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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Auf dem Rio Negro durch den Regenwald

03.06.2017

Rio De Janeiro /Brake Das Regenwaldgebiet am Amazonas ist der größte Tropenwald der Erde und erstreckt sich über neun Staaten Südamerikas. Den größten Anteil hat Brasilien und genau da ging es jetzt für mich und 66 andere Austauschschüler für zehn Tage hin.

Nach einem vierstündigem Flug von Rio nach Manaus, die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, ging es für uns alle für die ersten zwei Nächte in ein Hotel und anschließend auf die Boote. Es gab drei große Boote mit denen wir den Rio Negro ungefähr 100 Kilometer hinaufgefahren sind. Auf den Booten haben wir auch geschlafen, natürlich in Hängematten.

In den zehn Tagen haben wir viel erlebt, gesehen und auch gelernt. Zum Beispiel konnten wir manchen Tieren, denen man sonst eher nicht begegnet, ganz nah sein. Wir haben Krokodile und eine Anaconda gesehen, waren Piranhas fischen und glücklicherweise haben wir auch ein Faultier gefunden, welches sogar schwanger war, mein persönliches Highlight! Im Amazonas gibt es auch rosafarbene Delfine, die wir auf einer Delfinstation füttern konnten.

Was besonders interessant war, war der Kontakt mit den Einheimischen. Dadurch haben wir viel über die Bräuche und die traditionellen Lebensweisen in und von der Natur gelernt. Allerdings variieren diese von Stamm zu Stamm. Einer unserer Guides ist in einem Stamm aufgewachsen und dann später in die Stadt gezogen. Dadurch sprach er auch Portugiesisch und wir konnten ihm zum Leben im Regenwald viele Fragen stellen. Viele Völker haben nämlich ihre eigene Sprache und sprechen kein Portugiesisch. In Brasilien gibt es ungefähr 240 indigene Stämme und nirgendwo anders gibt es mehr Völker ohne Kontakt zur restlichen Welt.

Eine Nacht haben wir mitten im Regenwald verbracht und dort haben wir auch gelernt wie man zum Beispiel Medizin aus der inneren Baumrinde eines bestimmten Baumes macht und wie viel Nutzen man aus einem Baum oder einer Pflanze ziehen kann, ohne dieser dabei Schaden zuzufügen. Es ist beeindruckend, wie die Menschen das Wissen über die Natur von Generation zu Generation weitergeben und dieses Wissen auch immer noch existiert. Allerdings kann davon nur noch immer weniger Gebrauch gemacht werden, da durch die Abholzung die Tropenwälder immer mehr abnehmen. Die meisten indigenen Völker sind zum Überleben fast ausschließlich auf den Wald angewiesen. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt durch einen Mix aus Jagen, Sammeln und Fischen.

Allerdings ist die Lebensweise und das Überleben dieser Völker nicht nur durch die Abholzung, sondern auch durch die Zuwanderung von Siedlern und eingeschleppten Krankheiten bedroht, gegen die die Menschen kaum Abwehrkräfte oder Medizin besitzen.

Aber nicht nur der Lebensraum der Menschen im Amazonas ist gefährdet, sondern auch der der Tiere. Aus diesem Grund hat jeder von uns einen Baum gepflanzt und damit ein Zeichen gegen die Abholzung und für den Erhalt des Amazonas gesetzt. Auch wenn wir jetzt keinen ganzen Wald gepflanzt haben, haben wir immerhin etwas getan und ich finde, dass ist mehr als wichtig.

Ein bekannter Indigene und Schamane namens Davi Kopenawa Yanomami hat mal gesagt „Ihr habt Schulen, wir nicht. Wir wissen aber, wie man sich um den Wald kümmert.“ Und damit hat er mehr als Recht. Mit dieser unglaublichen Reise schließe ich meinen Austausch quasi ab. Ich habe nur noch anderthalb Monate hier in Brasilien und die Zeit geht viel zu schnell um. Ich versuche jetzt in meinen letzten Wochen noch so viel wie möglich zu erleben und alles noch mehr zu genießen, bevor es dann wieder zurück in die Heimat geht.