Nordenham - Die Drohkulisse, dass der Airbus-Konzern und sein Tochterunternehmen Premium Aerotec Hunderte von Mitarbeitern vor die Tür setzen, ist nach wie vor da. Aber der jetzt besiegelte Sozialplan verschafft etwas Luft. In der Vereinbarung mit dem Betriebsrat hat die Geschäftsführung zugesichert, dass betriebsbedingte Kündigungen bis Ende März nächsten Jahres ausgeschlossen sind. Diese Fristsetzung hängt mit einem anderen Punkt des Sozialplans zusammen: Bis zum Stichtag 31. März 2021 haben die Beschäftigten die Möglichkeit, freiwillig auszuscheiden und dafür eine Abfindung ausgezahlt zu bekommen.
Stichtag 31. März
Alle weiteren Maßnahmen zur Einsparung von Stellen hängen davon ab, wie viele Mitarbeiter das Abfindungsprogramm in Anspruch nehmen. Falls die Zahl aus Sicht der Konzernleitung nicht ausreicht, kommt das Thema betriebsbedingte Kündigungen wieder auf den Tisch. Dazu wollen es die Industriegewerkschaft Metall und der Betriebsrat aber nicht kommen lassen. Die Arbeitnehmervertreter fordern, dass Entlassungen auch über den März 2021 hinaus ausgeschlossen bleiben.
In einem Pressegespräch hat Airbus-Direktor Marco Wagner sich zuversichtlich gezeigt, dass sich genügend Freiwillige finden lassen. Schon gleich nach der Vorstellung des Abfindungsprogramms hätten sich viele Interessenten gemeldet. Es sieht zwei Modelle mit unterschiedlichen Regelungen vor. Das eine gilt für Beschäftigte unter 59 Jahre, das andere für die älteren Kollegen. Der Betriebsratsvorsitzende des Premium-Aerotec-Werks in Nordenham, Michael Eilers, spricht von „vernünftigen Konditionen“.
Weitere Kurzarbeit
Nachdem über den Sozialplan eine Einigung erzielt wurde, geht es nun in den weiteren Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat um eine Rahmenvereinbarung für das weitere Vorgehen und um einen Interessenausgleich. In dem Zusammenhang ist unter anderem eine Verlängerung der Kurzarbeit bis Ende 2021 ein Thema. Zudem sprechen sich IG Metall und Betriebsrat für eine Arbeitszeitverkürzung aus, um durch die Krise zu kommen und betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Das dritte Verhandlungspaket ist eine tarifliche Regelung für Ausbildung und Übernahme der Nachwuchskräfte
Am Premium-Aerotec-Standort in Nordenham informiert der Betriebsrat die Beschäftigten in dieser Woche in zwölf Versammlungen über den aktuellen Stand der Dinge. Hintergrund der Sparmaßnahmen ist die Auftragsflaute in Folge der Corona-Pandemie.
1170 Jobs in Gefahr
Bei der Premium Aerotec GmbH (PAG), die eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Luftfahrtkonzerns Airbus ist, hat sich die Auslastung um rund 40 Prozent verringert. In diesem Umfang will die Unternehmensleitung die Belegschaftsstärke am Standort Nordenham verringern. Das bedeutet, dass 1170 der rund 2800 Jobs in Gefahr sind.
Die 2009 gegründete Premium Aerotec GmbH ist durch den Zusammenschluss der Airbus-Betriebe in Nordenham und Varel mit dem EADS-Werk in Augsburg entstanden. Inzwischen hat Premium Aerotec weitere Niederlassungen in Bremen, Hamburg und Brasov (Rumänien).
Airbus hat angesichts der Corona-Krise angekündigt, weltweit 15 000 Stellen – davon 3000 bei Premium Aerotec – abbauen zu wollen. Als erste Maßnahme zur Abfederung der Auslastungslücke ist Kurzarbeit eingeführt worden. Deren Umfang im Nordenhamer PAG-Werk, das Rumpfbauteile für Airbus-Flugzeuge herstellt, beläuft sich auf etwa 40 Prozent.
