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Landvolkverband kritisiert Vorgehen Peta stellt Anzeige nach Stallbrand in Berne

Berne - Die furchtbaren Erlebnisse aus dieser Nacht werden sie wohl nie vergessen können: Bei einem Stallbrand in Berne hat Anfang April eine Familie einen großen Teil ihrer Schafherde und einige Pferde verloren.

Nun hat die Tierrechtsorganisation Peta Strafanzeige gegen den Landwirt bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg gestellt. „Aufgrund mutmaßlich unzureichender Brandschutzmaßnahmen wurde möglicherweise billigend in Kauf genommen, dass die Schafe und Pferde qualvoll ersticken oder bei vollem Bewusstsein verbrennen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Organisation. Außerdem müsse noch ermittelt werden, ob es durch eine kritische Lage der Löschwasserversorgung zu Zeitverzögerungen kam, die die Rettung der Tiere verhindert hätten.

„Wir sind erschüttert“

„Wir sind erschüttert über diesen Schritt“, sagt Manfred Ostendorf, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbands Wesermarsch. Mit der Strafanzeige würde eine Grenze überschritten. „Es handelt sich bei dem Betrieb um einen soliden Familienbetrieb“, berichtet er. Tiere und Menschen würden gemeinsam auf dem Hof leben. An den verstorbenen Schafen und Pferden hätte die Familie sehr gehangen. Die Feuerwehr sei schnell vor Ort gewesen, es sei alles getan worden, um möglichst viele Tiere zu retten.

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„Peta handelt nach Standard und von oben herab“, findet Ostendorf. Die Organisation stelle deutschlandweit nach jedem Stallbrand pauschal eine Strafanzeige. Was genau passiert sei, werde nicht erkundet. „Das verurteilen wir aufs Schärfste“, so der Geschäftsführer weiter. „Mit dieser Methode werden auch Menschen erfasst, die sich nichts vorzuwerfen haben.“


Auf Nachfrage unserer Zeitung, ob man sich mit den Verhältnissen vor Ort beschäftigt habe, verneint Peta.

Peta nicht vor Ort

„Wir vermuten, dass Brandschutzmängel vorlagen. Bei vier bis sechs Bränden in Tierhaltungsanlagen pro Tag müssen wir nicht mehr über ausreichenden Brandschutz reden. 5000 Brände pro Jahr, davon ein Großteil in Tierhaltungsanlagen“, erklärt Dr. sc. agr. Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung von Peta in Stuttgart.

Grundsätzlich heißt es in einer Pressemitteilung zur aktuellen Strafanzeige in Berne: „Jeder Tod eines Tieres, welches bei einem Stallbrand stirbt, wurde nach Auffassung von Peta aufgrund der mangelnden Brandschutzvorgaben billigend in Kauf genommen. Landwirte züchten, wie im Fall der Schafe, diese unschuldigen Lebewesen schließlich überhaupt erst in eine leidverursachende Umgebung hinein. Doch um die Tiere vor dem Verbrennen zu schützen und auch den Schaden für die Landwirte möglichst gering zu halten, ist auch die Politik gefragt, gesetzliche Regelungen zu verschärfen“, so Haferbeck. „Verbraucher können ebenfalls etwas gegen solch schreckliche Vorfälle tun. Denn würden alle Menschen vegan leben, wäre das nicht passiert.“

Manfred Ostendorf ist entsetzt über diese Pauschalisierung. „Die betroffene Familie ist schon genug gestraft. Nun muss sie sich noch mit dieser Strafanzeige auseinander setzen“, sagt er.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat das Verfahren gegen den Landwirt mangels Anfangsverdacht mittlerweile eingestellt, teilte ein Pressesprecher mit.

Friederike Liebscher
Friederike Liebscher Redaktion Oldenburg
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