Berne - In der Berner Kulturmühle ging es jetzt um reale Mordfälle, die den meisten Besuchern wohl noch bestens in Erinnerung gewesen sein dürften. Die Verdener Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt, der Professor für Rechtsmedizin, Dr. Klaus Püschel, sowie Martin Erftenbeck, der bis zu seiner Pensionierung 2017 das Fachkommissariat 1 und die Mordkommission in Verden leitete, waren mit ihrem Buch „Wahrheit – Tote haben Recht(e)“ und vielen spannenden Einblicken in die Ermittlungsarbeit zu Gast.
Angesichts der Tatsache, dass von den landesweit rund 900.000 Toten pro Jahr nur ein Prozent näher untersucht werden, liege der Verdacht nahe, dass es eine hohe Dunkelziffer unentdeckter Tötungsdelikte gibt. 350 Rechtsmediziner, die zur fachmännischen Sicherung von Beweisen neben Leichen auch lebende Opfer von Gewalttaten begutachten müssen, gebe es hierzulande. Das sei eine viel zu niedrige Zahl, bedauerte Püschel. So hätte beispielsweise Krankenpfleger Högel bei genaueren Untersuchungen der Verstorbenen viel früher überführt werden können. Mehr entdeckte Tötungsdelikte würden die Kriminalitätsrate allerdings auch emporschnellen lassen.
Auslöser von Gewalt
Die Frage nach dem Spaß, beantwortete Annette Marquardt mit einem klaren „Ja“. Denn ohne Begeisterung für das, was sie tut, könnte sie ihre Arbeit gar nicht machen. Wenn andere ins Wochenende starten, klingele bei ihr das „Leichentelefon“, hieß es. Konsum von Alkohol und Drogen seien von Freitagnachmittag bis Sonntagabend oft der Auslöser von Gewalttaten, so die Erfahrung der Staatsanwältin, die bei Mordermittlungen von Anfang an eng mit der Polizei zusammenarbeitet. Wichtig sei für sie, die Befragung von Verdächtigen oder Zeugen möglichst sofort vorzunehmen, um die später oft anderen Aussagen vor Gericht besser einordnen zu können, erklärte die Juristin.
Alte Fälle gelöst
Erftenbeck ging in seinem Bericht auf den Maskenmann ein. Schon bevor er die Leitung des Fachkommissariats 1995 übernahm, beschäftigte ihn der Fall des Täters, der Jungen aus Schullandheimen, Zeltlagern oder einem Internat entführte, missbrauchte und tötete. 20 Jahre dauerte es, bis der ehemalige Jugendbetreuer endlich festgenommen werden konnte.
Mit ein wenig Aufklärung über die beiden „Klaus-Schädel“, mit denen Püschel das Publikum zu Beginn der Veranstaltung neugierig gemacht hatte, und der Entzauberung der Störtebeker-Legende endete der spannende Abend auf amüsante Weise.
