Jaderberg/Popkenhöge/Neustadt - Die Theatergruppe des Boßelvereins Kreuzmoor muss schweren Herzens die angedachten Auftritte für diesen Winter absagen. Wie in all den Jahren wäre der Vorhang für die Premiere Ende Januar aufgegangen. In der Corona-Pandemie lief ja bereits im Januar/Februar 2021 nichts. Zum Spätsommer 2021 gab es wegen der Fallzahlen eine kurzfristige Hoffnung. Die Laienschauspieler machten sich Gedanken, was für ein Stück aufgeführt werden kann.
Turbulente Szenen
Man begann mit den Lesungen. Doch spätestens zum Spätherbst kam die Gewissheit, dass es erneut nichts wird. Regisseur Stephan Meyer: „Die Proben und weiteren Vorbereitungen haben wir fallen gelassen. Wie soll man bei solch einer Veranstaltung, wo das Publikum dazugehört, die Hygiene- und Abstandsregelungen einhalten? Dazu kommen die turbulenten Szenen bei dem Kontakt der Laienschauspieler untereinander, die für die Würze mit dem Szenenapplaus sorgen. Das geht alles nicht. Die Gesundheit aller steht im Vordergrund,“ auch im Hinblick, dass diese plattdeutschen Stücke bei der älteren Bevölkerung ein Renner sind. Die extra angesetzten Altennachmittage mit Kaffee/Tee und Kuchen waren immer schnell ausgebucht. In der Weihnachtszeit gab es noch Überlegungen für die Verschiebung im Frühjahr. Doch die ansteigenden Fallzahlen sorgten schnell für die Ernüchterung, jetzt also die 2. Absage.
Kult-Kneipe
Der 3. Ausfall der Theatergruppe wegen eines anderen Grundes ist noch gar nicht so lange her. Das war im Jahr 2017 nach der Schließung der legendären Gaststätte „Jabben“ in Südbollenhagen im Herbst 2016. Bis dahin war man dort im Saal eine feste Größe. Dort stand Anfang 2016 als letzte Aufführung „Koorngeister“ an. Dann startete notgedrungen die Suche nach einer neuen Spielstätte. Die fand man mit „Brunkens Fetenhalle“ in Jaderberg. Hier standen bisher drei Theatersaisons an. Zuletzt hieß es im Jahr 2020 mit „Allns bloß Theater“. Zuvor hieß es „Eenmaal Bali un trüch“ und beim ersten Auftritt in Jaderberg, „De Geister de ik reep.“ Die Kreuzmoorer Gruppe hat sich in all den Jahren bei „Jabben“ einen guten Ruf erarbeitet.
Auswärtsspiele
Bevor der Vorhang zur Premiere aufging, waren etliche Vorstellungen schon ausverkauft, so dass Zusatzvorstellungen nötig wurden. Das Publikum reichte dabei von jung bis alt. Einige Laienschauspieler bringen sich bei den plattdeutschen Aufführungen schon einige Jahrzehnte mit ein. Aus Erzählungen ist zu hören, dass die erste Aufführung der Theatergruppe im Jahre 1948 im Saal vom „Kreuzmoorer Krug“ anstand. Dann gegen Ende der 50er Jahre wechselte man nach Südbollenhagen über. In dieser Zeit gab es nicht nur die Aufführungen bei „Jabben“. Die Gruppe war gefragt. Es ging am Neujahrstag immer nach Mentzhausen, im Saal „Stratmann“ sowie in der Saison in die Orte Popkenhöge, Großenmeer, Neusüdende und Neudorf. Improvisieren war so beim Bühnenaufbau gefragt. Da gab es auch noch die kalten Winter. Angenehme Temperaturen bei den Aufführungen kannte man nicht. Ohne einen wärmenden Schluck ging es nicht. Jetzt ist erneut Zuversicht beim Ausblick angesagt. Regisseur Stephan Meyer: „Im Jahre 2023 wird es ja hoffentlich weitergehen.“ In all den Jahren sorgt die Theatergruppe auch immer für eine lukrative Einnahme für die Vereinskasse.
