Rodenkirchen/Kellerberrin - Für jeden Rucksackreisenden ist Australien das Mekka und meistens besonders für frische Abiturienten der perfekte Start, um auf das erste eigene Abenteuer zu gehen. Die meisten werden vermutlich eher zum Reisen in dieses Land kommen und sich mit Arbeit nur gerade so über Wasser halten, wie es eben nötig ist, denn so schnell wie man sein Geld hier ausgibt, so einfach ist es auch, in Australien zu verdienen.
Ein Sehnsuchtsland
Australien ist ein Sehnsuchtsland: Wüste im Outback so weit das Auge reicht, tropische Wälder, lange Strände, brandende Ozeane, jede Menge Abenteuer und dazu überaus gelassene Australier. Während beinahe jede große Stadt und fast jedes Highlight im Osten liegt, wird der Westen oft ganz übersehen. Abgesehen von der Metropole Perth muss man oft Hunderte Kilometer mit dem Auto zurücklegen, um in die nächste Stadt zu gelangen, ohne eine Menschenseele zu treffen.
Australischer Winter
Für mich ist einer meiner größten Träume, mit einer Begleitung in einem Van die Westküste entlangzufahren und Sonnenuntergänge an einsamen Stränden zu bewundern, aber bevor ich wieder zu träumen anfange: Ich bin ja nicht zum Reisen nach Australien gekommen. Meine Mission lautet Geld verdienen, so viel wie möglich und das um jeden Preis.
Aus diesem Grund ist meine Entscheidung auf Westaustralien gefallen, denn hier sind die Lebensunterhaltskosten niedriger, und es gibt so gut wie keine Backpacker momentan, was wiederum bedeutet: Es ist einfach, sehr gut bezahlte Jobs zu finden. Aber kein Wunder, dass hier im Winter mit 12 bis 15 Grad bei Dauerregen kein Reisender herkommt.
Eine Besonderheit gibt es in Perth zu erwähnen: Es ist die Stadt, von der aus die Arbeiter in die größten Minen ins Inland geflogen werden. Australien zählt zu den rohstoffreichsten Ländern der Welt und besitzt die weltgrößten Vorkommen an Uran, Zink, Eisenerz, Kohle, Kupfer und Gold.
In den Minen wird das große Geld verdient, und es besteht die einmalige Chance, ausschließlich durch die Pandemie hervorgerufen und den Mangel an Backpackern, derzeit an einen der begehrten Minenjobs zu gelangen.
Zuerst zieht es mich bereits einen Tag nach meiner Landung ins Outback. Rund drei Stunden mit dem Zug von Perth entfernt liegt die weitgehend verlassene Kleinstadt Kellerberrin mit weniger als 1000 Einwohnern. Hier schlafe ich kostenlos in einem Container zusammen mit einer Gruppe philippinischer Gastarbeiter und arbeite als Metallbauer bei einer Firma, die Getreidesilos herstellt. Mit 32 australischen Dollar die Stunde, was 21,5 Euro entspricht, und einem kostenlosen Schlafplatz kein schlechter Start, wenn man die geringe Steuer von nur 15 Prozent bedenkt.
Ein neuer Job
Dank der Tipps einiger Freunde bewerbe ich mich gleichzeitig in den Minen als Mechaniker und bekomme einige Tage später eine Job-Einladung, für die ich jedoch bestimmte Schulungen abschließen muss, und so kündige ich nach nur fünf Tagen meinen ersten Job und sitze bereits voller Hoffnung im Zug zurück in die Stadt.
