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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Als Chirurg unsterblich geworden

15.09.2012

Butjadingen In seiner Heimat erinnert man sich kaum noch an ihn und dennoch hat er in der medizinischen Fachwelt deutliche Spuren hinterlassen: Der Mediziner Rudolf (Theis) Eden, geboren 1883 in Syuggewarden bei Burhave. Als Chirurg machte er sich einen großen Namen und gilt noch heute in der medizinischen Fachwelt als Autorität. So konnte er zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Arbeit werden, die jüngst der Universität in Jena als Dissertation vorgelegt wurde.

Eingereicht wurde sie von Ismail Rufati, einem Facharzt für Chirurgie der orthopädischen Klinik am Heinrich-Braun-Klinikum in Zwickau. Der 1972 in Köln geborene Mediziner war vor einigen Jahren auf Eden gestoßen, weil es eine nach ihm benannte Operationstechnik an der Schulter (Eden-Hybinette-Plastik) gibt, die noch heute Beachtung findet.

Bei seinen ersten Nachforschungen, wer denn dieser Rudolf Eden sei, habe es so gut wie keine Hinweise in der Literatur gegeben, so Ismail Rufati. Das wiederum weckte das Interesse des angehenden Doktoranden. Nach intensiver Recherche in zahlreichen Archiven, darunter auch in dem des Rüstringer Heimatbundes in Nordenham, entstand in dreijähriger intensiver Arbeit die nun der Öffentlichkeit präsentierte Schrift.

Begüterte Familie

Auf 166 Seiten geht der Autor dabei zunächst auf die Biografie Edens ein, um dann die Beweggründe zu erforschen, die ihn veranlassten, Arzt zu werden. Rudolf Eden entstammte einer im 19. Jahrhundert in Butjadingen sehr bekannten und begüterten Familie. Der Großvater war Besitzer zweier großer Hofstellen im Kirchspiel Burhave und gehörte zeitweise auch dem Gemeinderat an. Der Vater wiederum erwarb durch Kauf zwei benachbarte Höfe in Syuggewarden, die er vereinigte und bewirtschaftete. Später verzog er mit seiner Familie in die Residenzstadt Oldenburg.

In Syuggewarden wurde Rudolf am 22. August 1883 als erstes von drei Kindern der Familie Eden geboren. Ein besonders gutes Verhältnis soll er zu seiner jüngeren Schwester Grete gehabt haben, die später den Berliner Schauspieler Georg Anders heiratete. Eden besuchte zunächst die Privatschule in Burhave, ab 1896 die städtische Oberrealschule in Oldenburg, wo er 1903 das Abitur ablegte.

Bereits während der Schulzeit hatte Eden sich für den Arztberuf entschieden. Er studierte in Marburg, München, Göttingen, Berlin und schließlich wieder Marburg, wo er 1908 das Examen ablegte, und zwar mit dem Prädikat „sehr gut“. Danach verfasste er ebenfalls in Marburg seine Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde.

Nach einer kurzen Assistenzzeit in Berlin kam er 1910 in die chirurgische Universitätsklinik Jena, wo 1913 habilitiert wurde. Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges heiratete Rudolf Eden. Seine Frau,Daniela Schott entstammte der Jenaer Chemikerfamilie Schott, die für ihre Spezialgläser bekannt war. Auf der Heimreise aus den Flitterwochen erreichte das Paar die Nachricht über den Kriegsausbruch.

Hohe Auszeichnungen

Wegen seiner außergewöhnlichen chirurgischen Fähigkeiten und seines aufopferungsvollen Einsatzes als Chirurg an der Westfront in Flandern wurde er mit dem Eisernen Kreuz II und dem Friedrich-August-Kreuz ausge- ­zeichnet. Bereits im Sommer 1916 rief man ihn zurück nach Jena an die Universitätsklinik. Ein besonderer Schwerpunkt seiner chirurgischen Arbeit war nun die Behandlung von Patienten mit Gesichts- und Kieferschussverletzungen.

Auf der Suche nach neuen effektiven Behandlungsmethoden wagte Rudolf Eden am 25. April 1917 erstmals in Jena die nach ihm benannte Operation bei Schulterausrenkungen. 1918 wurde er dort zum Professor für Chirurgie ernannt. Im nächsten Jahr ging er als Oberarzt mit Lehrauftrag an die Universität Freiburg im Breisgau.

Große Persönlichkeit

Zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen zeugen sowohl vom hohen wissenschaftlichen Standard seiner medizinischen Kenntnisse als auch von der Anerkennung und Wertschätzung seiner Persönlichkeit in der medizinischen Fachwelt.

1924 wurde Rudolf Eden Leitender Oberarzt und er erhielt den Ruf an die Universität Innsbruck. Noch bevor er ihm folgen konnte, verstarb er plötzlich im Februar 1925 an den Folgen eines schweren Sturzes mit dem Fahrrad. Sein früher Tod hinterließ nicht nur eine große Lücke in der Familie, sondern bedeutete auch einen schweren Verlust für die „... gesamte deutsche Chirurgie, die in ihm einen ihrer besten Jünger hatte ...,“ wie sein Chef, Professor Erich Lexer, ausführte.

Seine Frau kehrte darauf mit den fünf Kindern nach Jena zurück. Heute ist von den Kindern einzig noch die Tochter Helga am Leben. Fast 100-jährig lebt sie in Hamburg.