Nordenham - Vor 23 Jahren hat Stefan Schmidt (57) noch in der Nordenhamer Bleihütte gearbeitet, ist dann nach Westfalen gezogen. Der gebürtige Berliner wohnt heute in Lüdinghausen südwestlich von Münster und arbeitet bei der Aurubis AG in Lünen im Kupfer-Recycling. Seit Jahren kommt der Besitzer von acht historischen Motorrädern immer wieder gerne zu den Nordenhamer Oldtimer-Tagen – auch um ehemalige Kollegen zu treffen. Butjadingen findet er „total schön“. Diesmal ist er mit einem Ford Modell A als Coupé (Baujahr 1930) angereist. Das ist ein Zweisitzer mit sogenanntem Schwiegermuttersitz. Der Ford Modell A war Nachfolger des Modell T und damit das zweite Auto der Massenmotorisierung in den USA. Überwiegend aus Norddeutschland, aber wie Stefan Schmidt auch darüber hinaus, sind insgesamt 400 bis 500 Besitzer von Personenwagen, Motorrädern und Nutzfahrzeugen, die mindestens 30 Jahre alt sind, nach Nordenham gekommen. Sie zeigen ihre Fahrzeuge bei den 25. Nordenhamer Oldtimer-Tagen auf dem Marktplatz, dem Jahnparkplatz und in der Fußgängerzone. Es ist eine Rekordzahl zum Jubiläum. Schätzungsweise rund 3000 Besucher kommen dazu in die Innenstadt.
Rallye-Rundfahrt
Stefan Schmidt und sein Beifahrer Tjark Sommer (20) haben am Samstag bei der Rallye-Rundfahrt durch die nördliche Wesermarsch mit passendem Outfit den Fashion-Cup dieser Tour gewonnen, die ebenfalls eine Rekordbeteiligung verzeichnete. Etwa 100 Oldtimer-Fahrzeuge mit mehr als 200 Personen waren bei strahlendem Sonnenschein an den Start gegangen – vom Porsche bis zum Goggomobil und vom Militärauto bis zum US-Straßenkreuzer. Kein Fahrzeug ist unterwegs liegen geblieben. Tjark Sommer aus Schweewarden ist übrigens der Sohn eines Nordenhamer Freundes von Stefan Schmidt.
Entschleunigend
Mit dem alten Ford fahre es sich, so sagt er, wie mit einem alten Trecker: sehr direkt und sehr kraftaufwändig beim Kuppeln und Schalten.
Dieter Abeln (63) aus Elisabethfehn ist die 75 Kilometer nach Nordenham mit einem „legendären Gangsterwagen“ gefahren: einem Citroën 11 CV (Baujahr 1956). Solche Limousinen haben in vielen französischen Gauner- und Kriminalfilmen oft entscheidende Rollen bekommen. Wie viele andere Oldtimer-Freunde auch hat Dieter Abeln sein Fahrzeug „aus Spaß an der Freude“ selbst restauriert – ebenso wie fünf weitere Oldtimer in seinem Besitz. Sein Beifahrer, Schwiegersohn Sven (38), hat die Rundfahrt durch Butjadingen sehr genossen. Der technische Sachbearbeiter findet es wunderbar entschleunigend, mit einem Oldtimer zu fahren und dabei den Weg als Ziel zu haben.
Begeisterte Hobby-Schrauber sind Florian Esser (22, Marine-Offizier aus Heinsberg, der zurzeit in Elsfleth Nautik studiert) und Thorben Klawes (27), der als Elektroingenieur in Kiel arbeitet und in Eckernförde wohnt. Bei der Marine haben sich die beiden jungen Oldtimer-Fans kennengelernt. Mit einem Audi 80 (Baujahr 1993) und einem militärgrün lackierten Suzuki-Geländewagen (Baujahr 1982, ursprünglich für die australische Armee entwickelt) nehmen sie an den Nordenhamer Oldtimer-Tagen teil. Jüngere Oldtimer-Fahrzeuge finden sie ganz praktisch: „Wenn man schrauben kann, ist es total günstig, ein solches altes Auto zu fahren. In den 1980er- und 1990er-Jahren war die Mechanik ausgereift und Elektronik noch kaum vorhanden.“
NMT steigt aus
Viel Lob gab es wieder für den Organisator der Oldtimer-Tage, Ingo Ehmann (59), und dessen Mitstreiter. Ebenso wie der zum 23. Mal als Moderator mitwirkende Wilhelm Willms (71) freute sich Ingo Ehmann über ein sehr schönes Treffen mit familiärer Atmosphäre. Beide hoffen, dass es eine 26. Auflage geben wird. Noch ist allerdings offen, ob die Stadt Nordenham wieder mitzieht.
Der maßgeblich von ihr getragene Verein Nordenham Marketing & Touristik (NMT) steigt als Veranstalter aus. Da es keine kommerzielle Veranstaltung ist, kann sich Ingo Ehmann eine Neuauflage auch in Verbindung mit einem verkaufsoffenen Sonntag vorstellen.
Organisator Ingo Ehmann (rechts) und Moderator Wilhelms Willms hoffen auf eine Neuauflage der Oldtimer-Tage im nächsten Jahr. Bild: Horst Lohe
Dieter und Sven Abeln mit einem Citroën 11 CV (Baujahr 1956) Bild: Bild Horst Lohe
Begeisterte Hobby-Schrauber: Thorben Klawes (27, links) und Florian Esser (22) mit einem Suzuki-Geländewagen (Baujahr 1982) Bild: Horst Lohe
Hartmut Fröhlich aus Fredenbeck bei Stade zeigte mit seinen beiden Söhnen einen Opel-Blitz-Abschlepper (Baujahr 1962) sowie Motorroller aus den 1950er-Jahren. Bild: Horst Lohe
