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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

DEMENZ: Dem Vergessen nicht hilflos ausgeliefert

28.10.2009

Betreuung entlaSTET ANGEHÖRIGE

Angehörige können einen Demenzkranken für das „Erzähl-Cafe“ anmelden bei ihrer Pflegerin oder bei der Sozialstation, Telefon 8 00 58.

Ehrenamtliche werden zunächst 20 Stunden lang geschult. Themen sind Formen der Demenz, Kommunikation und Umgang mit Dementen, Sitztanz, Sitzgymnastik, Gedächtnistraining und Betreuungsrecht. Lehrer sind der Fachpfleger Joachim Lameyer und der Leiter der geriatrischen Abteilung der Wesermarsch-Klinik, Peter Plettenberg.

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Entlastung pflegender Angehöriger zählt ebenfalls zu den Aufgaben des Malteser Hilfsdienstes. Stundenweise werden Demente zu Hause betreut.

Der Umgangston ist ruhig und respektvoll. Gern wird gefeiert.

Von Henning Bielefeld

Nordenham Der Kaffee ist heiß und frisch, der Apfelkuchen mit Sahne schmeckt nach mehr. Die Runde feiert den 88. Geburtstag eines ehemaligen Lehrers. Er ist in Anzug, Schlips und V-Pullover erschienen – wie vermutlich jahrzehntelang zum Unterricht. Einst war er belesen und wusste auf viele Fragen die richtige Antwort; heute ist er dement.

Ganz auf sich bezogen

Seine Frau ist mitgekommen, wie fast immer. Sie gehört zu den Menschen, die der alte Lehrer noch erkennt. Hier, im offenen Bereich des Mehrgenerationenhauses, trifft sich an jedem Dienstag von 14.30 bis 18 Uhr das „Erzähl-Cafe“, eine Runde von acht „demenziell Veränderten“, wie Joachim Lameyer sie nennt. Der 55-jährige Braker ist gerontopsychiatrischer Fachpfleger und beim Malteser Hilfsdienst beschäftigt, der sich in der Wesermarsch auf die Betreuung von Demenzkranken spezialisiert hat. Zwei Ehrenamtliche, die 58-jährige Gertrud Bucken und der 76-jährige Thomas Bijman, unterstützen ihn.

Joachim Lameyer strahlt Gelassenheit, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit aus. Der Umgangston ist ruhig und respektvoll, die Teilnehmer des „Erzähl-Cafes“ werden gesiezt. „Ich mach‘ das gerne“, sagt Lameyer über seine Arbeit, „mich reizt der Kontakt zu den Menschen.“

Dieser Kontakt ist nicht immer leicht herzustellen. Lameyer gegenüber sitzt ein älterer Mann, der ganz auf sich bezogen ist. Einst lebte er in Pommern und war Fischer, doch das weiß er nicht mehr. Aber wenn ihm Joachim Lameyer einen Bildband über das Fischen zeigt, fällt ihm vieles wieder ein. Wenn der ältere Herr über Lameyers Kopf hinwegblickt, sieht er die Uhr im Nebenraum. Er weiß, wie spät es ist. „Und er spielt Bingo“, sagt Joachim Lameyer, „das heißt: Er kann Zahlen zuordnen.“

Sieben der acht Teilnehmer kommen „aus der Häuslichkeit“, wie Lameyer sagt, nur einer aus einem Heim. „Demente können sehr lange zu Hause bleiben – auch allein, wenn sie die richtige Betreuung haben“, erläutert der Pfleger. Das liegt auch daran, dass die Demenz verschiedene Erscheinungsformen hat.

Auch deshalb sieht sich der Fachpfleger jeden Dementen zu Hause selbst an, ehe er ihn in die Gruppe einlädt. Denn wenn der Gedächtnisverlust schon zu weit fortgeschritten ist oder wenn der Betroffene zu Aggressivität neigt, kann er nicht aufgenommen werden.

Gerne würde Joachim Lameyer weitere Gruppen gründen – zum Beispiel vormittags, inklusive Frühstück und Mittagessen. Der Bedarf ist da. Doch er braucht zusätzliche Ehrenamtliche, die gegen eine kleine Entschädigung tätig werden. „Die Arbeit macht Freude“, wirbt Joachim Lameyer. „Entscheidend sind der Wille, sie zu machen, und auch Mut.“ Auch einige der jetzt zehn Ehrenamtlichen in Nordenham und Brake hatten zunächst durchaus Hemmungen.

Doch die Arbeit mit den demenziell Veränderten bringt auch Erfolgserlebnisse. Bei Alzheimer lässt sich die Verschlechterung des Gedächtnisses verlangsamen, bei allen anderen Formen der Demenz sind sogar Verbesserungen möglich. Die Betroffenen trainieren ihr Gedächtnis, indem sie alte Lieder und Schlager wiedererkennen und aus Stichwörtern auf ein gesuchtes Wort schließen.

Eine Frau – ein Wörterbuch

Und sie vervollständigen Sprichwörter – was naturgemäß nicht immer klappt. „Was ich nicht weiß“, begann Lameyer einmal ein Sprichwort. „Dann frag‘ ich meine Frau“, vervollständigte der 88-jährige Lehrer. „Ein Mann“, sagte Lameyer. „Ein Wort“, ergänzte der alte pommersche Fischer. Darauf tönte es aus der – überwiegend männlichen – Runde: „Eine Frau – ein Wörterbuch.“ Da musste der alte pommersche Fischer lachen, lachen, lachen.

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