Nordenham - Ahnenforschung ist eine höchst spannende Angelegenheit. Aber sie kann auch ganz schön kompliziert und zeitraubend sein. Wer seine Familiengeschichte über Jahrhunderte zurückverfolgen möchte, kann sich jetzt dank eines neuen digitalen Angebots die Arbeit erleichtern. Die Oldenburgische Gesellschaft für Familienkunde (OGF) ist dazu übergegangen, Tausende von Personenangaben aus historischen Kirchenbüchern für eine Online-Datenbank zu erfassen und aufzubereiten. Die erste Region, für die der Zugriff auf diese Verzeichnisse freigeschaltet wird, ist die Wesermarsch.
900 Mitglieder
Für die rund 900 Mitglieder der ehrenamtlichen Familienkunde-Gesellschaft ist der Zugriff auf die Ortsfamilienbuchdaten kostenlos. Andere Nutzer müssen einen Obolus bezahlen, der 15 Euro beträgt und einen Zugang für sechs Monate ermöglicht. Vorsitzender Wolfgang Martens (Wardenburg) und sein Vorstandskollege Ernst Heinje (Kirchhatten), der in der OGF für die Elektronische Datenverarbeitung zuständig ist, begründen die Gebühr mit den Kosten für die Technik. Eine Ausnahme ist das kommende Wochenende: Anlässlich des „Tags der Familienforschung“ schaltet die OGF die Datenbank als Schnupperangebot vorübergehend für alle frei.
Über den Aufbau und die Nutzung der Familiendatenbank für das Oldenburger Land können sich Interessierte am Sonnabend, 21. Mai, bei einer Veranstaltung in Nordenham informieren. Die Oldenburgische Gesellschaft für Familienkunde (OGF) richtet dann einen „Tag der Familienforschung“ in Zusammenarbeit mit dem Rüstringer Heimatbund aus. Beginn ist um 10 Uhr im Landhotel Butjadinger Tor im Nordenhamer Stadtteil Abbehausen. An die öffentliche Vorstellung der neuen Online-Angebots mit praxisnahen Tipps und Hilfestellungen schließt sich ab 12.30 Uhr eine Mitgliederversammlung der OGF an.
30 Kirchspiele aus der Wesermarsch sind bereits in der Online-Datenbank erfasst. „Das ist ein riesiges Puzzle mit weit verzweigten Verflechtungen, die über die einzelnen Gemeinden hinausgehen“, sagt Dr. Claudia Peplau. Die frühere Direktorin des Amtsgerichts Nordenham gehört neben Ralf-Enno Müller und Heinz-Dieter Mehrtens zu dem Team, das in jahrelanger Arbeit die Familienbücher des Kirchspiels Atens durchforstet und neu erfasst hat. Anfangs mit Karteikarten und Listen, jetzt mit Computer und Internet. „Das ist für eine enorme Erleichterung“, betont sie. Ebenso für die Nutzer, die fortan über Suchfunktionen nach Namen, Orten und familiären Verbindungen stöbern können.
Seit 1655
Die Aufzeichnungen des Kirchspiels Atens reichen bis in das Jahr 1655 zurück. Für Familienforscher sind die Datenbestände ein wahrer Schatz, da die Pastoren über Jahrhunderte hinweg akribisch alle wichtigen Ereignisse niedergeschrieben haben. Es gibt zwar auch Lücken – zum Beispiel 1717 im Jahr der verheerenden Weihnachtsflut. Aber im Großen und Ganzen bilden die Kirchenbücher die Bevölkerungsentwicklung sehr umfassend ab. Kirchliche und staatliche Verwaltung waren lange Zeit durchmischt. Standesämter gibt es in Deutschland erst seit 1876.
Das Entziffern der handschriftlichen Notizen in den Kirchenbüchern ist oftmals ein mühsames Unterfangen. Weil das Papier teuer war, schrieben die Pastoren möglichst klein. „Einige Eintragungen sind kalligrafische Kunstwerke“, erzählt Claudia Peplau. Zudem nahmen es die Geistlichen mit der Schreibweise der Namen nicht so genau; sie verließen sich auf das Gehörte. Daher tauchen mitunter verschiedene Varianten auf, die sich erst auf den zweiten oder dritten Blick einer gemeinsamen Familie zuordnen lassen.
Aus Gründen des Datenschützen darf die OGF in die Verzeichnisse nur Personenangaben aufnehmen, wenn bestimmte Fristen abgelaufen sind. Das sind bei Geburten 110 Jahre, bei Hochzeiten 80 Jahre und bei Sterbefällen 30 Jahre. In der jetzigen Fassung reicht die Datenbank daher bis etwa 1910 zurück. Aber sie wird ständig fortgeführt und erweitert. „Die Datenbank lebt“, sagt Vorstandsmitglied Ernst Heinje.
