Wesermarsch - Gegen 5.15 Uhr, ausgerüstet mit einer kleinen Gartenschaufel und einem Schraubenzieher, fährt Marco Bergmann-Osterloh bei der GIB Entsorgung Wesermarsch vom Hof. Er muss noch vor seinen Kollegen von der Müllabfuhr am Einsatzort sein. Marco Bergmann-Osterloh ist als Tonnenkontrolleur für die GIB unterwegs, um den Inhalt der Biotonnen zu prüfen. Wenn eine Biotonne falsch befüllt ist, hängt der Kontrolleur eine „rote Karte“ an die Tonne.
Falsch entsorgt
Denn statt kompostierbarem Biomüll fanden die Mitarbeiter der GIB immer häufiger Plastiktüten, Metalle und Glas in den Biotonnen. Der Kompostaufbereiter, an den die GIB den Biomüll zur Weiterverarbeitung liefert, drohte, die Preise für die Annahme des Materials zu erhöhen, sagt Geschäftsführer Hans Conze-Wichmann. Die GIB musste reagieren.
Nun ist Marco Bergmann-Osterloh regelmäßig im Landkreis unterwegs. Mit Schaufel und Schraubenzieher durchstöbert er den Inhalt der Tonnen, denn wer etwas Falschentsorgtes verheimlichen will, tarnt den Müll, weiß der Experte aus Erfahrung. Die „rote Karte“ an der Tonne ist für seine Kollegen im Müllwagen das Zeichen, sie nicht zu leeren.
Was darf in die Biotonne? Eierschalen, Küchenabfälle, Gemüsereste und Gemüseschalen, Kaffeefilter und Kaffeesatz, Nussschalen, Obst und Obstreste, Teeblätter und Teebeutel, Brot, Rasen- und Heckenschnitt, Laub, Moos, Reisig, Rinde, Zweige, Stauden, Strauchschnitt, Wildkräuter (kein Bärenklau), Sägespäne, Blumen, Blumenerde, Bio-Papiertüten, Eierpappen in Maßen, Zeitungspapier in Maßen
Was gehört nicht in die Biotonne? Plastik, biologisch abbaubare Kunststoffe (auch keine kompostierbaren Plastiktüten), Katzen- und Kleintierstreu, Fäkalien wie Hundekot, Milch- und Safttüten, Windeln, Glas, Tierkadaver und Wildabfälle, Knochen und Fleischabfälle, Staubsaugerbeutel, Zigarettenkippen, Asche, Hochglanzbroschüren.
Damit stoße er nicht immer auf Verständnis, sagt Marco Bergmann-Osterloh. Manche Anwohner reagieren ungehalten, andere interessiert. Doch der Erfolg gibt ihm recht. Eine Studie des Instituts für Energie und Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Bremen bescheinigt der GIB, dass die Kriterien zum durch die Bioabfallverordnung maximal zugelassenen Kunststoffgehalt von Bioabfall unterschritten werden. Auch der Kompostaufbereiter habe der GIB bestätigt, dass das von der GIB gelieferte Material zu Kompost von hoher Qualität verarbeitet werden könne, sagt Hans Conze-Wichmann. Die GIB selbst hat festgestellt: Vor der Aktion waren bei Mehrfamilienhäusern rund 50 Prozent der Tonnen falsch befüllt. Bei Einfamilienhäusern waren es rund 20 Prozent. Seitdem die roten Karten verteilt werden, liegt die Quote nur noch bei rund 10 beziehungsweise 5 Prozent, sagt Hans Conze-Wichmann. „Wir müssen ein dickes Lob an die Wesermärschler aussprechen“, sagt er.
Viele Nachfragen
Seit der Aktion sei auch die Anzahl der Anrufer, die wissen wollen, was sie falsch gemacht haben, gestiegen, sagt Hans Conze-Wichmann, denn manche wissen gar nicht, was in die Biotonne darf. Das Hauptproblem seien Plastiktüten, sagt Alexandra Janßen, die bei der GIB für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Auch die kompostierbaren Plastiktüten dürfen nicht in die braune Tonne. Sie verrotten viel zu langsam, sagt sie. Restbestandteile der Tüten verrotten in der Natur nicht weiter, weil die nötigen Temperaturen nicht erreicht werden.
Der Inhalt der Biotonnen wird auf der Deponie in Käseburg in einen Fermenter verbracht und dort rund sechs Wochen luftdicht verschlossen. Dabei entstehen Gase, die in der hauseigenen Biogasanlage und im Blockheizkraftwerk Strom und Wärme erzeugen, die rund 500 Haushalte pro Jahr versorgen können, sagt Hans Conze-Wichmann. Steckt der Biomüll Plastiktüten, werden die Gase nicht freigesetzt, erläutert er.
Das Schlimmste sei jedoch Glas in der Biotonne. Die Gärreste werden geschreddert. Glassplitter sind daraus unmöglich zu entfernen. Auch Tierfäkalien und Kleintierstreu gehören nicht in die Biotonne, sie müssen im Restmüll entsorgt werden, sagt Hans Conze-Wichmann.
Die GIB arbeitet mit der Wohnungsbaugesellschaft WBW zusammen, die Infobroschüren – auch in mehreren Sprachen – an ihre Mieter verteilt hat, sagt Alexandra Janßen. Frei nach dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ will die GIB aber weiterhin an den Tonnenkontrolleuren festhalten.
