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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Symptome sind Ausdruck seelischer Not

19.10.2017

Brake Ein üppig bestückter Kaufmannsladen steht in der Ecke und lädt zum Rollenspiel ein. Noch ein Brot und etwas Käse? Oder lieber doch nicht den Einkauf fürs Abendessen erledigen und stattdessen ein stolzer Lokomotivführer sein? Es sind Spielklassiker, die sich in den Räumen an der Kaje 7 in Brake finden. Nur stehen sie in keinem Kinderzimmer irgendwo in einer Familie, sondern in der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Am Mittwoch öffnete die Einrichtung der Wichernstift gGmbH für die Öffentlichkeit ihre Pforten, um einem fachlich interessierten Publikum die Räumlichkeiten vorzustellen und um über die Arbeit in Brake zu informieren. Zwischen neun und zehn Plätzen für Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren gibt es in der Tagesklinik, die vor fünf Jahren Eröffnung feierte. Seitdem ist sie immer gut ausgelastet, erklärt Chefarzt Dr. Rasmus Bernhardt: „Wir sind gut eingebunden in der Region.“ Die Zusammenarbeit mit Schulen, Beratungsstellen, sozialen Diensten und Jugendhilfeeinrichtungen sei gut gewachsen. Um den kleinen Patienten zu helfen, werde grundsätzlich die Familie in die Therapie mit einbezogen. „Die Familie ist ein Lösungsort. Wir müssen die Familie verstehen können, um die Symptomatik beim Kind zu verstehen“, so Dr. Bernhardt weiter.

Was in den vergangenen fünf Jahren aufgefallen ist: „Es gibt eine ansteigende Zahl von Kindern, die schon im Grundschulalter nicht mehr beschulbar sind und da Hilfe brauchen“, erklärt der Chefarzt. Häufig würden sich „schwere Trennungs- und Scheidungskontexte“ hinter dem auffälligen Verhalten der Kinder verbergen: „Die Kinder machen mit der Symptomatik auf ihre seelische Not aufmerksam.“

Auch seien die Ansprüche an Kinder und der Druck auf Familien gewachsen, weiß Oberärztin Heike Abel, die bei ihrer Arbeit mit den Kindern auch auf die pädagogische Hilflosigkeit und Überforderung der Eltern treffe – auch deshalb sei die Einbindung der Familie ins therapeutische Konzept von immenser Bedeutung für den Erfolg.

Immer von 8 bis 16 Uhr halten sich die Kinder und Jugendlichen unter der Woche in der Tagesklinik auf. Sie werden auch in den schulischen Hauptfächern unterricht. Was sie dort auch lernen sollen: ein gesunder Umgang mit Medien – denn viele der erkrankten Kinder seien den Inhalten aus Internet und Fernsehen schutzlos ausgeliefert.

Wer sich über die Klinik und therapeutsche Angebote informieren möchte, kann sich am Hauptstandort in Ganderkesee unter Telefon  04221/852267 melden.

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