Butjadingen - Freundschaften, die über mehrere Jahrzehnte bestehen bleiben, sind etwas ganz Besonderes. Zu oft kommt es vor, dass man sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt oder die Prioritäten so gesetzt werden, dass nur wenig Zeit für die Kontaktpflege bleibt. Bei Ingrid von Atens und ihren Freundinnen aus Butjadingen ist es anders. Sie und die anderen Damen vom „Kränzchen“, wie sie sich liebevoll nennen, haben sich nie aus den Augen verloren. Ihre Freundschaft besteht seit stolzen 70 Jahren.
Nie langweilig
Kennengelernt haben sich die acht Frauen, die heute alle Mitte 80 sind, zu Jugendzeiten in der Tanzschule von Gerda Behrens, an die sich viele noch erinnern werden. Genauer gesagt war es 1954. In-grid von Atens war damals 15 Jahre alt. Dass man zur Tanzschule ging, war selbstverständlich und hatte noch einen ganz anderen Stellenwert als heute, erzählt sie. Bei Gerda Behrens lernte man nicht nur das Tanzen, sondern auch etwas fürs Leben. Ein Leben, dass die acht Frauen, zu denen neben Ingrid von Atens auch Annelene Brötje, Anne Rhode, Annegret Brader, Anneliese Stührenberg, Ursel Kuck, Marlene Albers und Almuth Cornelius gehören, bis heute gemeinsam beschreiten.
„Wir haben alles zusammen erlebt“, sagt Ingrid von Atens. Angefangen bei Verlobungsfeiern und Hochzeiten über die Geburten der ersten Kinder und Enkelkinder bis hin zu traurigen Ereignissen wie dem Verlust von Ehemännern – das schweißt zusammen. Auch das ist ein Grund, warum es über all die Jahre nicht langweilig geworden ist. „Es gibt immer viel zu erzählen und vor allem immer wieder neue Dinge“, sagt Ingrid von Atens. Und wenn nicht, dann schwelgen die Frauen in Erinnerungen. Denn davon haben sich in 70 Jahren genügend angehäuft. Die gemeinsamen Fotos füllen Fotoalben, auch alte Schriftstücke und Zeitungsartikel über die Orte, an denen die Frauen ihre Jugend verbracht haben, hat Ingrid von Atens aufbewahrt. Die 85-Jährige schaut gern hinein. Und sie kann kaum glauben, wo die Zeit geblieben ist.
In den Anfangsjahren haben sich die Frauen reihum zu Hause zum Kaffee und Kuchen getroffen. Dabei wurde immer Wert gelegt auf hübsch gedeckte Tische und Gemütlichkeit, wie Ingrid von Atens erzählt. Manchmal waren auch die Männer eingeladen, doch das war die Seltenheit. Und zwischendurch haben die Frauen auch gemeinsame Radtouren unternommen. Doch schlussendlich sind sie lieber beim Kaffeesieren und Klönen geblieben. Bis heute machen sie das alle vier Wochen.
Corona überstanden
Zeiten, in denen die Frauen keinen Kontakt hatten, gab es in all den Jahren nicht. Lediglich Corona machte es dem „Kränzchen“ schwer. „Natürlich konnten wir uns damals über eine lange Zeit nicht sehen“, berichtet Ingrid von Atens. Doch auch das konnte der Freundschaft nichts anhaben. Sobald es wieder möglich war, nahmen die Frauen ihre regelmäßigen Treffen wieder auf. Auch an diesem Donnerstag kommen sie zusammen, um ihr Jubiläum zu feiern.
Ingrid von Atens ist stolz darauf, eine Freundschaft wie diese zu haben. Obwohl die Frauen unterschiedlicher nicht sein könnten und heute auch nicht mehr alle von ihnen in Butjadingen leben, haben sie ihre besondere Verbindung nie aufgegeben. Ein Geheimnis dafür gibt es nach den Worten von Ingrid von Atens nicht. „Wir haben uns einfach immer alle darum bemüht, den Kontakt aufrechtzuerhalten“, sagt sie. Und sie ist sich sicher, dass dieser auch in Zukunft bestehen bleiben wird.
Ingrid von Atens blättert gerne in ihren Fotoalben und schwelgt dabei in Erinnerung.
Im Jahr 1958 ist dieses Foto auf der Verlobungsfeier von Ingrid von Atens entstanden. Bild: privat
Dieses Foto stammt von einem Treffen, das vor einigen Jahren stattgefunden hat (von links): Annelene Brötje, Anne Rhode, Annegret Brader, Anneliese Stührenberg, Ursel Kuck, Ingrid von Atens, Marlene Albers und Almuth Cornelius
