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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Die Welt ist nicht nur pink und blau

06.06.2018

Brake /Wesermarsch Die Mädchen spielen Verkleiden, hüllen sich in gerüschte Prinzessinnenkleider und zaubern in der Kinderküche eine herrliche Torte für die hungrige Puppenschar. Die Jungs lassen ihre Ritterfiguren im Gefecht aufeinanderprallen, die Rennautos über die Strecke rasen und die Feuerwehr jault ihr lautes Tatütata.

Entspricht das in etwa Ihrer Vorstellung vom normalen Spiel in einer Kitagruppe? Wahrscheinlich schon.

Festgelegt im Kopf

Reflektiert man das eigene Verhalten und eigene Ansichten, stellt man zwangsläufig fest: Geschlechterrollen sind tief in unseren Köpfen und in der Gesellschaft verankert. Schlimm ist das nicht. Schließlich dienen diese Bilder auch als Orientierung. Aber sie schränken auch ein. Und das fängt bei Kindern an. „Wir müssen weg von Stereotypen“, fordert deshalb die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Wesermarsch, Ursula Bernhold. „Wir müssen Kindern möglichst viele Chancen eröffnen, ihnen Vorschläge machen, sie weniger bewerten, sie ermutigen sich mehr auszuprobieren und ihnen Vielfalt aufzeigen.“

Ursula Bernhold will in dieser Sache einen Umdenkprozess anschieben. Sie will weg von geschlechtertypischen Bildern und Verhaltensformen hin dazu, dass sich Kinder unabhängig von einem geschlechtertypischen Korsett entwickeln können. Weil dann am Ende Mädchen selbstverständlicher gut in Mathe sind und mit Begeisterung technische Berufe ergreifen und Jungs im Dienstleistungssektor und in Care-Berufen ihre Stärken und Vorlieben ausspielen können.

Buchempfehlungen für Kinder

Tipps für Bücher, die mit dem Geschlechterthema sensibel umgehen, sind in dem Praxisheft aufgelistet:
 „Guck mal, wie niedlich!“ von Lida Dijkstra und Marijke Tolman
 „Prinzessin Isabella“ von Cornelia Funke und Kerstin Meyer
 „Ben und der böse Ritter Bertholt“ von Ute Krause
 „Die tapfere Tilli“ von Angelika Glitz und Imke Sönnichsen
 „Marietta und ihr Bär“ von Jan Ormerod und Freya Blackwood
 „Der Cowboy“ von Hildegard Müller
 „Jill ist anders“ von Ursula Rosen
 „Der beste Pirat von allen“ von Heinz Janisch
„Wo die wilden Kerle wohnen“ von Maurice Sendak
„Der Wald der wilden Tiere“ von Chris Wormwell
„Muss mal Pipi“ und „Echte Kerle“ von Manuela Olten
 „Prinzessin Anna oder wie man einen Helden findet“ und „Ab heute sind wir cool“ von Susann Opel-Götz
 „Herr Seepferdchen“ von Eric Carle
 „Luzie Libero und der süße Onkel“ von Pija Lindenbaum
 „Ich bin der Stärkste im ganzen Land“ und „Ich bin der Schönste im ganzen Land“ von Mario Ramos
 „Die Froschkönigin“ von Heinz Janisch und Barbara Korthues
 „Alles Familie! Vom Kind der neuen Freundin vom Bruder von Papa früherer Frau und anderen Verwandten“ von Alexandra Maxeiner
 „Die Prinzessin auf dem Kürbis“ von Heinz Janisch und Linda Wolfsgruber
 „David und sein rosa Pony“ von Blanca Fernandez, Nils Pickert und Jenny Harbauer

Bei einem Fachtag zum Thema „Chancen für Jungen – Chancen für Mädchen! Geschlechtsbezogene Erziehung und Pädagogik“ hat Ursula Bernhold Alltagstipps für die Arbeit von Pädagogen und Erziehern aufgesogen wie ein Schwamm. Diese wollte sie nicht versanden lassen, sondern möglichst vielen Eltern und Erziehern zugänglich machen: „Toben im Prinzessinnenkleid“ heißt das „Praxisheft zur gendersensiblen Pädagogik in der Kita“, das nun auf Bestreben der Gleichstellungsbeauftragten und ihrer Mitstreiter hin auf dem Markt ist. Auch Eltern sind eingeladen, das Heft über den Landkreis zu beziehen, um sich Anregungen für eine Erziehung zu holen, die Kinder nicht auf Rollenbilder festlegt.

Raus aus der WErkecke

Für Kindergärten wird beispielsweise empfohlen, Kinderküche und Werkbank nebeneinander zu platzieren und geschlechtstypisches Spielzeug zu durchmischen. Erfahrungen damit hätten gezeigt, dass Mädchen und Jungen dann mehr zusammen spielen, dass die Jungen ihre sozial-emotionalen Kompetenzen verbessern und die Mädchen bessere Ergebnisse im räumlichen Denken erzielen konnten.

Alle Farben für alle

Rita Naujoks, Leiterin der Kita in Lemwerder, berichtet in dem Praxisheft von einer typischen Situation wie „Du siehst aus wie ein Mädchen“, wenn ein Junge ein rosafarbenes T-Shirt trägt. „Dann frage ich: Was ist denn Mädchenkleidung? Darf man als Junge so etwas anziehen? Ziel ist es, zu vermitteln, dass Jungen und Mädchen alle Farben leiden mögen dürfen.“

Neben unzähligen Tipps für den alltäglichen Umgang mit Kindern finden sich in dem Heft auch Buchempfehlungen. „Toben im Prinzessinnenkleid“ droht unterdessen Schule zu machen: Die Resonanz ist durchweg positiv und weitreichend, so Ursula Bernhold. Sie hat Anfragen aus ganz Deutschland und der Schweiz erhalten. Wer sich also fragt, ob stereotypische Geschlechterrollen ernsthaft in der Kita ein Thema sind, erhält damit seine Antwort.
„Toben im Prinzessinnenkleid“ ist beim Landkreis über das Referat für Gleichstellungsfragen kostenfrei erhältlich: Telefon 04401/927288 oder E-Mail an gleichstellungsbeauftragte@lkbra.de. Das Heft wird in Kürze auch zum Download über den Landkreis zur Verfügung stehen.  

Anja Biewald
Berne/Lemwerder
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2321

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