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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

21-Jährige Stadlanderin Hilft: Als Krankenschwester in Westafrika

20.12.2018

Ich stehe bei 28 Grad in einem „Kreißsaal”, der bis auf den Schein meines Handys völlig dunkel ist, und fächere der werdenden Mutter Luft zu. Viel mehr kann ich nicht machen, aber Fatou, die diensthabende Hebamme, ermuntert mich, den Muttermund abzutasten oder die Vitalzeichen zu kontrollieren, obwohl ich noch nie bei einer Geburt dabei war. Als tief in der Nacht ein gesundes Mädchen in den Armen der Mutter liegt, grinst Fatou mich an und sagt: „Gambia, no problem“.

Mit nur einem Euro

kann in der Buschklinik Jahaly die Malaria behandelt werden. Wer etwas spenden möchte, findet die Kontonummer im Internet unter www.buschklinik.de. Dort gibt es auch Informationen über Praktika.

Gambia

ist ein kleines Land in Westafrika. Es erstreckt sich an beiden Ufern des Flusses Gambia, sieht aus wie ein kleiner Finger und ist nahezu komplett vom Senegal umschlossen. Der Atlantik bildet die Westgrenze.

Dieser Satz ist in den drei Monaten, in denen ich, Rieke Wiese, 21 Jahre alt, ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin, in der Buschklinik hospitieren darf, mein täglicher Begleiter geworden. Oft genug waren Situationen tatsächlich „kein Problem in Gambia“, nur halt gänzlich anders, als alles, was ich aus Deutschland kenne. Die Buschklinik liegt im Dorf Jahaly in Gambia, fast 300 Kilometer von der Hauptstadt Banjul entfernt, ganz im Westen Afrikas.

Hier, fernab der Strände und Touristengebiete, betreibt der Verein Projekthilfe Gambia mit Sitz in Hattingen seit 28 Jahren die Buschklinik, das Jahaly Health Centre, wie es offiziell heißt. Ein Vorstandsmitglied des Vereins, Dieter Lieken, lebt in der Wesermarsch. Über ihn habe ich das Projekt kennengelernt und beschlossen, drei Monate lang einen Einblick bekommen zu wollen.

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Klinik ohne Ärzte

Meine erste Erkenntnis ist, dass ich als Krankenpflegerin zwar durchaus angesehen bin, fachlich aber wenig ausrichten kann. In Gambia ist das Pflegen und Versorgen der Kranken Sache der Angehörigen. In den Gesundheitsstationen, wie die Buschklinik eine ist, gibt es keine Ärzte. Das Pflegepersonal stellt die Diagnosen. Natürlich kann ich Blutdruck messen, Infusionen legen und kenne viele Medikamente. Doch in meiner Ausbildung in Deutschland musste ich nie Krankheiten wie Tuberkulose oder Malaria diagnostizieren oder gar behandeln. So schaue ich am Anfang viel zu, frage, lerne.

„Gambia, no problem” ist übrigens auch die Antwort, als ich am ersten Tag pünktlich ein paar Minuten vor Dienstbeginn vor der verschlossenen Klinik stehe. Ich verstehe: Die berühmte deutsche Pünktlichkeit gibt es, weil es bei uns öffentliche Verkehrsmittel gibt, die – meistens – nach Plan fahren.

In Gambia kommen viele Arbeitnehmer mit Kleinbussen zur Arbeit, die man unterwegs per Handzeichen anhält. Die fahren nicht immer verlässlich, und weil jeder das so macht, nimmt keiner die Uhrzeit so richtig genau. Ein paar Mal bin ich übrigens auch mit so einem Kleinbus gefahren. Das sind oft Autos, die in Europa ausgemustert wurden und sicher keinen TÜV bekommen würden. „Gambia, no problem”, erklärte mir auch der erste Busfahrer überzeugt und zeigte stolz, dass die Schiebetür nicht nur am Scharnier, sondern zusätzlich auch an einem Seil hing und so ja praktisch gar nichts passieren konnte während der wilden Fahrt durch Schlaglöcher und Schafsherden.

Gemauerte Betten

Gemeinsam mit einigen anderen Freiwilligen aus Deutschland wohne ich auf dem Gelände der Buschklinik. Es gibt hier auch eine Vorschule und eine Zahnklinik. Das klingt sehr modern, das ganze Konzept der Klinik ist aber, möglichst simpel und wartungsarm zu sein. Die meisten Betten sind gemauert und gefliest, so kann der Krankensaal einfach sauber gehalten werden. Mit einer Solaranlage wird Strom erzeugt und aus einem tiefen Brunnen Trinkwasser gefördert. Das ist längst keine Selbstverständlichkeit, denn im Landesinneren Gambias gibt es kein flächendeckendes Stromnetz.

Die Zahnklinik besteht aus zwei Behandlungsstühlen, die etwas aus der Zeit gefallen wirken und jede Menge Werkzeug. Eine Wurzelkanalbehandlung kann hier niemand durchführen, aber das Personal ist geschult im Zähneziehen und kann einfache Füllungen anfertigen. Wer schon einmal richtig Zahnschmerzen hatte, kann sich vorstellen, wie wichtig das ist. Im Umkreis von mindestens 100 Kilometern gibt es keinen Zahnarzt.

Die Menschen in Gambia sind sehr offen und freundlich. Viele haben großes Interesse an Deutschland, aber auch eigene Vorstellungen, wie Europa wohl ist. Mir wird klar, dass ich schon in der Ausbildung mehr Gehalt bekommen habe, als eine leitende Krankenschwester in Gambia jemals verdienen wird. Dass bei uns die Lebenshaltungskosten auch viel höher sind, muss ich erst erklären. Die Patienten bezahlen in der Buschklinik umgerechnet maximal 50 Cent für eine Behandlung, eventuell kommen noch Kosten für Labor-Untersuchungen dazu.

Unter dem Lichtmikroskop erkennen die Kollegen überraschend viel – und es funktioniert auch dann, wenn doch mal der Strom ausfällt. Knapp ein Euro erscheint ungeheuer wenig für eine komplette Behandlung, für die Menschen hier ist es jedoch viel Geld. Gambia – no problem.

Die Fortsetzung dieses Berichts veröffentlicht die NWZ nach Weihnachten.

Rieke Wiese in der Buschklinik Jahaly in Gambia, Herbst 2018

„Ich werde bestimmt wiederkommen“ - Warum Rieke Wiese so gern nach Gambia fährt

Von Henning Bielefeld

Rieke Wiese wohnt in Mittenfelde, einer Ansiedlung bei Rodenkirchen. Aber Gambia ist ihr schon seit vielen Jahren ganz nah.

Das liegt einerseits an ihrem Vater Dieter Wiese. Der hat einmal einen der legendären Konvois der Projekthilfe Gambia von Rodenkirchen durch die Sahara bis nach Jahaly begleitet und einen Trecker mit Anhänger und Egge nach Westafrika gebracht. Dort wird viel Landwirtschaft betrieben.

Andererseits liegt die Nähe zu Gambia an Rieke Wieses Nachbarn. Das ist nämlich Dieter Lieken. Er ist zusammen mit seinem Bruder Ingo der wichtigste Repräsentant der Regionalgruppe Wesermarsch der Projekthilfe mit Sitz in Hattingen bei Düsseldorf.

Rieke Wiese ließ sich schnell vom Gambia-Virus infizieren. Als Dieter Lieken im Januar und Februar 2017 eine Gruppenreise nach Jahaly anbot, war sie mit dabei. „Es hat mir imponiert, was man in Gambia machen kann“, resümierte Rieke Wiese. Und sie beschloss: „Ich komme wieder.“

Sie musste auch nicht lange überlegen, wann dieser Einsatz sein sollte, nämlich gleich nach dem Ende ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin am 31. August. Drei Monate Gambia sollten es schon sein. Und weil die junge Frau gern weiß, wie es weitergeht, sicherte sie sich vor dem Abflug ihren neuen Job: Ab 1. Januar arbeitet sie auf der Intensivstation des St.-Bernhard-Hospitals in Brake.

Am 12. September flog die 21-Jährige nach Gambia, am 11. Dezember kehrte sie zurück. Den Flug hat sie selbst bezahlt, für ihre Arbeit in der Buschklinik bekam sie kein Geld, aber sie hatte Kost und Logis frei.

Logis, das war ein Gästehaus auf dem Klinikgelände, das westlichen Standards entspricht. Hier lebte sie mit vier weiteren Praktikanten.

Eine besonders schöne Zeit war für Rieke Wiese der November, denn in diesem Monat kam Besuch aus der Heimat – Dieter Lieken, ihr Vater, der Vorsitzende der Projekthilfe, Matthias Ketteler, vor allem aber ihr Freund Daniel Meier. Gemeinsam reisten sie durch Gambia und auch durch den Nachbarstaat Senegal, der das kleine Land komplett umschließt. Im Senegal liefen sie mit zahmen jungen Löwen durch die Savanne – ein Erlebnis, das Rieke Wiese nie vergessen wird.

Und ein weiteres Mal beschloss sie: „Ich werde bestimmt wiederkommen.“

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