jedes Jahr Meister werden. Das ist verbrieft“, meinte der Baskets-Geschäftsführer. 150 Millionen Euro sei in etwa das Volumen der gesamten Basketball-Bundesliga. Die Baskets stünden bei einem Umsatz von 8,3 Millionen Euro und 40 bis 50 Mitarbeitern. Damit bewege man sich – hinter Bayern München und Alba Berlin – an der Spitze der Liga.

In der Handball-Bundesliga der Frauen seien die Etats noch deutlich kleiner, betonte Lampe. Der ebenfalls durch Sponsoren unterstützte Meister SG Bietigheim habe ein Budget von 2,5 Millionen Euro, der zweite der Etat-Rangliste habe schon nur die Hälfte dessen zur Verfügung. „Das läuft aus dem Ruder“, betonte Lampe. Der Etat des VfL Oldenburg liegt seit der Kürzung der Förderung durch die EWE noch klar darunter.

Große Erträge generieren die EWE Baskets jedoch nicht, meinte Schüller: „Wir fühlen uns als Sportunternehmen, nicht als Wirtschaftsunternehmen.“ Filbry hatte zuvor angemerkt, dass Werder Bremen wie die meisten großen Fußball-Clubs wie Unternehmen seien, nämlich aus dem Stammverein ausgegliedert.

Risiken und unangenehme Nebenwirkungen

Genau das sei ein untrügliches Indiz für den Fakt, dass Finanzen im Sport immer wichtiger geworden sind, betonte Hauke Richters. Dass es diese Ausgliederungen seit 20 Jahren immer mehr gebe, um eben mehr Sponsoren die Möglichkeit der finanziellen Unterstützung zu geben, sei per se aber nicht schlimm. „Das Wort Kommerzialisierung ist ja oft negativ besetzt“, stellte der NWZ-Sportchef fest. Solange man das transparent handhabe, und nicht so tue, als ginge es um etwas anderes. Zum Beispiel seien in vielen Bundesliga-Fußballclubs die Profis, die auf dem Rasen spielen, gar nicht Mitglied im Stammverein. Und wenn diese dann beim Torjubel das Vereinswappen küssten, wirke das eben nicht echt.

Doch das Geschäft mit Sponsoren und hohen Geldsummen birgt auch so seine Risiken und hat unangenehme Nebenwirkungen. Dafür hatte Richters ein Beispiel aus der Region: Der Basketballverein Artland Dragons aus Quakenbrück spielte vor ein paar Jahren sehr erfolgreich in der Bundesliga – bis sich der Hauptsponsor zurückzog und der Club in die dritte Liga runter musste. Dasselbe könnte dem Überraschungs-Playoff-Team der vergangenen Saison, Rasta Vechta, drohen, wenn denn der dortige Hauptsponsor irgendwann einmal aussteigen sollte.

Königsklasse verzerrt den Wettbewerb

In der Fußball-Bundesliga hingegen hätten die meisten Teams mehrere Sponsoren, so dass dieses Risiko deutlich weniger bestehe. Dafür sorgt ein anderer finanzieller Faktor für eine sportliche Schieflage in der Liga, wie Filbry erklärt – und zwar die Einnahmen aus der Champions League. „Die Gelder, die die Clubs in der Champions League bekommen, sind krass. Das verzerrt den Wettbewerb“, sagte Filbry. Das betreffe nicht nur die Bundesliga, in der der „Wettbewerb um die Meisterschaft in den letzte sieben Jahren“ nicht spannend gewesen sei, sondern auch die Ligen in anderen europäischen Ländern wie Frankreich.

„Der Wettbewerb ist aus den Fugen geraten. Da müssen wir ran“, betonte der Werder-Geschäftsführer. Und es gehe nicht allein um die Teilnahme: Es gebe in der Königsklasse auch eine Nachhaltigkeitsklausel, durch die der FC Bayern als Dauerteilnehmer in der vergangenen Saison alleine an „Antrittsgeld“ etwa 30 Millionen Euro mehr bekommen habe als die TSG Hoffenheim. Und die Lösung des Problems? Financial Fairplay könne helfen, meint Filbry. Und auch Marktregulierung könne helfen. Die Gretchenfrage in den nächsten Jahren sei, ob „wir in den Regeln des freien Marktes agieren und konkurrenzfähig sein wollen“.

NBA-Kopie in Europa?

Auch im Basketball „entschwinden die Bayern“, was die finanziellen (und folglich auch sportlichen) Möglichkeiten angehe, entgegnete Schüller. Der deutsche Meister spielt in dieser Saison zum zweiten Mal in der Euroleague, dem höchsten europäischen Wettbewerb. Die Euroleague, so Schüller, würde indes eigentlich gerne die US-amerikanische Profiliga NBA kopieren, die in sich geschlossen ist, und eine europäische Eliteliga öffnen – mit Teams, die dann gar nicht mehr in den nationalen Ligen spielen. Die Idee komme vor allem aus Griechenland, Israel und den baltischen Ländern, in denen es keine starke nationale Liga gibt, und wo immer dasselbe Team den Titel holt.

Was die Diskutanten zu den Themen E-Sports, Fernsehpräsenz und dem Kampf um Aufmerksamkeit zwischen den verschiedenen Sportarten zu sagen haben, lesen sie am Freitag auf NWZonline.

Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
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