Berne - „Hoffentlich ist das nur eine Übung“, sagt ein Paar als es die Rettungskräfte der DLRG Stedinger Land an der Ollen sieht. Die Lebensretter geben gerne Entwarnung. Sie haben tatsächlich die Eisrettung an der Fußgängerbrücke im Ortskern trainiert und die Aktion gleichzeitig genutzt, um diversen Müll wie Leergut und verschimmelte Kuchenreste von dem zugefrorenen Flüsschen zu entfernen.
Zum Nachahmen ist diese Aktion für alle anderen Menschen allerdings keineswegs geeignet, denn tragfähig ist die so verlockend in der Sonne glitzernde Eisdecke auch nach frostigen Nächten mit Temperaturen um minus zehn Grad Celsius absolut nicht. Das wurde am Samstagmorgen eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Eiskaltes Wasser
„Endlich mal wieder schwimmen“, scherzt Joop Weegen, der zusammen mit Tobias Dobroschke die Eisdecke betritt. Gut gesichert an Seilen und mit Rettungsboje und Spineboard als Hilfsmittel geht es los. Und das ist absolut nichts für Warmduscher, denn es sind Nassanzüge, in denen die beiden Rettungsschwimmer stecken. Das heißt: Es muss erst einmal eiskaltes Wasser eindringen, damit sich dann, erwärmt durch die Körpertemperatur, eine isolierende Schicht bildet. Viel Überwindung koste sie das Eintauchen nicht. Im Ernstfall muss das schließlich auch funktionieren, erklären die jungen Männer.
Schritt für Schritt tasten sie sich voran. Lange warten müssen sie nicht, bis das Eis unter ihren Füßen zu knirschen beginnt. Wenige Augenblicke zuvor ist genau dort noch ein Schlittschuhläufer entlang geflitzt. Ein kleiner Hopser reicht und schon ist es passiert: Mitten in der Ollen strampelt Joop Weegen im Wasser. Er ist eingebrochen. Sein kleiner Sohn beobachtet das Ganze zusammen mit seiner Mama vom sicheren Ufer aus genau.
Gewicht verteilen
Auf dem Bauch liegend, wegen der besseren Gewichtsverteilung auf der Fläche, robbt sich Tobias Dobroschke an das „Opfer“ im Wasser heran und zieht es zurück aufs tragende Eis. Auf dem Spineboard wird der Verunglückte von den sichernden Rettungskräften an Land gezogen. Anschließend werden die Retter-/Opferrollen getauscht.
Patrick Niehaus, technischer Leiter der DLRG-Gruppe, der von der Brücke aus zusieht, ist zufrieden. Seit 17 Jahren lebt er in Berne. Einen echten Eiseinsatz habe er in dieser Zeit noch nicht miterleben müssen, ist er froh. Und deshalb appelliert er an die Bevölkerung, das Eis keinesfalls zu betreten – auch wenn dort schon Spuren von anderen Menschen zu sehen sein sollten.
Gefahr unter Brücken
Die Eisfläche sei nicht freigegeben und aktuell höchstens sieben Zentimeter dick. „Ganz besonders gefährlich ist es unter Brücken“, mahnt er und fügt hinzu, dass auch beispielsweise die überspülten Wiesen in Bornhorst keine sichere Alternative zum Schlittschuhlaufen darstellen. „Überall sind dort tiefe Gräben, die unter dem Eis nicht zu erkennen sind. Außerdem hat die Schneeschicht eine isolierende Wirkung.“
Und das mit dem zu dünnen Eis unter Brücken hat auch der waghalsige Eisläufer auf der Ollen am Samstag erkannt, der vor der Brücke umgekehrt ist und doch besser vom Eis geht.
