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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Alles andere als eine gute alte Schulzeit

17.02.2011

NORDENHAM Erst ab etwa 1860, mit dem Beginn pädagogisch fundierter Ausbildung von Lehrkräften in evangelischen Lehrerseminaren und dem Bau neuer Volksschulen, haben sich die Schulverhältnisse im Oldenburger Land verbessert. Das hat Heddo Peters, ehemaliger Lehrer und heute Mitarbeiter im Archiv des Rüstringer Heimatbundes, Dienstagabend im Museum Nordenham vor etwa 60 Zuhörern deutlich gemacht.

Die Verhältnisse bis Mitte des 19. Jahrhunderts fasste er so zusammen: „Schule halten und am Schulunterricht teilnehmen war in alten Zeiten für alle kein Honigschlecken – für die Lehrer nicht, die in den Dorfschulen meistens unter erbärmlichen Verhältnissen ihrer Arbeit nachgehen mussten und für die Kinder erst recht nicht, denn das Schülerdasein war damals hart und schmerzhaft, eintönig und oft ohne den gewünschten Lernerfolg.“

Latein- und Schreibschulen

Die Ursprünge des norddeutschen Volksschulwesens sind laut Heddo Peters nicht in den Lateinschulen des Mittelalters zu finden, sondern in den ab etwa 1300 in Städten entstehenden niederdeutschen Schreibschulen – ausgelöst von der Hanse. Auf dem Lande gab es solche Vorläufer der Volksschulen aber nicht. Somit sind die eigentlichen Wurzeln erst nach der Reformation zu finden, als Fürsten sich um die Umsetzung des von Martin Luther geforderten Bildungsauftrages kümmerten.

In der Grafschaft Oldenburg gab Graf Johann VII (1540-1603) die Kirchenordnung von 1573 vor. Sie verlangte sogenannte niedere Schulen. Die Pastoren übertrugen die Unterrichtsaufgaben an ihre Küster.

Vor 1573 gab es im Bereich der heutigen Stadt Nordenham und der Gemeinde Butjadingen nur zwei Schulen: in Stollhamm und in Tossens. Nach 1573 kamen weitere in den Kirchdörfern hinzu: in Eckwarden, Langwarden, Burhave, Alt-Waddens, Blexen, Atens, Abbehausen und Esenshamm. Sie wurden Hauptschulen genannt.

In abseits gelegenen Siedlungen gründeten Eltern sogenannte Klippschulen (Klipp steht im Plattdeutschen für etwas Kleines). Hier unterrichteten Gelegenheitslehrer. Auf Druck der Kirche wurden die Klippschulen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Nebenschulen umgewandelt.

Im Zuge der Verbesserungen ab etwa 1860 entstanden dann sogenannte Volksschulen. In der heutigen Gemeinde Butjadingen gab es im Jahre 1900 insgesamt 14 Volksschulen, in Nordenham 11.

14 Schulstandorte gab es auch noch 1949 in Butjadingen – mit insgesamt 1665 Schülern in 26 Klassen, also durchschnittlich 64 Schülern in einer Klasse.

Zeit der Schließungen

In den 1960er Jahren war die Zeit der Schulschließungen – Eltern waren dafür. 1965 gab es noch zehn Schulen mit insgesamt 784 Schülern in 26 Klassen (Klassendurchschnitt: 30 Schüler). 2010 zählten die verbliebenen beiden Grundschulen in Burhave und Stollhamm und die Hauptschule Tossens 360 Schüler in 16 Klassen (Klassendurchschnitt: 21 ).

In Nordenham gab es 1949 16 Volksschulen (erst ab 1950 auch eine in Atens) mit insgesamt 5368 Schülern in 110 Klassen (Klassendurchschnitt: 49). 1965 gab es (die Schulen in Moorsee und Tettens waren geschlossen worden) insgesamt 3379 Schüler in 103 Klassen (Durchschnitt: 33). Einswarden-Ost wurde 1966, Esenshammergroden 1966, Schweewarden 1968 und die katholische Schule in Einswarden 1970 geschlossen.

2010 zählten die verbliebenen elf Nordenhamer Standorte 1427 Schüler in 75 Klassen mit durchschnittlich 19 Kindern pro Klasse.

Heddo Peters sagte zum Abschluss seine kurzweiligen Vortrages: „Wir alle können nur hoffen, dass es in Zukunft irgendwie gelingen möge, die noch vorhandenen Schulen in Butjadingen und Nordenham möglichst lange zu erhalten.“

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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