Brake/Oldenburg - Die Beratungs- und Interventionsstelle LaWeGa (Landkreis Wesermarsch gegen Gewalt an Frauen) hat die Zahlen für 2022 ausgewertet. Diese machen deutlich, dass auch im Landkreis häusliche Gewalt stattfindet. Insgesamt zählt die Statistik durch Polizeiprotokolle und Selbstmelder 300 Fälle, die die Beraterinnen im vergangenen Jahr betreuten. Damit ist die Fallzahl genauso hoch wie 2021. Ferner zeigen die zuletzt veröffentlichten Statistiken des Bundeskriminalamtes, dass im Jahr 2021 bundesweit 113 Frauen die Gewalt ihres Partners oder Expartners nicht überlebten – somit fand fast jeden dritten Tag ein Femizid statt, der mit geschlechtsspezifischer Gewalt einhergeht.
Jede dritte Frau betroffen
Deutschlandweit erfährt jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben physische oder sexualisierte Gewalt. Bei jeder vierten Frau geht die Gewalttat von ihrem Partner oder Expartner aus. Laut Bundeskriminalamt waren dies im Jahr 2021 insgesamt 115.342 betroffene Frauen. „Bei diesen Angaben handelt es sich lediglich um das Hellfeld. Das Dunkelfeld wird noch um einiges höher geschätzt“, sagt Maren Ozanna. Sie ist Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Wesermarsch.
Mit der Beratungsstelle LaWeGa bietet der Landkreis Wesermarsch ebenfalls Unterstützung für alle Betroffenen von häuslicher Gewalt sowie deren Angehörige an. Die Beratungsstelle ist von Montag bis Freitag zwischen 10 und 12 Uhr sowie mittwochs nachmittags zwischen 14.30 und 17.30 Uhr besetzt. Zusätzlich ist die Beratungsstelle auch außerhalb der Beratungszeiten per E-Mail (lawega@lkbra.de) erreichbar oder es kann eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen werden, so dass die Beraterinnen die Möglichkeiten haben, zurückzurufen (Telefon 04401/ 927-436). Hier erhalten Betroffene anonym, unbürokratisch und kostenlos Unterstützung. Die Abkürzung LaWeGa steht für „Landkreis Wesermarsch gegen Gewalt an Frauen“.
Im Land Niedersachsen gaben lediglich 13 Prozent der Betroffenen von häuslicher Gewalt an, dass sie sich professionelle Unterstützung suchten. Insbesondere die Polizei, Fachberatungsstellen für sexualisierte Gewalt oder schützende Unterkünfte wurden bei den an der Studie Teilnehmenden am seltensten angefragt. Einer der Hauptgründe dafür war, dass die Befragten sich nach eigenen Angaben aus Scham- oder Schuldgefühlen keine professionelle Unterstützung suchten. Auch Angst spielt demnach eine große Rolle bei jenen betroffenen Frauen, die auf professionelle Hilfe verzichten.
Stolzer Spendenbetrag
„Gerade unter den oben genannten Aspekten freuen wir uns sehr, dass wir im Zusammenhang mit dem Kinoabend einen stolzen Spendenbetrag zusammenbekommen haben, der vom Landrat auf insgesamt 500 Euro aufgerundet wurde und nun dem Verein Wildwasser Oldenburg zugutekommt“, sagt Maren Ozanna. „Dies ist eine Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen. Der Verein leistet großartige und vor allem wichtige Arbeit“, erläutert die Gleichstellungsbeauftragte.
Auch für Angehörige
„Zudem ist Wildwasser auch eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene und deren Angehörige sowie für pädagogische Fachkräfte aus dem Landkreis Wesermarsch“, sagt Frauke Janßen, zuständig bei Wildwasser für Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit, bei der symbolischen Scheckübergabe.
Zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen hat das Referat für Gleichstellungsfragen des LK Wesermarsch in Kooperation mit dem Braker Centraltheater den Film „Die Ungehorsame“ gezeigt. Der Film stellt einen Fall von häuslicher Gewalt nach und spiegelt damit den brutalen Alltag betroffener Frauen in Deutschland wider.
