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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Wie eine Sekunde alles ändert

10.12.2019

Brake Christoph Rickels hat schon zweimal in seinem Leben laufen gelernt. Einmal als Baby und noch einmal mit 20 Jahren, als sich nach nur einer Nacht alles für ihn änderte. In einer Auricher Disco wurde er im Jahr 2007 von einem eifersüchtigen Jugendlichen verprügelt, erlitt einen Schädelbruch und eine sechsfache Hirnblutung. Vier Monate lag er im Koma. Die Ärzte hatten wenig Hoffnung, doch Christoph Rickels überlebt.

Seitdem ist es halbseitig gelähmt, hat jeden Tag mit den Folgen der Tat zu kämpfen. Und stellt sich ihr doch immer wieder. Der 32-Jährige erzählt für seine Initiative für Gewaltprävention seine Geschichte – vor Schulklassen, im Fernsehen, bei Politikern. Jetzt war er an der BBS in Brake zu Gast.

„Mein Leben ist weg“

Fällt es ihm schwer, immer wieder in die folgenschwere Nacht zurückzukehren? „Nein“, sagt er ruhig. „Mein Leben ist weg. Ich weiß, ich war früher Musiker. Erinnern kann ich mich daran aber nicht.“

Den Schülern an der BBS begegnet er trotzdem auf Augenhöhe. Er wirkt nicht wie ein Opfer, das ist ihm sehr wichtig. Obwohl er langsam spricht und in seinen Bewegungen eingeschränkt ist. ist Rickels schlagfertig und sehr präsent. „Ihr habt keine Fragen? Selbst schuld“, bricht er die Stille im Raum nach seinen bewegenden Erzählungen. Auch ein Video der Überwachungskamera aus der Tatnacht gab es zu sehen. Ein Schlag an den Kopf, ein schwerer Sturz – und das Leben von Christoph Rickels war nicht mehr dasselbe.

„Die Schüler waren bei seinem Vortrag so leise, das habe ich noch nicht erlebt“, sagt Lehrerin Sonja Werder nach der Veranstaltung. Betretenes Schweigen, Tränen – die Schüler haben erst einmal keine Fragen – und suchen dann doch im Einzelgespräch den Kontakt, wollen gemeinsame Fotos machen. „Das ist immer so, egal wo ich bin“, sagt Christoph Rickels. In der Gruppe cool dastehen sei den Jugendlichen wichtig. Und da will er mit seiner Initiative „First Togetherness“ ansetzen.

Helfen ist cool

Er möchte, dass das Miteinander bei den Schülern im Trend ist. Dass künftig weniger Menschen Opfer von Gewalt werden. „Man erntet, was man sät“, sagt der 32-Jährige. „Das ist heute mein Leitspruch.“

Auf die Idee zu den Vorträgen ist der gebürtige Friedeburger durch seine Cousine gekommen. Sie hatte ihn gefragt, ob er vor ihrer Klasse über seine Erfahrungen berichten würde. „Das habe ich nach einigem Überlegen gemacht. Ich möchte, dass sich der Begriff von Coolness verändert. Dass es cool ist, sich zu helfen. Dass man lernt, bei sich zu sein. Cool für sich selbst“, erklärt er.

Kampf um Entschädigung

Bei den Jugendlichen kommen seine Worte an. Er spricht ihre Sprache. Und zu sehen, wie Rickels Leben durch den Schläger geprägt wurde, lässt niemanden unberührt. Der 32-Jährige ist zu 80 Prozent schwerbehindert. Das ihm zugesprochene Schmerzensgeld von 200 000 Euro von der Krankenkasse des Täters hat er nie bekommen. Rickels klagte sich bis vor den Bundesgerichtshof, jetzt führt er einen Prozess gegen seinen Anwalt aus Aurich, der einen Fehler gemacht habe.

Das kostet viel Kraft, doch aufgeben kommt nicht in Frage. Nach dem Erwachen aus dem Koma habe es zwei Jahre gedauert, bis er sich lediglich wieder „ganz ok“ gefühlt habe. Und genauso beharrlich, wie er sich nach der Reha zurück ins Leben gekämpft hat, verfolgt Christoph Rickels auch jetzt seine Ziele. Sein früheres Leben ist weg – er hat sich ein neues aufgebaut.


     www.first-togetherness.com 
Friederike Liebscher Berne/Lemwerder / Redaktion Brake
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