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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Bücher vor Reißwolf gerettet

20.11.2019

Brake Die Titel der beiden Bücher, die Herbert Gloger behalten hat, regen nicht unbedingt zum Schmökern ein. „Herzinfarkt“ heißt das eine, „Wiederbelebung“ das andere. Bücher also, die sich so gut wie nie in den Regalen herkömmlicher Buchhandlungen finden lassen.

Herbert Gloger hat diese beiden Bücher sowie andere wissenschaftliche Werke vor dem Reißwolf gerettet. Es handelt sich dabei um medizinische Fachbücher, die der Braker noch an sich nahm, bevor sie von einem Entsorgungsunternehmen abgeholt wurden. Herbert Gloger konnte es nicht mit ansehen, dass so viel Wissen, enthalten in den rund 250 Bänden, einfach so verschwinden sollte. „Das war für mich unbegreiflich“, sagt er.

Die Bücher stammen aus dem Nachlass von Dr. Charalambos Pittokopitis, genannt Dr. Pitt, der in Großenmeer praktizierte und im Alter von 78 Jahren verstorben war. Im April 1941 auf Zypern geboren, war er nach dem Abitur im Alter von 18 Jahren zum Studieren nach München gekommen. Nach Stationen in Bremen Nord sowie am alten St.-Bernhard-Hospital an der Breiten Straße verschlug es Dr. Pitt in die Gemeinde Ovelgönne. In Großenmeer übernahm er eine Praxis.

Der Mediziner und der 71-jährige Friseurmeister aus Brake kannten sich. „Über 40 Jahre lang“, erinnert sich Herbert Gloger. „Wir haben uns beide gleichzeitig selbstständig gemacht.“ Als er erfuhr, dass nach dem Ableben des Bekannten keine Erben ausfindig gemacht werden konnten, denen ein Erbrecht am Nachlass zusteht, ein anderer Erbe als das Land Niedersachsen eben nicht vorhanden war und die Bücher letztendlich entsorgt werden sollten, nachdem Wohnung und Praxis ausgeräumt waren, fuhr er nach Großenmeer.

Herbert Gloger brachte die Bücher erst einmal zu sich nach Hause. In Boitwarden stellte er sie ins Regal und wartete ab. Die wertvollen Fachbücher hatte er nicht ihrem Schicksal überlassen. „So etwas wirft man nicht achtlos weg“, dachte er. „Vielleicht ergibt sich ja irgendwann eine Gelegenheit, dies in Büchern gebündelte Fachwissen weiterzugeben.“

Und diese Gelegenheit ergab sich tatsächlich. Herbert Gloger erfuhr, dass eine junge Frau, die soeben ihr Abitur gemacht hatte, Medizin in Oldenburg studieren wollte. Sie hatte eine schwere Zeit durchgemacht und freute sich auf ihr Studium. Der Braker nahm Kontakt mit den Eltern auf und erzählte ihnen von den Fachbüchern, die er aus einem Nachlass gerettet hatte. Eine derartige Bibliothek an gebündeltem Fachwissen wäre doch sicherlich eine gute Grundlage fürs Studium, so sein Gedanke.

Herbert Gloger hat der jungen Frau und ihren Eltern eine große Freude gemacht. Er selbst war ebenfalls erleichtert, mit diesen Büchern etwas Gutes getan zu haben. Neben den wissenschaftlichen Werken hat er auch noch Verbandsmaterial und medizinische Geräte retten können.

Diese Dinge wird er einem Hilfskonvoi mitgeben. Nicht trennen möchte er sich von zwei Büchern, die nun in seinem Bücherregal stehen – in Erinnerung an seinen zypriotischen Freund.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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