Berne - Wer kreativ sein will, muss mit offenen Augen durchs Leben gehen. Wie die Turnerinnen und Turner der Showturngruppe des Stedinger Turnvereins Berne. Und ihnen ist da etwas aufgefallen: „Müll ist da und wird immer mehr“, sagt Hannes Ibbeken. Zack. Das Konzept der neuen Choreographie stand. Und es kommt an. Als „Müllmänner“ vertreten sie den Deutschen Turner-Bund im kommenden Jahr bei der „World Gym for Life Challenge“ in Lissabon.
Die Choreographie ist neu, der Ansatz der Berner hingegen unverändert. „Wir legen extrem hohen Wert darauf, dass wir eine Show turnen“, sagt Hannes Ibbeken. „Das heißt, auf turnerische Weise den Zuschauern eine Show zu bieten, die sie mitreißt.“
Tobende Halle
Und das werde auch in Lissabon im Mittelpunkt stehen. „Unser größtes Ziel ist es, das Publikum, das aus der gesamten Welt zusammenkommt, zu unterhalten und die Halle zum Toben zu bringen“, sagt Hannes Ibbeken. „Wenn wir das geschafft haben, dann kommt eine Honorierung durch eine Jury automatisch.“
Laut Ibbeken dauerte es anderthalb Jahre von der ersten Idee bis zum ersten vorzeigbaren Qualifikationsvideo. Abgabetermin war der 1. Oktober dieses Jahres. „Wir hatten ein erhebliches Zeitproblem, da sich nur wenige Trainingstermine finden konnten“, erzählt Hannes Ibbeken.
Bei einer Choreographie dieser Größe sei es notwendig, sich einige Wochenenden mit Gerät und Requisiten in der Halle einzuschließen und sich intensiv Gedanken zumachen. Die Corona-Krise erschwerte das. „Wir hatten den Dreh fast raus, da wurde von heute auf morgen die Halle geschlossen. Wir konnten nicht weitertrainieren.“
Mühseliges Training
Im Juni habe die Gruppe unter Auflagen den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen. „Das war – zugegeben – ziemlich mühselig. Jetzt mussten wir die Zähne zusammenbeißen und liefern“, sagt Hannes Ibbeken. Im September verbrachte die Berner Showturngruppe jedes Wochenende in der Halle. Und sie lieferte. Hannes Ibbeken staunt selbst ein wenig, dass es die Gruppe tatsächlich noch geschafft hat.
Alle vier Jahre, im zweijährigen Abstand zu den Welt-Gymnaestradas, lädt der Weltturnverband F.I.G. (Fédération Internationale de Gymnastique) seine Mitgliedsverbände zum internationalen Show-Contest ein: der „World Gym for Life Challenge“. Premiere dieser Veranstaltung war im Jahr 2009, wo die „World Gym for Life Challenge“ zum ersten Mal im österreichischen Dornbirn stattfand.
Zu ihrer zweiten Auflage gastierte die Veranstaltung im Jahr 2013 in Kapstadt/ Südafrika, und zuletzt fand der Show-Contest vor drei Jahren in Vestfold/Norwegen statt. In Norwegen war der Deutsche Turner-Bund mit 15 DTB-Showgruppen aus dem nationalen Wettbewerb „Rendezvous der Besten“ vertreten und war mit vier Goldmedaillen die erfolgreichste Nation. Zu den vier Goldmedaillengewinnern aus Deutschland zählte auch die Showturngruppe des Stedinger Turnvereins Berne.
Die nächste „World Gym for Life Challenge“ findet vom 13. bis 17. Juli 2021 in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon statt.
Der eigentliche Videodreh sei unkompliziert gewesen. „Stativ, Handy, fertig“, sagt Hannes Ibbeken. „Wir hatten einen ersten, recht ordentlichen Durchgang im Kasten und wollten es dann aber noch besser machen.“
Das habe nicht gleich auf Anhieb geklappt. „Nach ein paar Anläufen konnten wir dann noch eine Version aufnehmen, mit der wir definitiv zufrieden waren.“
Große Herausforderung
Der Videodreh sei eine große Herausforderung gewesen, weil eine Show nun mal vom Publikum lebte. „Vor einer Kamera im leeren Raum zu performen, ist da eine ganz andere Erfahrung“, sagt Hannes Ibbeken. Umso größer sei die Freude gewesen, als die Zusage für Lissabon per E-Mail ins virtuelle Postfach flatterte. „Insgesamt habe ich mit unserer Idee und unseren Bildern ein super Gefühl, dass sich das zu einer unterhaltsamen Show entwickelt.“
Aber eine Choreographie ist kein statisches Kunstwerk. Sie entwickelt sich. „Durch die Kürze der Zeit und die mangelnde Erprobung der Choreographie sind diverse Kleinigkeiten noch nicht fertig“, sagt Hannes Ibbeken. „Das sehen die Juroren sofort. Ein bisschen Bammel hat man immer, dass es nicht gereicht haben könnte, aber mit positiven Gedanken haben wir schon immer unsere Ziele erreicht.
