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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Werder Bremen

Fußball-Bundesliga: Wieso Werder Bremen und Co. Staatshilfe benötigen

01.08.2020

Stuttgart /Bremen Auf dem Transfermarkt hat sich der VfB Stuttgart seine größten Wünsche erfüllt. Erst am Dienstag verpflichtete der Bundesligist den früheren U-21-Europameister Waldemar Anton, gut eine Stunde später machte der VfB auch den Transfer von Torwart Gregor Kobel perfekt. Beide zusammen kosten die Schwaben ungefähr acht Millionen Euro. Das ist im Fußballgeschäft heutzutage keine überraschende Summe mehr. Aber sie kann in einem anderen Licht erscheinen, wenn man berücksichtigt, dass sich der durch die Coronakrise finanziell angeschlagene Aufsteiger parallel um staatliche Unterstützung bemüht. Und damit ist er nicht alleine.

Millionengehälter und KfW – Wie passt das?

Der VfB gibt Millionen für Spielergehälter und Transfers aus und möchte gleichzeitig Geld von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Um 10 bis 15 Millionen Euro soll es laut „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ beim VfB gehen. Die Stuttgarter sind nicht der einzige Bundesligist, der einen Antrag auf KfW-Förderung gestellt hat. Angesichts erheblicher Verluste wählte auch Werder Bremen diesen Weg – der Club von der Weser soll dem Vernehmen nach einen Hilfskredit in Höhe von 15 Millionen Euro beantragt haben. Viele weitere Erstliga-Clubs halten sich einen solchen Schritt zumindest offen. Der stark verschuldete FC Schalke erhält eine Landesbürgschaft.

Was halten Fans und Politik von der Staatshilfe?

„Manche Vereine gleichen ihren Verlust durch Finanzspritzen ihres Investors aus, andere lassen sich von der öffentlichen Hand unterstützen. Als Fans sowieso – aber auch als Steuerzahlende – können wir über dieses Gebaren nur noch den Kopf schütteln“, sagte Markus Sotirianos, 2. Vorsitzender der Fan-Organisation „Unsere Kurve“. Auch aus der Politik gibt es kritische Töne. „Es trägt nicht gerade zum Imagegewinn der Fußball-Clubs bei, wenn den Spielern einerseits Gehälter in Millionenhöhe bezahlt werden und andererseits staatliche Hilfen in Anspruch genommen werden“, sagte Baden-Württembergs Sportministerin Susanne Eisenmann (CDU) zuletzt der „Bild“.

Was spricht für die Finanzspritze?

Andererseits handelt es sich beim VfB oder Werder um mittelständische Unternehmen, die jede Menge Steuern zahlen und entsprechende KfW-Kredite beantragen können. Der Wirtschafts- und Finanzexperte Rudolf Hickel hält KfW-Darlehen für Bundesligavereine für berechtigt. Einem Unternehmen wie Werder könnte sonst „die Pleite drohen“, schrieb Hickel im „Weser-Kurier“. Die Corona-Krise habe den Bremern Einnahmeausfälle in Höhe von 30 Millionen Euro beschert. Der 78-Jährige, der viele Jahre das Institut Arbeit und Wirtschaft an der Universität Bremen geleitet hat, schrieb weiter: „Die Kosten der Schließung des Profifußballs an der Weser wären gegenüber der preiswerten Kredithilfe gigantisch.“ Auch mit Blick auf die 180 Mitarbeiter beim Bundesligisten. Zudem koste die Finanzhilfe den Staat letztlich nichts. „Die staatliche Risikoübernahme sowie der angemessene Zinssatz, den Werder bezahlt, ist für die Banken ein gutes Geschäft“, meinte Hickel. Ebenso sieht sich der VfB gegenüber seinen Mitarbeitern in der Verantwortung, ihm war von seiner Hausbank zu dem Antrag geraten worden. „Wir haben fast 250 Mitarbeiter, davon sind nur 30 Profis. Wir haben also 220 ganz normale Angestellte“, sagte Präsident Claus Vogt dem SWR: „Auch für die haben wir eine Sorgfaltspflicht.“ Der VfB müsse wie jedes andere Unternehmen schauen, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Es bleibt also weiterhin ein sehr heikles Thema, das aufgrund der wirtschaftlichen Lage der Bundesliga-Clubs nachvollziehbar, wegen der finanziellen Exzesse einer in der Kritik stehenden Branche aber auch emotional aufgeladen ist.

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