AUGUSTGRODEN - Abschiede mag Lisa Francisco nicht so gerne. Der Besuch von Angelika Brunkhorst in Augustgroden ist daher eine Ausnahme. Die FDP-Bundestagsabgeordnete wünscht ihrem „Patenkind“ alles Gute für den Aufenthalt in den Vereinigten Staaten. Ein Jahr im Zeitraffer liege nun vor der Schülerin, sagt die Politikerin.
Springfield ist die drittgrößte Stadt im US-Bundesstaat Missouri. Nur rund 20 Kilometer weiter nördlich liegt die kleine Stadt Fair Grove mit ihren rund 1000 Einwohnern. Es ist eine von der Landwirtschaft geprägte Region, in die es Lisa Francisco verschlägt. Eigentlich ganz so wie daheim am Jadebusen. Und doch liegen Welten dazwischen.
Für ein Jahr beurlaubt
Die gebürtige Nordenhamerin besucht das Fachgymnasium Wirtschaft in Brake. Sie hat die elfte Klasse absolviert und ist für das laufende Schuljahr beurlaubt worden. „Die Lehrer und Mitschüler freuen sich mit mir“, sagt die 17-Jährige, die ohne große Erwartungen in die USA reist. Sie wolle ihre Englischkenntnisse verbessern, um für das Abitur mehr Punkte einheimsen zu können, erzählt sie. Eine Mitarbeit bei der Schülerzeitung schwebt ihr vor. Das kommt auch ihrem späteren Berufswunsch nahe. Volkswirtschaft und Englisch wolle sie studieren oder Politik, um Journalistin zu werden, erzählt sie.
Die Hauptstadt Washington und New York möchte sie besuchen. Doch zuerst werde sie zum Treffen der Teilnehmer am Parlamentarischen Patenschaftsprogramm des Deutschen Bundestages nach St. Louis fahren. Dort würden alle 60 Teilnehmer empfangen.
Lisa Francisco reise als Botschafterin in die USA, merkt Angelika Brunkhorst an, Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion für Naturschutz und Reaktorsicherheit. Lisas offene Art und deren Wunsch, neue Kulturen kennenzulernen, werde es ihr ermöglichen, Deutschland gut zu repräsentieren. Lisa Francisco hatte sich noch bei Astrid Grotelüschen (CDU) um das Stipendium beworben. Als die Christdemokratin dann von Berlin nach Hannover wechselte, um den Ministerposten im Landwirtschaftsministerium anzutreten, war Angelika Brunkhorst vom Komitee angesprochen worden, den Part von Astrid Grotelüschen zu übernehmen. Die Vorsitzende der niedersächsischen Landesgruppe in der FDP-Bundestagsfraktion sagte zu. Lisa kam in die engere Wahl.
Nach einem Test in Bremen, bei dem die Schülerin noch über Land und Leute in Deutschland und den USA befragt wurde und auch ihre Englischkenntnisse geprüft wurden, kam von Angelika Brunkhorst schließlich grünes Licht. Über Himmelfahrt fand ein Treffen aller „Patenkinder“ von Bundestagsabgeordneten in Würzburg statt, um die Stipendiaten auf das vor ihnen liegende Jahr vorzubereiten.
Die Eltern Marion und Christian Plutat müssen jetzt loslassen. Und weil es die Organisation verbietet, ein Handy oder einen Computer mitzunehmen, ist der Kontakt eingeschränkt. „Um das Heimweh weitgehend auszuschließen“, merkt Christian Plutat an. Am Sonnabend um sechs Uhr startet Lisa Francisco nun ab Bremen über Frankfurt in die Vereinigten Staaten. Mit ihren Gasteltern, die sie am Flughafen in den USA empfangen werden, kommuniziert sie bereits im Internet. Sie weiß also in etwa, was auf sie zukommt.
Heimat vorstellen
Gleich am Montag wird sie in der Highschool erwartet, um ihre Fächer zu wählen. „Eigentlich wollte ich Fußball spielen“, sagt sie. Sie hat sich für Softball entscheiden, weil Soccer nicht angeboten wird. Sie weiß bereits, dass sie im November ihre Heimat vorstellen muss. Dann findet an der Schule eine internationale Unterrichtswoche statt. Die Mitschüler werden sich bestimmt wundern, dass es auch andernorts auf dem Globus von der Landwirtschaft und der Natur geprägte Landschaften wie die Wesermarsch gibt.
