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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

„Wir brauchen nicht nur Häuptlinge“

12.05.2018

Brake „Ihr Blutdruck ist super“, sagt Rieke Wiese zu ihrer Patientin, gleichzeitig lässt sie die Luft langsam aus der Manschette des Blutdruckmessgeräts wieder ab. Die Patienten dankt es der Auszubildenden in der Gesundheits- und Krankenpflege mit einem Lächeln und netten Worten.

Als Rieke Wiese ihre Ausbildung am St.-Bernhard-Hospital in Brake begann, sei es ihr in erster Linie darum gegangen, Menschen zu helfen. Heute, so sagt sie, „möchte ich zeigen, dass es trotz harter Bedingungen und fehlender Zeit möglich ist, Menschen individuell gut zu behandeln“.

Die Rodenkircherin ist während ihrer Schicht im Krankenhaus für zwölf der 40 Stationsbetten zuständig. Durch den Personalmangel in der Pflegebranche steht sie immer unter Zeitdruck. Denn die 21-Jährige muss alles, was sie am Patienten durchführt, dokumentieren. „Pauschal kann ich aber nicht sagen, wie viel Zeit ich im Schnitt für einen Patienten brauche.“

Auch Dirk Schrage (34) von der Pflegedienstleitung des Braker Krankenhauses sagt, dass es schwieriger geworden ist, Personal zu finden – besonders auf der Intensivstation und in den Funktionsbereichen. Im St.-Bernhard-Hospital sei die Situation jedoch nicht so angespannt: „Zum Jahresende sind alle Stellen besetzt.“

Martin Taubenheim sieht ebenfalls ein großes Manko in den fehlenden Fachkräften. „Die Politik hat den Fehler gemacht, Zeitarbeit in der Pflege möglich zu machen“, sagt der Einrichtungsleiter des Seniorenzentrums Brake. Die Gehälter bei den Zeitarbeitsfirmen könne er nicht refinanzieren. „Dabei benötigen wir dringend neue Arbeitskräfte – keine neuen Stellen“, fordert der Chef des Altenheims. Eine Ideallösung hat er jedoch nicht parat.

Auch dass sich viele Fachkräfte aus der Pflege herausziehen, um auf der Karriereleiter aufzusteigen, sieht Taubenheim skeptisch: „Wir brauchen nicht nur Häuptlinge, sondern Indianer.“

Obwohl man als Krankenpflegerin einen körperlich sehr harten Job zu erledigen hat, macht Rieke Wiese die Arbeit viel Spaß. Bis Schichtende läuft sie schätzungsweise sechs bis sieben Kilometer durch das Gebäude, zudem muss sie so manchen Patienten heben oder umbetten. Anstrengende Patienten gebe es nach ihrer Ansicht allerdings nicht: „Jeder Patient hat verschiedene Bedürfnisse.“

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine Frau, die auf der Allgemeinen Chirurgischen Station lag. Die Patientin war gestürzt und wollte partout nicht aufstehen und eigenständig laufen. Nur mit viel Überzeugungskraft gelang es Wiese und ihren Kollegen, den Mut der damals unsicheren Frau zurückzuholen. „Ab dem Moment ist sie jeden Tag alleine gelaufen. Sie hat sich so gefreut“, sagt die Auszubildende mit funkelnden Augen.

Es gibt allerdings auch negative Beispiele, bei denen Pflegekräfte feststellen, dass Außenstehende mit übertriebener Kritik, Unverständnis für ihr Tun oder auch sehr geringer Wertschätzung diesem Berufszweig gegenüberstehen. Deshalb rät Taubenheim zum Umdenken, dass man sich gedanklich auf die andere Seite begibt und vorstellt, selbst eine Pflegekraft zu sein.

„Krankenpflege ist keine Ferienarbeit“

Der Tag der Pflege (Nurse Day) ist ein für den 12. Mai international ausgerufener Tag zu Ehren der britischen Krankenschwester Florence Nightingale (1820 - 1910). Als Datum wurde ihr Geburtstag gewählt.

1965 wurde der Ehrentag vom Weltbund der Krankenschwestern und Krankenpfleger ICN ins Leben gerufen. Seit 1967 wird er auch in Deutschland gewürdigt.

Im Januar 1974 wurde der Tag der Pflege schließlich offiziell zu einem internationalen Aktionstag erklärt.

Florence Nightingale gilt als Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege und etablierte die Pflege als eigenständigen Beruf. Sie stellte fest: „Krankenpflege ist keine Ferienarbeit. Sie ist eine Kunst und fordert, wenn sie Kunst werden soll, eine ebenso große Hingabe (...) wie das Werk eines Malers oder Bildhauers.“

Um auf das Thema, aber auch über schlechte Rahmenbedingungen in der Pflege hinzuweisen, begehen die Fachkräfte an diesem Samstag den Internationalen Tag der Pflege. Rieke Wiese findet, dass mehr Geld den Pflegeberuf attraktiver machen würde. Außerdem fehle ihr durch das viele Dokumentieren die Eigenständigkeit.

Unter Kollegen werden weibliche Pflegerinnen übrigens nicht mehr mit „Schwester“ angesprochen: „Wenn dann machen das nur noch die Patienten. Wir sind ja heute keine ,Schwestern’ mehr.“ Die Anrede stammt noch aus der früheren Berufsbezeichnung „Krankenschwester“.

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Niklas Grönitz Volontär, 1. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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