Brake - Sie widersetzte sich den Versuchungen der Nationalsozialisten, verlor ihren Mann im Krieg und zog ihre Söhne alleine auf – die Autorin Thora Thyselius hatte ein bewegtes Leben, das sich auch in ihren literarischen Werken niedergeschlagen hat: In Kurzgeschichten, Romanen, Hörspielen und Theaterstücken. Dabei blieb sie immer heimatverbunden und verfasste einen großen Teil ihrer Texte auf plattdeutsch. Um ihr Leben und Schaffen in Erinnerung zu rufen, taten sich Barbara Müller und Annegret Kuilert von der Georg-von-der-Vring-Gesellschaft mit der Lehrbeauftragten Ute Schernich und dem Oldenburger Studenten Peter Meenken zusammen. Nach vielen Stunden der Recherche und Lektüre möchten sie Thyselius nun in der Kunstschule am Packhaus ein Projekt widmen – mit inspirierenden Zitaten, einem Bühnenprogramm von Annie Heger und einem literarischen Stadtrundgang.

Thora Thyselius wurde 1911 in Brake als zweites von drei Kindern geboren. Ihr Elternhaus steht noch heute in der Mitteldeichstraße. Der Vater war Reeder und Konsul aus Schweden, die Mutter stammte aus Ostfriesland. Als ihr Vater in den ersten Weltkrieg zog, war Thyselius noch ein kleines Kind. Doch die Eindrücke von der Zeit wirkten nach: „In vielen ihrer Geschichten beschreibt sie, wie es Menschen ergeht, die aus dem Krieg zurückkehren und wie die Familien damit umgehen“, sagt Ute Schernich.

Thyselius heiratete 1932, ein Jahr nach ihrem Abitur, Edo Behrens und brachte später zwei Söhne zur Welt. In den 1930ern nahm sie gelegentliche journalistische Tätigkeiten auf. Als sie unter der NS-Herrschaft einen Posten als Presse- und Propagandaleiterin ablehnte, bekam sie Veröffentlichungsverbot. „Sie konnte die Nationalsozialisten mit ihrem ganzen Bohei von Anfang an nicht ausstehen“, zitiert Schernich den Sohn Uno Thyselius. Sie schrieb trotzdem: vor allem Kalendergeschichten, Naturschilderungen, anspruchslose Unterhaltung. Themen, mit denen sie sich für die Nazis nicht angreifbar machte.In den Kriegsjahren zog ihr Mann als Soldat nach Russland – und kehrte nie zurück. Ihre Söhne musste sie von nun an alleine groß ziehen. Dies hielt sie in der Nachkriegszeit nicht davon ab, wieder zu schreiben. Sie verfasste Bühnenstücke, Hörspiele für den NDR, Kurzgeschichten, historische Erzählungen und Lyrik. „Man brauchte Durchsetzungsfähigkeit, um als Künstlerin tätig zu sein“, so Schernich. „Für Frauen gab es Widerstände von allen Seiten.“ Durchsetzungsstarke „Charakterköpfe“ tauchten folglich auch oft in ihren Werken auf, ergänzt Peter Meenken, der in dem Projekt mit der Quellenarbeit in Archiven betraut war.

Für den Roman „Tant van’t Siel“ erhielt Thyselius 1965 den Fritz-Reuter-Preis, ein Preis für Verdienste in der niederdeutschen Literatur. „Tant van’t Siel“ ist eine humorvolle Familiengeschichte über das komplizierte Zusammenleben mit einer schrulligen Tante und eine „Fundgrube, um mehr über Thyselius’ Lebenseinstellungen zu erfahren“, merkt Schernich an.Im Alter von 79 Jahren starb Thyselius 1991 in ihrer Heimatstadt Brake. Nun, 30 Jahre später, hoffen Müller und ihre Mitstreiter, dass Thyselius im Bewusstsein der Braker wieder auferstehen wird.

Florian Fabozzi
Florian Fabozzi Digitalteam Wesermarsch